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Leise flüsternd und explodierend virtuos

Meister der Variation: Michael David zeigt seine Vielseitigkeit an den 42 Saiten seiner Harfe.
Meister der Variation: Michael David zeigt seine Vielseitigkeit an den 42 Saiten seiner Harfe. © Foto: MOZ/Rita Seyfert
Rita Seyfert / 13.01.2015, 03:32 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Das Harfenkonzert von Michael David bot am Sonntagnachmittag in der nahezu ausverkauften Konzerthalle in Bad Freienwalde einen bunten Strauß von Klassik bis Jazz. Unter dem Motto "Harfe in Blau" zupfte der Solist aus Bayern die Saiten seines himmlischen Instruments. "Blau", das ist für ihn die Farbe der Treue und der Inbegriff der "blauen Stunde", der Selbstfindung und des Träumens.

Ob Paganinis "Karneval in Venedig", Claude Debussys "Claire de Lune" oder Georg Friedrich Händels erster Satz aus dem Konzert in B-Dur, Opus vier Nummer sechs, bei jedem Stück blühte die Variationskunst des Michael David auf. Manchmal ganz leise flüsternd, dann explodierend virtuos, spannend und furios musiziert, bekam jedes Stück einen ganz eigenen Charakter.

"Das sind Ideen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben", erklärt der 54-jährige Harfenist. Jedes der vorgetragenen musikalischen Werke hat er eigens bearbeitet. Im Gegensatz dazu halte man sich in der Klassik ja eher an die bestehenden Formen. "Da geht es mehr um den Ausdruck", beschreibt er. Moderne Stücke würden hingegen einen gewissen Spielraum bei der künstlerischen Wiedergabe lassen.

Sein Harfenspiel vergleicht Michael David mit einem Jazzquartett. Unter Beachtung der Eigenheiten seines Instruments interpretiert er die Themen auf seine Weise. Immerhin, die Harfe hat eine ganze Palette an Klangfarben. "Manchmal sagen Zuhörer, dass die Harfe klingt wie ein Kontrabass, ein Klavier oder ein Banjo". Diese Klänge versuche er stets weiter herauszuarbeiten.

Die meisten Sequenzen spielt der Künstler mit den Fingerkuppen. Nur für besondere Sound-Effekte zupft er mit den Nägeln an den Saiten. Davon hat seine Konzert-Harfe insgesamt 42 Stück. "Die Saiten entsprechen der weißen Tastatur beim Klavier", erklärt der studierte Harfenist. Die Klangvariationen, die Klavierspieler über die schwarzen Tasten erreichen, erzielt der Musiker mit den sieben Fußpedalen. Jedes könne er zweimal antreten. Welch ein Gehör, über die Veränderung der Pedale entlockt er seinem Instrument über 130 Töne.

"Eine Harfe hat etliche Klangfarben", schwärmt der Meister der Variation. Normalerweise spiele man das Instrument in der Mitte. "Dann klingt sie weich", beschreibt er den typischen Harfenklang. Doch wenn er in der Resonanz-Decke im unteren Rahmenbereich zupft, erzielt er härtere Klänge. Und sobald seine Hände im oberen Bereich der Mechanik über die Saiten tanzen und sie zum schwingen bringen, singen sie mehr und bekommen einen sphärischen Touch. Nach brandendem Beifall gab es natürlich eine Zugabe.

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