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Den inzwischen traditionellen Festen droht das Aus / Umweltministerium weist auf Verbot hin

Ärger um Weihnachtsbaumfeuer

Harriet Stürmer / 07.01.2015, 20:05 Uhr
Potsdam (MOZ) Seit einigen Jahren finden in immer mehr Brandenburger Orten Weihnachtsbaumfeuer statt. Doch nun droht den inzwischen traditionellen Festen das Aus. Denn beim Umweltministerium sieht man die brennenden Bäume gar nicht gerne.

Kaum ist das Fest vorbei, stellt sich auch schon die Frage, wie lange der geschmückte Weihnachtsbaum noch im Wohnzimmer stehen soll. Spätestens wenn er dann anfängt zu nadeln, landet der Schmuck wieder im Schrank und der Baum vor der Tür, um schließlich von der Müllabfuhr mitgenommen zu werden. So sieht die gängige Entsorgung aus. Doch dass es auch anders geht, zeigt sich in immer mehr brandenburgischen Dörfern, aber auch Städten, wo sich inzwischen ein schwedischer Brauch durchgesetzt hat, bei dem die Weihnachtsbäume auf einen großen Haufen geworfen werden, um dann in Brand gesteckt zu werden. Ähnlich wie das Osterfeuer oder andere Brauchtumsfeuer bietet auch das Weihnachtsfeuer Nachbarn Gelegenheit zum Beisammensein mit Glühwein, Bratwurst und Kinderbowle. Doch nun ist die schöne Tradition in Gefahr. Grund ist ein Schreiben aus dem Potsdamer Umweltministerium, das für Aufregung in Kommunen sorgt.

Nachdem beim Ministerium Beschwerden über angekündigte Weihnachtsbaumfeuer eingegangen waren, sah man sich dort offenbar gezwungen, Städte und Kreise über die aktuelle Rechtslage zu informieren. Unter der Überschrift "Unzulässiges Verbrennen von Weihnachtsbäumen" wurde das Schreiben dieser Tage verschickt. Demnach gelten Weihnachtsbäume als Haushaltsabfall und müssen dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger überlassen werden.

Die Verantwortlichen im Amt Spreenhagen (Oder-Spree) reagierten prompt und ließen die geplanten Feuer kurzerhand verbieten. Doch schon am Mittwoch folgte die Kehrtwende. Vom Kreis sei man in der Zwischenzeit informiert worden, dass Traditionsfeuer mit Sondergenehmigung von der örtlichen Ordnungsbehörde stattfinden dürften, erklärt Rainer Miethe, Leiter des Fachbereichs Ordnungsverwaltung. Ein Ministeriumssprecher bestätigt: "Traditionsfeuer kann es geben."

Derweil werden im Amt Spreenhagen "die Sondergenehmigungen gerade schon vorbereitet", wie Miethe berichtet. Die Feuer, zumeist organisiert von den Feuerwehren, seien eine Art der Geselligkeit und für die Wehren nicht zuletzt eine Form der unverzichtbaren Mitgliederwerbung. "Von daher sehe ich die Möglichkeit der Sondergenehmigung positiv."

Ursula Gärisch hat in Oder-Spree die Aufsicht über die örtlichen Ordnungsbehörden. "Die Weihnachtsbaumfeuer sind nun mal Tradition", sagt sie. "In manchen Orten seit mehr als zehn Jahren." Solange sich die Veranstalter an die entsprechenden Vorgaben hielten, sehe sie in dem Brauch kein Problem. Wichtig sei etwa, dass die Bäume ohne Lametta verbrannt werden und trocken sind. Im Frühjahr will Gärisch das Thema bei einer Arbeitsberatung mit den örtlichen Ordnungsbehörden noch einmal auf den Tisch bringen. "Weil die Mitarbeiter teilweise verunsichert sind", wie sie erklärt.

Auch Andreas Scharf, Leiter des Fachbereichs Innere Verwaltung in Seelow (Märkisch-Oderland), zeigt sich verunsichert. Schon seit einigen Jahren laden der Heimatverein Schweizerhaus und die Jugendfeuerwehr die Bewohner der Kreisstadt im Januar zum Weihnachtsbaumverbrennen ein. Nun steht die noch junge Tradition schon wieder auf der Kippe. "Wir müssen sehen, wie wir mit dem Schreiben umgehen", sagt Scharf. "Wir stehen zwischen Baum und Borke." Auf der einen Seite gebe es die Bedürfnisse der Bevölkerung, auf der anderen gesetzliche Regelungen, die nicht eindeutig seien. So stellt sich für Scharf zum Beispiel folgende Frage: "Ab wann gilt ein Brauch eigentlich als Brauch?"

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Tony 09.01.2015 - 08:47:54

Es hat überhand genommen.

