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Mit Füßen getretene Schönheiten

Die Künstlerin Petra Radlmaier-Brenneisen und Schönwalde Bürgermeister Bodo Oehme.
Die Künstlerin Petra Radlmaier-Brenneisen und Schönwalde Bürgermeister Bodo Oehme. © Foto: MZV/Lindl
S. Schulz / T. Lindl / 22.12.2014, 10:00 Uhr
Schönwalde (MZV) Allerorten vorhanden, aber in der Regel wenig beachtet sind die gusseisernen Verschlüsse, die die Wartungsschächte der Abwasserkanäle bedecken. Umgangssprachlich Gullydeckel genannt, werden sie Tag für Tag von uns überquert, ohne dass wir ihnen besondere Aufmerksamkeit schenken. Im Glien soll dies nun anders werden.

Die Schönwalder Künstlerin Petra Radlmaier-Brenneisen findet schon seit einigen Jahren Gefallen an der Ästhetik der rund 90 Kilogramm schweren Kolosse. Interessante Objekte dieser Art fotografiert sie oder gießt sie in Ton. Nach der Ausstellung ihrer Arbeiten in der Galerie des Vereins kreativ in Schönwalde im letzten Jahr reifte die Idee, die Künstlerin für die Gestaltung von Kanaldeckeln zu gewinnen, die im Gebiet des Trink- und Abwasserzweckverbands Glien verlegt werden sollen.

"Ich habe sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, so etwas auch für uns zu basteln", berichtet Schönwaldes Bürgermeister und Verbandsvorsteher Bodo Oehme (CDU). "Sie hat mein Angebot angenommen, und nun ist das Produkt da." Das "Produkt" besteht aus 50 runden Schachtdeckeln aus Vollguss, jeder einzelne misst etwa 63 cm im Durchmesser und kostet 290,00 Euro. Für die Gestaltung der Oberfläche hat die Ärztin nach Feierabend viel gezeichnet und gemessen, manchmal auch an ungewöhnlichen Orten: "Als ich eines Abends den Nachtigallensteig entlangfuhr, fiel mir plötzlich eine Gestalt auf, die sich über einen Gullydeckel beugte", erzählt Oehme lachend.

Das dreidimensionale Ergebnis kann sich sehen lassen - um den Brandenburger Adler gruppieren sich das Verbandslogo und die Wappen der Gründungsgemeinden Schönwalde, Pausin, Perwenitz, Paaren im Glien, Grünefeld, Wansdorf und Bötzow. "Ich fand, die Wappen eignen sich gut. Da fühlt sich jeder angesprochen", beschreibt Petra Radlmaier-Brenneisen ihr Vorgehen. "Der Impuls, den Adler in die Mitte zu setzen, kam aber von Herrn Oehme."

Der erste der 50 Deckel ist bereits verlegt - er befindet sich direkt vor dem Schönwalder Rathaus und wurde am Freitag in Anwesenheit der Künstlerin und Vertretern der Osthavelländischen Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung (OWA GmbH) feierlich vorgestellt.

Bodo Oehme dankte dabei der Schönwalderin herzlich für ihr außergewöhnliches Engagement und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass dies zu einer guten Identifikation des Zweckverbands führen wird. Dieser versorgt als Gesellschafter der OWA GmbH die Gemeinde Schönwalde-Glien und den benachbarten Oberkrämer Ortsteil Bötzow und hat durch sein wirtschaftliches Handeln eine beträchtliche Senkung des Kubikmeterpreises zum 1. Januar erreichen können.

Wo genau die restlichen 49 Deckel verlegt werden, steht noch nicht fest. Jeder Ort erhält ein bestimmtes Kontingent. In Bötzow wird der Ortsbeirat nach Auskunft von Ortsvorsteher Günter Franke (Die Linke) im Januar 2015 über den konkreten Standort entscheiden.

Der Gedanke, die Oberfläche von Schachtabdeckungen dekorativ zu gestalten, ist nicht grundsätzlich neu. Bereits die alten Römer entwickelten Kanalgitter, die mit Ornamenten aus Stein gehauen waren. Heute gibt es Kanaldeckel-Safaris und Kreativwettbewerbe, in denen die Bevölkerung aufgerufen wird, an der Gestaltung dieser Straßenelemente mitzuwirken. In Falkensee symbolisiert ein goldener Schachtdeckel vor dem Rathaus das Ende der Erschließungsarbeiten. Auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs in Hannover befindet sich ein Kanaldeckel, aus dem sogar Musik zu hören ist. Fazit: Es kann durchaus lohnenswert sein, mit gesenktem Blick und offenen Augen durch die Straßen zu gehen.

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