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Landkreis erarbeitet eigenes Konzept

Soziale Betreuung und Deutschkurse für Asylbewerber

Oliver Schwers / 21.01.2015, 06:48 Uhr
Prenzlau (MOZ) Nach jahrelangen Irrwegen ist für viele Asylbewerber die Uckermark der erste dauerhafte Aufenthaltsort. Rund 40 Prozent leben in bislang leerstehenden Wohnungen. Ihre Integration in die Gesellschaft wird dauern. Der Landkreis will deshalb mehr soziale Betreuung schaffen.

Mehr Deutschkurse, noch mehr Wohnungen und eine stärkere soziale Betreuung - damit will der Landkreis auf die wachsenden Asylbewerberzahlen reagieren. Niemand weiß, wie viele Menschen unterschiedlichster Nationen künftig in die Uckermark kommen und hier zunächst untergebracht werden müssen. Doch die Kreisverwaltung rechnet mit einem deutlichen Zuwachs. Bevor das neue Asylbewerberheim in Templin die ersten Menschen aufnehmen kann, vergeht noch ein Jahr. Auch der geplante dreistöckige Containerbau auf dem Gelände des Prenzlauer Heims lässt auf sich warten. Bei der nächsten Zuweisung von der zentralen Aufnahmestelle Eisenhüttenstadt wird auch die Notunterkunft in Angermünde ausgebucht sein.

Dafür kommen täglich neue Wohnungsangebote aus dem Landkreis hinzu. Bürgermeister und Ämter haben sich in den vergangenen Wochen beraten und ihren Leerstand an die Kreisverwaltung gemeldet. Rund 200 Menschen sind derzeit in bislang ungenutzten Wohnungen untergebracht worden. "Nicht alles ist geeignet, was uns angeboten wird", so Frank Fillbrunn, Beigeordneter des Landrates, auf der Pressekonferenz des Landkreises. "Man kann Familien mit Kindern schlecht dort unterbringen, wo es keine Schule gibt."

Jetzt bereitet die Uckermark ein Betreuungskonzept vor. Denn jedes Übersetzungsproblem, jede unverständliche Rechnung, jede kaputte Waschmaschine landet als Anfrage beim Sozialamt. Angekündigt hat die Verwaltung auch Ansprechpartner für Ortsbürgermeister und Nachbarn, die helfen wollen. Ein Koordinator soll die Angebote an die Betroffenen vermitteln. Die Hilfsbereitschaft in der Uckermark ist enorm. Neben einigen ablehnenden Haltungen gegenüber Asylbewerbern wollen viele Menschen vielmehr direkt helfen. Jeden Tag gibt es im Sozialamt, bei der Presse und anderen Stellen Anfragen. Bürger, die Kinder betreuen möchten, beim Deutschunterricht Unterstützung anbieten oder einfach nur Kontakt zu Asylbewerbern suchen, klopfen sogar an der Tür der Notunterkunft in Angermünde. Über die Koordinierungsstelle soll in den kommenden Tagen informiert werden.

Auch das Gesundheitsamt des Kreises ist im Boot. Die Behörde untersucht alle Kinder von Asylbewerbern bevor sie eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Weiterhin gibt es Impfungen. Die Ärzte wollen die sozialpsychiatrische Betreuung schwer traumatisierter Flüchtlinge verbessern.

Gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt ist ein Konzept für den Deutschunterricht für Schulkinder in Vorbereitung. Der findet künftig in Angermünde und Prenzlau statt. Außerdem laufen private, ehrenamtliche und geförderte Deutschkurse für erwachsene Asylbewerber.

Noch in dieser Woche soll in Brandenburg ein Asyl-Gipfel mit Ministerpräsident Dietmar Woidke stattfinden. Uckermark-Landrat Dietmar Schulze verspricht sich davon Aufklärung über Zuständigkeiten und Finanzen. Erwartungen hat Schulze auch an ein spezielles Bildungskonzept. Denn die Bereitstellung von Lehrerstellen sei nur die eine Seite, es müssten aber auch geeignete gefunden werden.

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Ulf 21.01.2015 - 13:41:50

Hm.

Haben die Asylbewerber wenn sie denn bleiben dürfen in der Uckermark Chancen und Aussicht auf eine Vollzeitarbeitsstelle? Hier in den Alten Bundesländern erzählt man sich in der Uckermark wäre eher die Landflucht noch Jahrzehnte nach der Wende voll im Gange!

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