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Klein Behnitz

Drama: Landwirt tötet Mitarbeiter des Veterinäramts

© Foto: MZV/Faltin
P. Rachner / N. Faltin / 20.01.2015, 12:28 Uhr - Aktualisiert 21.01.2015, 13:41
Nauen/Klein Behnitz (MZV) Tragödie in Klein Behnitz: Ein Mitarbeiter des kreislichen Veterinäramtes ist nach Information dieser Zeitung am Dienstagvormittag von einem Landwirt mit einer Schrotflinte erschossen worden. Er erlag seinen schweren Verletzungen noch am Unglücksort. Der 72-jährige Bauer, dem seine 30 Rinder zumindest vorübergehend entzogen werden sollten, konnte von acht Einsatzkräften der Polizei überwältigt werden. Der mutmaßliche Täter wurde vorläufig festgenommen.

Es ist ein Drama. Der Schock sitzt nicht nur in Klein Behnitz tief. Gegen 9.45 Uhr wurde die Polizei informiert, nachdem der Landwirt unmittelbar zuvor auf dem Gelände seines Betriebes im Nauener Ortsteil wohl zwei Schüsse abgefeuert hatte. Dabei kam der 63 Jahre alte Mitarbeiter des Veterinäramtes ums Leben.

In Klein Behnitz hat ein Landwirt einen Mitarbeiter des Veterinäramtes des Landkreises Havelland erschossen.
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Bauer erschießt Veterinär

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Sowohl die Amtsveterinärin als auch eine weitere Tierärztin flüchteten, versteckten sich auf einem Nachbargrundstück und konnten so dem Kugelhagel entgehen. Sie informierten die Polizei. Dennoch mussten sie in die Havelland Kliniken eingeliefert werden. Beide stünden unter Schock, konnten aber Auskünfte zum Tathergang liefern.

So seien, wie Havellands Landrat Dr. Burkhard Schröder (SPD) bestätigte, die Diskussionen zwischen den Mitarbeitern des Veterinäramtes und dem Landwirt zunächst „halbwegs friedvoll verlaufen“. Dann jedoch soll er das Gespräch unterbrochen, sein Haus aufgesucht haben und mit einer Waffe in der Hand zurückgekehrt sein, ehe er offenbar wild losfeuerte. „Das ist nicht vorhersehbar gewesen“, zitierte Schröder die Amtsveterinärin. „Ich kann nicht erkennen, dass unsere Behörde falsch gehandelt hat“, sagte er weiter. „Das ist eine neue Qualität. So etwas hat es in den vergangenen 25 Jahren hier im Havelland nicht gegeben“, zeigte sich Schröder fassungslos .„Diese irrsinnige Tat ist nicht mit Worten zu beschreiben. Meine Gedanken sind bei der Familie des Opfers, denen ich und die gesamte Behörde unser tiefstes Mitgefühl ausdrücken.“

Laut Aussagen des Landrats, der eiligst eine Krisensitzung einberufen hatte, soll der Landwirt seit Jahren den Tierschutz missachtet haben. Die artgerechte Haltung von Rindern habe generell Probleme bereitet und für Zündstoff gesorgt. Ehe es zu der Bluttat kam, waren bereits eine große Anzahl von Tieren per Lkw abgeholt worden. Sie sollten bei anderen Landwirten in der Region untergebracht werden. Eine spätere Rückführung der Tiere sei jedoch angedacht gewesen.

Nachbar Detlef Cleinow, der die Tat miterlebt hatte, schilderte den Hergang wie folgt: „Der zweite Viehtransporter ist auf das Grundstück gerollt. Es gab dann einen lauten Wortwechsel. Ich habe aus dem Fenster geschaut, konnte aber nicht hören, was sie gesprochen haben. Dann habe ich die zwei Schüsse gehört. Es war klar, dass es Schüsse waren, weil man die öfter von den hiesigen Jägern kennt. Man konnte dann auch schon die Nachbarn auf der Straße und die Kollegin vom Veterinäramt sehen. Mir war dann klar, dass Wilfried Z. noch bewaffnet ist. Ich hab dann mit der Ärztin des Veterinäramtes Deckung genommen und habe den Mann dann dort liegen sehen. Ich habe dann noch Wilfried zugerufen, er solle mich rein lassen, um dem Mann zu helfen. Er hat mir dann noch irgendetwas zugerufen. Weiter konnte ich aber nichts unternehmen, bis dann auch die Polizei kam. Die Polizei hat Wilfried Z. anschließend festgenommen, wie man das halt aus dem Fernsehen kennt. Die sind dann bewaffnet mit acht Mann raus aus dem Einsatzwagen, linksrum, rechtsrum ums Haus und haben ihn dann zu Boden geworfen und festgenommen. Wilfried Z. hat keine Gegenwehr geleistet. Er hatte schon immer seine Kühe gehabt, war sonst aber allein stehend. Eine Schwester hatte er aber noch in Falkensee, glaube ich. Seine Familie wohnte schon seit 400 Jahren hier in Klein Behnitz. Er war immer ein hilfsbereiter Nachbar, wie alle hier im Dorf. Er hat das Dorfleben mit seinen Kühen und Traktoren geprägt und war integriert. Und wenn mal eine Kuh von ihm auf der Straße stand, haben die Kinder sie wieder auf sein Grundstück zurückgetrieben – wie das eben so ist auf dem Dorf.“

