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Beim Schöneicher Neujahrsempfang kritisiert Bürgermeister Heinrich Jüttner die Gemeindevertretung

Wohlfühl-Abend mit Kontrast

Joachim Eggers / 11.01.2015, 20:20 Uhr
Schöneiche (MOZ) Zank und Zwietracht, Hader und Hass - mit diesen Stichworten hat Bürgermeister Heinrich Jüttner (parteilos) beim Neujahrsempfang der Gemeinde am Freitagabend das Klima in der Gemeindevertretung beschrieben und damit einen Kontrapunkt zum Wohlfühl-Programm des Abends gesetzt.

"Dass man einen Bügel mitbringen soll, stand nicht in der Einladung", sagte scherzhaft eine Besucherin, die im Obergeschoss der rappelvollen Kulturgießerei Probleme hatte, ihren Mantel loszuwerden. Um die 200 Gäste waren zu der Veranstaltung eingeladen, bei der traditionell ehrenamtlich engagierte Bürger gewürdigt werden. Diesmal wurden die Mitglieder des Sicherheitsvereins nach vorn gebeten, um jedem einen Geschenkbeutel zu überreichen. Der Verein hat 2014 sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Erich Lorenzen (Linke), der Vorsitzende der Gemeindevertretung, lobte die Ausdauer der zumeist älteren Streifengänger - auch mit dem Hinweis darauf, dass es bei diesem Engagement nie Erfolgserlebnisse gebe: "Verhinderte Diebstähle werden nicht erfasst." Lorenzen, der auch die große Politik, besonders die fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen, Revue passieren ließ, erwähnte außerdem Jubiläen wie das der Feuerwehr in der "überwiegend gut situierten Schlafstadt" Schöneiche und warb für die Bürgerstiftung, die sich nicht nur um einen neuen Konzertflügel für die Schlosskirche bemühe, sondern auch um ein Schlagzeug für die Musikschule und die Soortjugend. "Machen Sie mit, bringen Sie Geld und Ideen ein", rief Lorenzen dem Publikum zu.

Einen anderen Akzent setzte Bürgermeister Heinrich Jüttner mit seiner Ansprache, in der er langsam auf sein Thema hinarbeitete, um dann in scharfen Worten, aber in melancholischer Tonlage, über die Gemeindevertretung, seinen Dienstherren, zu sprechen. Es gehe dort "weniger um zivilisierten Streit zum Wohl der Allgemeinheit. Es geht leider mehr um Zank, Zwietracht und Hader. Es geht um bitter anhaltenden Streit als feindselige Auseinandersetzung", sagte Jüttner, der seine Botschaft minutenlang in den verschiedensten Nuancen variierte. Es werde jähzornig herumgebrüllt, sagte Jüttner. "Ich hatte das Gefühl, als wäre ich auf einem Kasernenhof der Grenztruppen der DDR." Als Kronzeugen für den "Hass" im Ortsparlament nannte er Andreas Ritter (CDU), der seinen Austritt aus der bürgerlichen Fraktion - neben vielem anderen - auch damit begründet hatte, er stehe für den Hass einiger Fraktionsmitglieder auf Jüttner nicht zur Verfügung. Das Schlimmste aber sei das Schweigen. "Schweigen ist die Hölle." Am Ende sagte Jüttner: "Nun kommt wieder Kultur. Und Sekt wird verteilt. Lassen Sie uns gemeinsam anstoßen."

Der Vorsitzende der Fraktion von CDU, FDP und Bürgerbündnis, Lutz Kumlehn, widersprach dem Bild, das Jüttner gezeichnet hatte. Ritters Austritt aus der Fraktion habe hauptsächlich andere Gründe gehabt. Überhaupt hätte man freundlichere Themen finden können, meinte Kumlehn. Nach der Musik gingen alle ans Buffet, und der Abend ging im Plauderton weiter.

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Ekkehart Baals 13.01.2015 - 11:47:25

zu Tränen gerührt

Die Taschentücher reichten ob der vielen Tränen nicht aus. Was hat den Bürgermeister nur geritten, eine solche Rede zu halten? Wie sagte schon der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann: "Wenn Du mit dem Finger auf andere zeigst, bedenke, dass drei Finger Deiner Hand stets auf Dich zeigen." Der Bürgermeister ist ja nicht unschuldig an dieser Stimmung. Wie oft bürstet er, auch wohlmeinende, Kritiker von oben herab ab, ohne auf die Argumente einzugehen. Wie oft vergreift er sich selber im Ton. Wie oft tut er Fragen mit ironischen Bemerkungen als belanglos ab. Wenn man austeilt, muss man auch einstecken können. Auf der anderen Seite ist es schon richtig, dass, unabhängig vom Bürgermeister, viele Auseinandersetzungen nicht vom anstehenden Thema geleitet werden, sondern von persönlichen Animositäten gegenüber dem jeweiligen Antrag-/Fragensteller. Und die Abstimmungen verlaufen dann ebenso. So mancher in den Ausschüssen ausgehandelte Kompromiss wurde dann im Plenum von stimmgewaltigen, aber vorher nicht beteiligten Gemeindevertretern wieder zu Fall gebracht. Das verstehen diese Menschen unter Demokratie!

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