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Teltower Käsekuchen-Träume

Bäckermeister Thomas Neuendorff ist der Käsekuchenkönig in Teltow.
Bäckermeister Thomas Neuendorff ist der Käsekuchenkönig in Teltow. © Foto: Julian Stähle
Jan Veit / 16.01.2015, 15:37 Uhr
Teltow (MäSo) Die Käsetorte mit Nougat zergeht auf der Zunge. Die locker aufgeschlagenen Varianten mit Eierlikör und Blaubeeren schmecken einfach himmlisch und liegen auch in der warmen Jahreszeit nicht zu schwer im Magen. "Junge Leute schwören auf Papaya-Erdbeer, ältere Herrschaften auf Rosine-Rum", lacht Bäckermeister Thomas Neuendorff. Der 42-Jährige ist Chef einer in Brandenburg wohl einzigartigen "Käsekuchen-Werkstatt", wie er seinen Arbeitsplatz selbst nennt. 34 Sorten des Naschwerks kreiert er in Teltows letzter selbst produzierenden Bäckerei. "Gerade experimentieren wir an der 35. Sorte mit Datteln und Pistazien - für die saudi-arabische Botschaft in Berlin", so Neuendorff.

Draußen zeigt das Thermometer noch immer über 20 Grad, am Backofen macht die Anzeige kurz vor der 50 halt. Dem geschäftstüchtigen Unternehmer, der in drei weiteren Filialen und auf zwölf Wochenmärkten präsent ist, rinnen Schweißperlen übers Gesicht. Auf einem Blech reiht er drei Torten auf. Der Bäckermeister hantiert damit locker wie ein Zirkusartist. Dabei wiegt eine Stiege bis zu 12 Kilogramm. Der zweifache Berlin-Brandenburger Käsekuchenmeister, offizieller Titel: Käsekuchen-König, saust dennoch fast immer mit einem Lächeln zwischen Ofen und Backformen hin und her. Fitnesspläne oder Sport benötige er nicht: "Ich lauf mir hier die Hacken wund.Joggen muss ich abends nicht mehr." Ein Fitness-Studio habe er schon ewig nicht von innen gesehen.

Bis zu 1500 Käsetorten stellt Teltows letzter Bäckermeister im Monat mit seinen Kollegen her. Ein Drittel davon gehen mittlerweile über den virtuellen Ladentisch des Online-Shops. "Wir hatten mal eine Bestellung aus Mexiko, allerdings für eine deutsche Adresse", berichtet der Märker nicht ohne Stolz. Das am weitesten gereiste Backwerk ging nach Paris - in die Stadt der Liebe natürlich mit einem Herzen aus rotem Fruchtmus.

Morgens um 3.30 Uhr klingelt bei Thomas Neuendorff der Wecker. Um 4 Uhr steht er in seiner Backstube. "Gearbeitet wird bei uns von Montag bis Sonntag. Ich selbst komme locker auf eine 80-Stunden-Woche", erklärt Brandenburgs Käsekuchen-König. Die Frage, wie er das enorme Pensum bewältigt, beantwortet der Bäckermeister ganz einfach: "Zwei Stunden Mittagsschlaf täglich sind mir heilig." Um 17 Uhr starte die zweite Schicht mit Buchhaltung, Online-Shop-Betreuung und Vorbereitungen für den nächsten Tag.

Wenn Neuendorff am Freitag und Samstag selbst auf einem der Märkte in Potsdam, Kleinmachnow oder Berlin steht, ist er in seinem Element und liefert eine Art Käsekuchen-Show. "Unsere Kunden schätzen die direkte Ansprache und den lockeren Spruch auf meinen Lippen. Gegrüßt wird sowieso jeder", schmunzelt der Entertainer unter den hiesigen Bäckern. Der scherzt schon mal in Anlehnung an einen Loriot-Gag: Ein Leben ohne Käsekuchen sei möglich, aber sinnlos!

Thomas Neuendorffs Käsekuchen-Begeisterung ist ansteckend. Nicht nur auf den Wochenmärkten der Region. Während die Geschichten aus ihm heraussprudeln, wetzt er zwischen Zutaten und Backgeräten hin und her. In Jeans, stylischen Turnschuhen und dem firmeneigenen Konditor-Shirt wirkt er nicht unbedingt wie ein klassischer Bäckermeister.

Irgendwann zwischendurch gibt's Frühstück: "Gern herzhaft mit einer Salami-Stulle." Der "Abschluss" sei aber immer süß - mit Käsekuchen, versteht sich. Dazu gibt's einen starken guten Kaffee. Bei seinem Morgenmahl unterscheide er nicht nach Werk- oder Sonntagen.