Sicher wurden früher die Bäume im Ofen verbrannt. Es waren Fichten oder Kiefern knochentrocken, ein Puff und weg war der. Da gab es kaum ein Wölkchen am Schornstein. Die Nordmanntannen sind aber nicht trocken, die verbrennen unter extremster Qualmentwicklung. Das letzte Weihnachtsbaumfeuer in Erkner, hatte eine Rauchfahne, bestimmt über einen Kilometer weit zu riechen. Die Bewohner der Wohnblöcke in der Nähe, so 200 Meter entfernt, haben den Dreck voll in die Fenster bekommen. Die Norm sollte der gesunde Menschenverstand setzen! Außerdem gibt es Gesetze, die diese Art Feuer eindeutig verbieten!

Querdenker 09.01.2015 - 08:07:53

???

Stimmt schon das auch früher bereits die W-Bäume verbrannt wurden und zwar im Ofen. Das war aber doch Mittel zum Zweck, da meistens mit dem Ofen geheizt wurde und dieses Holz war doch schon da.

Isenhagen 09.01.2015 - 07:58:34

Weihnachtsbäume wurden bei uns immer

und zu allen Zeiten verbrannt. Die Katze und die Kühe fressen ihn ja nicht. Früher wurde er klein gehackt und in den Ofen gesteckt. Jetzt wird er halt in der Feuerschale verbrannt. Der Ofen ist ja nicht mehr da und ob ich den Weihnachtsbaum da überhaupt noch reinstecken dürfte, wer weiß das schon so genau? Man sollte eher die Frage stellen...was ist das für ein Land wo so ein kleinesr Tanz um das Freudenfeuer...... verboten wird? Hat die Politik keine ernsten Aufgaben? Dass sich ein Nachbar findet der am Weihnachtsbaumfeuer fast erstickt, das wird es immer geben. Der darf doch aber nicht die Normen setzen. Was hilft ist Volksabstimmung aber doch kein Parteiengesteuertes Ordnungsamt.

Tony 08.01.2015 - 20:24:23

Recht und Gesetz....

Ich hege schon seit einiger Zeit Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit. Es ist schon sehr bedenklich, dass die Ordnungsamtsleiterin von Erkner, Frau Althaus, das Verbot nicht akzeptiert! Eine derartige Äußerung ist skandalös! Damit wird ja zum Rechtsbruch regelrecht aufgerufen!

Thomas Schmidt 08.01.2015 - 17:06:57

is doch Tradition!

Die freiwillige Feuerwehr braucht die Gesetzesübertretung als eine "Form der unverzichtbaren Mitgliederwerbung", es sei "Tradition"? Was ist denn das für eine schwachsinnige Begründung! Das zu Ende gedacht, würde jeden anderen Rechtsbruch schon irgendwie legitimieren. Egal ob Alkoholkontrollen, Zollkontrollen gegen Schwarzarbeit, Parkverbote - irgend ein Brauchtum, eine Tradition oder Gewohnheitsrecht steht dem schon entgegen. Gartenabfälle darf man nicht verbrennen - wieso, ham wa doch imma so jemacht. Den kleinen Jungen von nebenan darf man nicht verprügeln - wieso, is doch Tradition.

Maja S. 08.01.2015 - 13:46:38

@Tony

Von welchem Ballungsgebiet reden Sie? Die Brauchtumgsfeuer, die ich kenne, werden von den Kameraden der Feuerwehr organisiert und durchgeführt. Hierbei wird besonders darauf geachtet, dass das Feuer eine gewisse Größe nicht übersteigt, dass es zu keinen Qualmentwicklungen kommt und der Abstand zu Häusern sehr groß ist. Jeder der schon einmal einen Weihnachtsbraum hat brennen sehen, der weiß, dass es einmal ordentlich knistert, nämlich dann, wenn die Nadeln verbrennen. Sie reden hier aber u. a. von einer "Müllentsorgung". Dann bitte sprechen Sie ihre Nachbarn direkt an. Es gibt sicher noch einige "schwarze Schafe" die ihren Hausmüll über ihre alten Heizanlagen verbrennen. Aber diese gibt es immer. Und hier pauschal alle als Pyromane zu beschiimpfen ist wohl der falsche Weg. Sicher nicht einfach, wenn man gesundheitliche Einschränkungen hat. Wenn man jedoch Ihren Kommentar liest, hat man den Eindruck, dass alle Menschen um Sie herum riese Feuer anzünden, die nur so qualmen. Im Übrigen. sollte Ihre Schilderung so den Tatsachen entsprechen, gibt es ein Ordnungsamt, an das man sich wenden kann. Achso und natürlich nicht vergessen, ein Foto machen - als Beweis.

Querdenker 08.01.2015 - 12:38:24

Nachgefragt

Hallo "Munk", was hat der Migrant mit dem Weihnachtsbaumthema zu tun?

Tony 08.01.2015 - 12:08:47

Hirnlose Luftverschmutzung ist primitiv.

