Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neuer Eigentümer Tim Lehmann sucht Mietinteressenten für Fürstenberger Immobilie

Kindheitstraum vom eigenen Bahnhof erfüllt

Beschäftigt sich beruflich schon seit 16 Jahren mit Bahnhöfen: Tim Lehmann ist Eigentümer des Fürstenberger Bahnhofes geworden. Der junge Mann hat viele Ideen, was aus dem stolzen Gebäude werden kann.
Beschäftigt sich beruflich schon seit 16 Jahren mit Bahnhöfen: Tim Lehmann ist Eigentümer des Fürstenberger Bahnhofes geworden. Der junge Mann hat viele Ideen, was aus dem stolzen Gebäude werden kann. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 05.01.2015, 20:52 Uhr
Fürstenberg (MOZ) Es ist der Traum vieler Jungen zwischen vier und zehn Jahren: einmal einen Bahnhof besitzen. Tim Lehmann hat sich diesen Wunsch jetzt erfüllt. Kürzlich kaufte er das Bahnhofsgebäude in Fürstenberg, aus dem er einen lebendigen Ort der Begegnung machen möchte.

Es ist ein bisschen wie im Märchen. Die Geschichte vom hässlichen Entlein, das schlussendlich zum selbstbewussten Schwan heranwächst. In der Fabel vollzieht sich die Wandlung ganz von alleine. Im Leben muss - wie so oft - nachgeholfen werden. Lehmann will dafür Sorge tragen, dass aus dem tristen Bahnhofsgebäude ein ansehnlicher Treff- und Aufenthaltspunkt für Einheimische und Touristen wird.

Lehmann kennt sich mit Loks, Güterverkehr und Bahnhofshallen aus. Der studierte Architekt und Stadtplaner ist nach dem Studium zur Deutschen Bahn gegangen. Seit 16 Jahren beschäftigt er sich mit der Frage nach der Entwicklung von Bahnhöfen, Marketing, Bausubstanz, Kommunalarbeit. Er hat sich mit Großbauprojekten in München und Stuttgart beschäftigt. Seine Diplom- und später Doktorarbeit widmete sich dem Thema Bahnhof. "Ich bin schon ein Freak", gibt er unumwunden zu.

Der Traum von der eigenen Verkehrsstation nahm 2014 endgültig Gestalt an. Die Bahn ließ das Fürstenberger Bahnhofsgebäude versteigern - erneut. Erste Anläufe scheiterten an zu wenig Interesse. Die Stadt Fürstenberg lehnte den Kauf - zu günstigeren Konditionen - ab. Lehmann schlug zu. Ende Dezember überwies er den Kaufbetrag. Wie viel er für die Räumlichkeiten zahlte, sagt er nicht. Unter 100 000 Euro waren es aber, deutet der Wahl-Fürstenberger, der zwischen Berliner Wohnung und Haus in Kleinmenow pendelt, an. Ein Schnäppchen wie das Zehdenicker Bahnhofsgebäude, das den Besitzer kürzlich für schlappe 19 000 Euro wechselte, sei das touristische Eingangstor zur Wasserstadt aber nicht gewesen.

Über die bauliche Substanz des Gebäudes wusste Lehmann beim Kauf nicht viel. Es war die sprichwörtliche Katze im Sack, die er ersteigerte. Anfang Januar konnte er sich nach der offiziellen Schlüsselübergabe erstmals ein Bild machen. "Aufregend", so sein Urteil. Nicht baufällig. Dennoch viel Arbeit. Den Leerstand in Teilen des Gebäudes will er nutzen. "Die Gaststätte bleibt natürlich. Mein Anspruch ist ein gutes Verhältnis mit den Mietern und dass alles so bleibt, tendenziell vielleicht besser wird." Die "Dampflok" bleibt dem Bahnhof also erhalten. Auch die zwei Mietparteien - ein alteingesessener Eisenbahner, der einen Mietvertrag auf Lebenszeit hat sowie die Inhaberin der "Dampflok" - behalten ihre Wohnungen zu den gleichen Konditionen.

Die triste Fassade wird einem neuen Anstrich weichen, mehr Ambiente, Verschönerung. "Kein Tabula rasa, an der Struktur wird sich nichts ändern." Frühestens 2016 wird das Äußere des Gebäudes mit Farbe aufgehübscht. Solange sucht Lehmann Mieter für seine Räumlichkeiten wie die 100 Quadratmeter große Empfangshalle, die Gepäckhalle und die Fahrkartenausgabe - seit 1999 geschlossen, wie ein Schild noch verkündet.

Dazu hat er jetzt Flyer verteilt. Im Kopf hat er soziale oder kulturelle Ideen. Kita, Seniorentreff, Jugendclub, Bürgerzimmer, Touristen-Information. "Ich weiß, das gibt es teils schon in der Innenstadt, aber eine städtische Nutzung ist der Traum und die Rettung vieler Bahnhöfe." Vorstellen könnte er sich ferner Ausstellungsräume für Kunstschaffende oder einen Bio-Supermarkt. "Grundprinzip ist eine einladende Nutzung, die den Bahnhof belebt. Zumal ist es eine Chance, lokale Anbieter zu unterstützen." Dass solch ein Vorhaben nicht leicht ist, zeigt das Granseer Bahnhofsgebäude. Die Kommune kaufte das Gemäuer und findet bis heute keinen Betreiber. Lehmann bringt das noch nicht aus der Ruhe. Ein Traum ist für ihn in Erfüllung gegangen. Und falls sich niemand findet? "Dann mach ich vielleicht Indoor-Camping in der Empfangshalle. Sand rein, Zelte aufstellen, günstige Übernachtungen. Das könnte hipp werden."

Tim Lehmann hat für Interessenten eine E-Mail-Adresse eingerichtet, wo er über Preise wie die symbolische Miete von einem Euro für sechs Monate informiert: meinbahnhof@web.de Sonntag, 25. Januar, bietet er zudem zwischen 12 und 14 Uhr eine Besichtigung an.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG