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Das Korsett führte direkt in eine Sackgasse

Beate Bias
Beate Bias © Foto: MOZ Gerd Markert
Beate Bias / 22.01.2015, 18:44 Uhr
(MOZ) Im Gerichtssaal 007 dreht es sich längst nicht mehr um den Angeklagten Mario K., der einen Berliner Unternehmer entführt haben soll. Im Fokus des Prozesses steht die Führung der Polizei und damit an erster Stelle der frühere Präsident Arne Feuring. Inzwischen ist bekannt, dass er mit sehr umstrittenen Aktionen in die Arbeit der Kriminalisten eingegriffen hat. Und zwar so massiv, dass die Ermittlungen von Anfang an in eine vorgegebene Richtung liefen.

Das Korsett führte direkt in eine Sackgasse. Wer Ergebnisse vorschreibt und gleichzeitig kritische Kollegen mundtot macht, kann nicht erwarten, dass sich alles zum Guten wendet. Inzwischen ist die Atmosphäre in der Direktion Ost so vergiftet, dass auch eine einbestellte Mediatorin längst nicht mehr helfen kann. Oder besser gesagt: nie wirklich helfen konnte. Vor allem deshalb, weil sie als Bedienstete nicht unabhängig von der Polizeiführung agieren kann, wie es das Innenministerium der Öffentlichkeit gern weismachen will.

So bleibt die Situation festgefahren. Die bittere Wahrheit ist, dass ein Neuanfang aus eigener Kraft nicht möglich ist. Aber nur eine ehrliche Zäsur kann zu einer Klärung der Verhältnisse führen. Von solch einem Schritt ist man in der Direktion weit entfernt. Die Lager stehen sich unerbittlich gegenüber. In so einer Atmosphäre bleiben Leistung und Spaß an der Arbeit ganz automatisch auf der Strecke.

Es wird die erste schwere Aufgabe des neuen Polizeipräsidenten werden, dieses Missverhältnis zu klären. Mit einer Ernennung wird in einigen Wochen gerechnet. Von der Personalie hängt die Zukunft der Direktion ab. Freilich ist die Behörde nicht in ihrer Existenz gefährdet. Aber das personelle Geschick des neuen Mannes oder der neuen Frau wird darüber entscheiden, ob es wieder ein Umfeld von Respekt und Achtung zwischen Führung und Mannschaft geben kann.

Darüber hinaus ist eine politische Aufarbeitung durch einen Untersuchungsausschuss dringend erforderlich. Egal wie der Prozess juristisch enden wird. Zu viele Fragen und Verantwortlichkeiten blieben ungeklärt, weil sie nicht ursprünglicher Gegenstand des Verfahrens waren. Das ist die Politik nicht nur den kritischen Beamten schuldig, sondern vor allem den Opfern der Verbrechen.

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ludwig pohland 24.01.2015 - 17:05:02

Sehr guter redaktioneller Kommentar...

...der sicherlich auch der Sichtweise vieler Leser in diesem Fall entsprechen dürfte. Auch dieser Fall ist ein weiterer Sargnagel der Brandenburger Landesregierung. Unverständlich ist, warum der Ministerpräsident nach gefälschter Kriminalstatistik und Manipulationen bei polizeilichen Ermittlungen den Ex Polizeipräsidenten auch noch mit dem Posten eines Staatssekretärs belohnt. Somit wird sich die AfD über weiteren Zulauf freuen.

da fliegt einem doch das blech weg 23.01.2015 - 23:46:27

"Mediatorinnen" und "Mobbingbeauftragten" in der Polizei, ei ei ei...

Hallo Frau Bias, was hat denn diese geschickte "unabhängige und objektive" sogenannte "Mediatorin" für eine Ausbildung? Ich bezweifle, dass die "Mediatorin" eine diesbezügliche externe Ausbildung besitzt. Sie ist vermutlich als typische Alibibeamtin geschickt worden, um die Öffentlichkeit weiter an der Nase herumzuführen. Diese sogenannten "Mobbingbeauftragten", haben nur eine Aufgabe, im Sinne der Dienstellenleiter die Organisation frei von anerkannten Mobbingfällen zu halten und alles platt zu machen. Bei drei Mobbingfällen aber 400 Dauerkranken und noch einmal zusätzlichen 400 Kranken eine Mogelpackung ohne Gleichen. Da muss man keine speziellen Phantasien entwickeln um zu entdecken, dass diese Mobbingstatistik nie und nimmer der Wahrheit entsprechen kann. Aber die Zeiten der Gutsherrenart, gehen auch langsam in der brandenburgischen Polizei zu Ende. Immer mehr Beamte wehren sich gegen Willkür. Und das ist gut so!

Trojahn 23.01.2015 - 12:33:08

Na endlich....

Danke, Frau Bias, dieser Kommentar war schon lange überfällig.

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