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Joachim Knaack hat Silvester alle Hände voll zu tun / Knallen darf der Pyrotechniker das ganze Jahr

Profi fürs große Himmelsfunkeln

Friemelei: Joachim Knaack verbindet in seiner Werkstatt Zündzeitverzögerer fürs Höhenfeuerwerk. An die Kugelbomben schließt er sie erst vor Ort an. Der Pyrotechniker bringt in der Silvesternacht den Himmel über Schloss Boitzenburg zum Leuchten.
Friemelei: Joachim Knaack verbindet in seiner Werkstatt Zündzeitverzögerer fürs Höhenfeuerwerk. An die Kugelbomben schließt er sie erst vor Ort an. Der Pyrotechniker bringt in der Silvesternacht den Himmel über Schloss Boitzenburg zum Leuchten. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Ellen Werner / 30.12.2014, 20:29 Uhr
Biesenthal (MOZ) Wumms und Wunderkerzen hoch am Himmel - Joachim Knaack lässt es gern krachen und leuchten. Seine Leidenschaft hat der 59-Jährige vor 16 Jahren zum Beruf gemacht. Die eigene Silvesterfeier fällt für den Pyrotechniker aus Biesenthal seither regelmäßig aus.

Wenn andere heute zur Silvesterparty aufbrechen, hat Joachim Knaack die Kisten gepackt. 24 Stunden vor ihrem Einsatz darf er die Feuerwerkskörper aus seinem Lager bei Tempelfelde holen. "Ich fahre abends um sechs los, baue auf - und dann warte ich bis Mitternacht", sagt der Biesenthaler. Genau genommen noch länger. Ab viertel eins etwa, wenn die Gäste angestoßen haben, schießt Knaack gemeinsam mit einem Helfer die Knall- und Leuchteffekte in den Himmel über Schloss Boitzenburg (Uckermark) - sein angestammter Einsatzort als Berufs-Zündler.

Pyrotechniker, von denen es im Barnim kaum eine Handvoll gibt, ist Joachim Knaack seit 1998. Bis zum Befähigungsschein sei es ein langer Weg, erklärt er. An mindestens 26 Großfeuerwerken müssen Anwärter vor der Prüfung mitgewirkt haben. "Ich bin zwei Jahre durch ganz Deutschland gereist, um die Stempel zusammenzukriegen."

Gelernt hat Knaack mal Fernmeldebaumonteur. Später arbeitete er als Klempner. Eine Zeit der Arbeitslosigkeit nutzte er dann für den Perspektivwechsel. "So ein kleiner Pyromane war ich immer schon, Silvester habe ich immer viel gebastelt", sagt er.

Als Profi kann der 59-Jährige allerdings jedem nur raten: "Man sollte die Bastelei doch sein lassen." Ungefährlich ist sein Job keineswegs. An die Risiken erinnert in seiner Werkstatt ein gelbes Abschussrohr, "als kleine Warnung auch für mich selbst", sagt der Pyrotechniker.

Die über fünf Millimeter starken Wände hat es zum Teil zerrissen. "31.12.2003" notierte Joachim Knaack auf dem Rest. Zum Glück ist damals nichts passiert, als der Feuerwerkskörper noch am Boden losging. "Ich habe mich bloß gewundert, warum es hinter mir so hell ist."

Das Abbrennen des Feuerwerkes ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Joachim Knaack programmiert die Abfolge der Effekte am Rechner. Und besonders der Aufbau dauert. Sein größtes Feuerwerk war vor einigen Jahren das Feuerwerk auf dem Eisleber Wiesenmarkt. "Da haben wir drei Tage aufgebaut mit sechs Mann - das ist schon eine Puckelei." Beim Wukenseefest, dem Knaack auch alljährlich das leuchtende I-Tüpfelchen aufsetzt, braucht er immerhin vier Leute. 35 bis 40 jeweils 25 Kilogramm schwere Kisten bepacken sie mit den Explosivstoffen.

Fliegen gewöhnliche Silvesterraketen überwiegend zwischen 30 und 50 Meter hoch, spielen sich Knaacks Himmelslichtspiele meist in einer Höhe um die 130 Meter ab. Möglich wären auch 200 Meter. Aber die dafür notwendigen Kaliber sind besonders teuer und ein einzelner Schuss ganz weit oben lohnt sich nicht. "Das Ganze muss ja auch ein Bild ergeben."

Überhaupt geht es in dem Geschäft immer härter zu, findet Joachim Knaack. Von seinen Aufträgen allein kann er inzwischen nicht mehr leben. Zwischendurch ist er deshalb auch mal Lkw gefahren. Kleine Dorffeste werden immer seltener. "Und die Hochzeiten machen eher die Neuen. Es werden heute viel zu viele Pyrotechniker ausgebildet." Dazu komme, dass die Neueinsteiger utopisch niedrige Preise anbieten. "Ein Höhenfeuerwerk für 300 Euro - ich weiß nicht, wie das gehen soll." Das Preisspektrum beginne bei 1000 Euro, "nach oben ist es offen".

Viel Genuss hat der 59-Jährigen bei seinen eigenen Feuerwerken nicht. Er zündet sie vom Rechner aus und hat keine Zeit, nach oben zu gucken. Höchstens im letzten Moment: "Meine Lieblingsbomben sind die Brokatbomben zum Abschluss", sagt Joachim Knaack. "Dann ist der Himmel voll - das ist Wahnsinn."

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