Dann bleibt Thomas Neuendorff vorm großen Vier-Herd-Ofen stehen und verrät das erste Geheimnis seiner kulinarischen Wunderwerke: "Die alten Rathenower Schamott-Platten des Vorwende-Ofens haben wir einfach behalten." Der feuerfeste Stein garantiere ideale Backergebnisse. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Im Ofen backen Käsetorten auf den Punkt meist zwischen 180 und 200 Grad. Die Kuchen werden mit kleinen Pausen drei Mal gebacken. "Wir nehmen uns Zeit und konzentrieren uns auf unsere Arbeit", erklärt Senior-Chef Gerhard Neuendorff, der Bäckerei und Geschäft in Teltows Bäckereistraße 1 im Juni 1970 übernahm. Wirkliches Bäcker-Handwerk sei nicht mal eben so "im Vorübergehen" zu bewerkstelligen.

Die Eier würden selbstverständlich vom Landwirt aus der Nachbarschaft kommen und morgens frisch aufgeschlagen. Eine Neuendorffsche Käsetorte enthält im Schnitt 13 frische Eier. "Frische Eier sind für eine gute Käsetorte wichtig", lüftet Neuendorff junior ein weiteres Geheimnis seiner Arbeit. Die Geheimnisse Nummer drei und vier: Die Käsetorte seitlich einschneiden, wenn sie aus dem Ofen kommt. Ansonsten kann das Backwerk reißen. "Ein häufiger Fehler ist, die Torte im Ofen abkühlen zu lassen." Die Backröhre sei aber noch zu lange warm, betont der Bäckermeister. "Das Ganze besser draußen drei Stunden abkühlen lassen." Günstig sei, die Backform vorher mit Margarine einzufetten und mit Zucker zu bestreuen.

Thomas Neuendorff hat das alles schon hunderte Male erzählt. "Oftmals vor Hausfrauen", lacht der lebensfrohe Märker, der den eigenen Worten nach sein Hobby zum Beruf machte. "Ich habe mir nie etwas anderes vorstellen können", sagt der Mann, der schon als kleines Kind Kekse backen durfte. "Mein Abenteuerspielplatz war die Backstube. Kosmonaut oder Feuerwehrmann wollte ich jedenfalls nie werden", sagt Neuendorff mit Augenzwinkern. Seit 1994 hat er selbst seinen Meisterbrief in der Tasche und führt das Geschäft in vierter Generation.

Ein weiterer Tipp für Käsetorten-Neueinsteiger: Zuerst ein Stück klassische Käsetorte probieren und dann nach "Geschmack und Tagesform" die anderen Sorten durchkosten. Eine ganze Käsetorte kostet bei Neuendorffs übrigens ab 30 Euro, die kleine Variante "Le Petit" ab 18 Euro. Ein Stück kostet 2,60 Euro.

Thomas Neuendorff wurde als einziger Bäcker in der Mark und der Hauptstadt bereits zweimal Berlin-Brandenburger Käsekuchen-König im Profi-Wettbewerb "Hohe gebackene Käsetorte". Im diesem Jahr will er in dem Wettstreit der Bäcker-Innung das Triple perfekt machen.

1988 gab es in Teltow laut Thomas Neuendorff noch acht selbst produzierende Bäcker - nur der eigene Betrieb der Familie blieb übrig. Handwerk hat scheinbar in der gesamten Großfamilie goldenen Boden: Thomas Neuendorffs Onkel ist Fleischermeister in Potsdam, ein anderer Onkel Bäcker in Fichtenwalde bei Beelitz.

Nicht nur beim Backen sind Neuendorffs immer für Überraschungen gut. 1992 fand Gerhard Neuendorff (73) bei Sanierungsarbeiten auf dem Hof eine Kanonenkugel von 1813. Die stammt vermutlich von der Schlacht um Großbeeren. Neuendorff Senior mauerte die historische Munition - gut sichtbar - in die neue Fassade ein und verkauft seitdem "Gebackene Kanonenkugeln".

An den Presserummel um seine Backkunst hat sich Thomas Neuendorff längst gewöhnt. Die Fernsehteams sind mittlerweile international. Zuletzt besuchte ein japanischer Doku-Filmer von "Osaka-TV" das Hauptgeschäft. Eine asiatisch angehauchte Torte gebe es aber noch nicht, lacht Thomas Neuendorff. Im Sommer würden sich die Frucht-Varianten mit Blaubeeren, Kirsch und Erdbeer besonders gut verkaufen. Im Herbst und Winter ist die Sorte "Buttermandel-Bienenstich", zu Weihnachten die mit Spekulatius-Splittern, der Renner. "Die beste Käsetorten-Zeit ist laut unseren Verkäufen das Frühjahr", erklärt der Backchef. 2014 war besonders die Papaya-Erdbeer-Käsetorte gefragt.Und die Erfolgsstory geht weiter: Im letzten Herbst hat Thomas Neuendorff sein erstes Berliner Café "DreiKäsehoch" auf dem Kaiserdamm 20 eröffnet.

Zum Schluss verrät er uns noch, wie er auf die Marktplätze der Region kam: "Unser Einstieg war 2012 der Berliner Naschmarkt. Allein an einem Nachmittag verkauften wir 90 Käsetorten." Bei Bäcker Neuendorff gibt es übrigens nicht nur Käsetorten, sondern u.a. auch selbstgebackenes Brot, Kuchen und Kekse.

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Mehr Informationen unter www.neuendorff-baeckerei.de

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