Wenn anderen Menschen auch noch Schaden zugefügt wird, ist das noch primitiver! Tatsache ist, wir leben hier in einem Ballungsraum. Da müssten sich derartige Veranstaltungen von selbst verbieten! Abgesehen von der eindeutigen Gesetzeslage, die ohnehin das Verbrennen von grünen Baumschnitt verbietet! Die Weinachsbäume sind grün! Das ist eine Tatsache!

Querdenker 08.01.2015 - 11:56:51

Nur mal so

Ab wann gilt ein Weihnachtsbaum als trocken? Irgendwie ist doch immer noch Feuchtigkeit im Gewächs und verbrennen von Grünschnitt ist verboten. Bei Osterfeuern darf doch auch nicht alles verbrannt werden. Vor allem kein "frischer" Abschnitt.

Munk 08.01.2015 - 10:41:09

Ja genau

Dem Tony würde ich auch neue Fenster empfehlen. Ein Migrant in Deutschland hat eine bessere Unterkunft. Dazu Kost und Logie für lange Zeit gratis.

Diego 08.01.2015 - 10:12:45

Verhältnismäßig

Sehe ich genau wie @DER HOLGO Gegen eine geordnete Verbrennung auf geeigneten Flächen ist sicher nix einzuwenden, solche Veranstaltungen tragen wirklich zur Förderung der Gemeinschaft bei, was wie ich finde heutzutage dringend notwendig ist. Anders sieht es natürlich aus, wenn jeder zu Hause privat rumkokelt, womöglich in dicht bebauten Wohngebieten, das schafft Ärger und gesundheitliche Probleme.

Th. Scheuch 08.01.2015 - 10:05:15

@Tony

Ich würde neue Fenster empfehlen. Bloß gut, dass Sie nicht in Regionen leben, wo öfter mal der Wald brennt. Wer hier primitive Kommentare abgibt, lasse ich dahin gestellt.

der Holgo 08.01.2015 - 10:01:42

Also wenn die Weihnachtsbäume…

…gezielt an einem Stichtag, meist ja unter Aufsicht der Feuerwehr, entsorgt werden und damit die Leute animiert werden, ihre Bäume zu entfernen, statt sie so lange stehen zu lassen, bis sie möglicherweise knastertrocken zum Wohnungsbrand führen, werden unter Umständen ja auch Menschenleben gerettet. Wenn es dabei zu Beeinträchtigungen kommt, dann ist ja nicht die Veranstaltung falsch, sondern zunächst mal nur die Wahl des Veranstaltungsortes.

Tony 08.01.2015 - 09:38:09

Ihr Kommentar ist zu primitiv..

@ Frieda Trotzdem versuche ich es zu erklären. Die Luftverschmutzung schädigt Menschen. Ich habe zum Beispiel Asthma. Als letztes Jahr die große Weinachtsbaumverbrennung war, musste ich meine Wohnung verlassen. Ich musste flüchten, der Qualm kam durch die geschlossenen Fenster. So was geht gar nicht! Es kann durch eine derartige Situation ein Asthmaanfall ausgelöst werden! So ein Anfall kann tödlich enden. Das ist kein Quatsch!

Frieda 08.01.2015 - 09:11:49

@Tony

Ja und Pupsen in aller Öffentlichkeit sollte auch verboten werden - wenn man bedenkt, was dabei an CO2 freigesetzt wird! :-)

Tony 08.01.2015 - 08:05:48

Das wird auch langsam Zeit!

Ich bin jetzt 50 Jahre alt, was uns in den letzten Jahren alles als Brauchtum eingeredet wird, geht auf keine Kuhhaut mehr! Derartige Verbrennaktionen gab es früher nicht! Diese ganzen Feuer sind kein Brauchtum! Das ist übelste Luftverschmutzung, nichts weiter! Es wird Zeit, dass unsere Pyromanen mal gestoppt werden! Vielleicht sollte der Gesetzgeber auch mal über ein totales Verbrennverbot im Freien nachdenken. Es ist selbst im Sommer nicht mehr möglich, ein Fenster offen zu lassen, da immer irgend wo einer rumkokelt! Ich meine hier nicht, das Grillen von Fleisch! Sondern Feuerschalen, Töpfe, Öfchen und selbstgebaute Kamine in den Gärten! Wir haben den Missstand, dass viele Mitmenschen ihre ganz private Müllverbrennung betreiben!

T.S. Platkow 08.01.2015 - 07:33:35

A. Scharf

Auf der einen Seite gebe es die Bedürfnisse der Bevölkerung, auf der anderen gesetzliche Regelungen, die nicht eindeutig seien. Und genauso ergeht es dem Bürger im Umgang mit Behörden und Geschäftspartnern. Das Allermeiste ist eine Auslegungssache. Und wer am längeren Hebel sitzt, hat fast immer den Vorteil.

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