Nach Informationen dieser Zeitung soll indes der Landwirt, der von Nachbarn als „unauffällig“ beschrieben wurde, eine lange Krankenakte besessen haben, weshalb er zuletzt nicht in der Lage gewesen sei, sich ordnungsgemäß um seine Kühe zu kümmern. Schon vor einigen Wochen hatte er während eines Krankenhausaufenthalt seine Tiere vorübergehend zur Betreuung abgeben müssen. Erst vor wenigen Tagen hatte zudem ein weiterer Nachbar, auch er wollte namentlich nicht genannt werden, versucht, ihn zu bewegen, sein Vieh aufzugeben. „Er hat sich abgekapselt und keine fremde Hilfe angenommen. Die Tiere waren sein Leben. Er kannte jede Kuh mit Namen“, sagte er.

Übrigens: Die Polizei soll Zeugenaussagen zufolge gegen 10.30 Uhr eingetroffen sein. Die Beamten konnten den 70-Jährigen, der inzwischen unbewaffnet war, wenig später überwältigen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam und die Kripo ermitteln weiterhin. Ein Haftantrag ist bereits gestellt worden.

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.... 21.01.2015 - 08:12:34

Oh Mann !

... Polizei die erst nach 45 Minuten eintrifft ? Krass, waere es aus Gründen des Gleichgewichts dann nicht auch ehrlicher die Waffengesetze zu lockern ? Eine Verschaerfung aendert schliesslich nichts am illegalen Waffenbesitz und was da aus EU-Europa über offene Grenzen reinsickert kann am Ende doch auch kein Mensch mehr kontrollieren ... Die Arena ist eröffnet :)

egal 21.01.2015 - 07:29:41

ui die Polizei brauchte also nur 45 min

und überwältigte dann mit 8 Mann (? im Radio gehört) den unbewaffneten 70jährigen Also wenn es bei einm Verkehrsunfall ohne Personenschaden mal länger dauert ok, aber wenn jmd. um sich schießt, sollte es schneller gehen. Und da wundert man sich in Potsdam über den Unmut der Bevölkerung? Darüberhinaus ist es tragisch und einfach nur traurig, dass aus solchen Gründen ein Mensch sterben musste

Polizeikommissar 20.01.2015 - 23:06:18

Staatsekretär Feuring

der versteckt doch noch seinen Tresor! Auch so ist er viel zu beschäftigt, mit Umsetzung von Polizisten, wegen dem Maskenmann! Also der wird keinen Kommentar abgeben können.

UweB 20.01.2015 - 22:31:24

Wie jetzt

Im Beitrag: http://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1361754/ schrieb man noch: “Der Landwirt sei weiter mit der Waffe in der Hand über seinen Hof gelaufen, berichtete der 55-jährige Augenzeuge. An der Haltestelle vor dem Hof habe gerade ein Bus gehalten. Ein anderer Nachbar habe Polizei und Feuerwehr alarmiert, sagte Sackewitz. Als nach einer Stunde niemand gekommen sei, habe er in einer Zeitungsredaktion angerufen und um Hilfe gebeten.“ Also mal bitte konkret!!! Denn wenn es so war, dann ist das der HAMMER!!! Das die Feuerwehrkameraden nicht kommen, wenn einer mit der Waffe herumrennt ist völlig logisch, warum aber die Polizei erst nach einer Stunde noch nicht da ist, grenzt das an einen Skandal!!! Dazu würde wir doch gerne mal die Erklärungeversuche aus dem Brandenburgischen Innenministerium hören!!! Am besten von Herrn Staatsekretär Feuring…

Frank 20.01.2015 - 17:59:14

Zeichen der Verrohung einer kalten Gesellschaft

und da sind immer mehr legale und illegale Waffen in Privathand eine gefährliche Sache.

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