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Politiker wittert Verschwörung am Großflughafen

 Der neue Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld soll bei einem Sturm Schäden davongetragen haben.
Der neue Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld soll bei einem Sturm Schäden davongetragen haben. © Foto: dpa
Andreas Wendt / 23.01.2015, 19:17 Uhr
Schönefeld (MOZ) Orkantief "Felix", das vor zwei Wochen über Deutschland hinwegfegte, hat nach Informationen des Landtagsabgeordneten und Flughafengegners Christoph Schulze am BER erhebliche Schäden verursacht. Bei Nachfragen bei der Flughafengesellschaft stößt Schulze auf eine Mauer des Schweigens.

Das Verhältnis zwischen BER-Chef Hartmut Mehdorn und dem parteilosen Politiker Christoph Schulze ist nicht das beste. "Ihrer Aufforderung, einen unverzüglichen und gegebenenfalls unangekündigten Zutritt zum BER-Terminal zu erhalten, werden wir nicht nachkommen", lässt Mehdorn am Mittwoch dieser Woche Schulze wissen. Dabei wollte der Flughafengegner aus dem Landkreis Teltow-Fläming sich nur mit eigenen Augen davon überzeugen, ob die Fluggastbrücken, durch die nach der BER-Eröffnung Passagiere vom Terminal ins Flugzeug gelangen, unbeschädigt sind. Ihm sei aus zuverlässiger Quelle zugetragen worden, dass Orkantief "Felix" am 10. und 11. Januar an allen 16 Fluggastbrücken gewütet hat. "Überall hat sich die aus Sicherheitsglas bestehende Deckenverkleidung gelöst und ist heruntergestürzt", will Schulze erfahren haben. "Wenn man die auf den Kopf bekommt, ist man tot."

Doch Schulzes Recherchen stoßen auf Widerstand. Als sich der Politiker wenig später am BER-Terminal in Schönefeld (Dahme-Spreewald) umsehen und mit Bauarbeitern sprechen will, wird er abgefangen. Das Gelände sei nicht öffentlich, heißt es auch in der Antwort von BER-Chef Mehdorn, bei dem sich Schulze um einen Ortstermin bemühte. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) mache als Hausherr von ihrem Recht Gebrauch, "indem sie derzeit keinen allgemein öffentlichen Zugang zum BER-Terminal ermöglicht", lässt Mehdorn Schulze unmissverständlich wissen. Dabei ist Schulze, der früher für die SPD im Landtag saß und jetzt den Freien Wählern angehört, sogar Mitglied des BER-Sonderausschusses. "Aber die lassen mich einfach nicht rauf", schimpft der Politiker und vermutet Geheimniskrämerei. Nachdem Schulze auf eigene Faust Ermittlungen anstellte, habe die FBB nach einer Krisensitzung kurzerhand alle Termine mit ihm abgesagt.

Nun versucht er es über die politische Schiene: In einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung verlangt Schulze Auskunft zu Sturmschäden "in den voll verglasten Fluggastbrücken", umgangssprachlich auch Finger genannt. Es gebe Informationen, begründet Schulze seine Anfrage, wonach auch auf der Flughafenbaustelle BER Schäden aufgetreten sein sollen.

Die Flughafengesellschaft selbst verneint diese. "Es gibt keine Sturmschäden an den Fluggastbrücken", sagt ein Sprecher am Freitag auf Nachfrage und ergänzt: Weder an den Fluggastbrücken noch anderswo. Die Aussage deckt sich mit Informationen von Meteorologen, die nicht weit vom neuen Terminal ihren Sitz haben. "Wenn etwas passiert wäre, hätten wir eine Information vom Flughafen bekommen", sagt Thomas Krause, Leiter der Flugwetterwarte. Er selbst habe an jenem stürmischen Wochenende Dienst gehabt. "So dramatisch war das hier nicht, wobei großflächige Scheiben schon ein Angriffspunkt für den Wind darstellen", erklärt er.

Schulze indes glaubt weiter an Vertuschung und Verschwörung. Er hofft, durch die Landesregierung die Wahrheit über das Ausmaß der Zerstörungen ans Licht zu bringen, die "Felix" am BER angerichtet haben soll. "Dann stellt sich die Frage: Waren es Planungs- oder Montagefehler", betont Schulze. Möglich ist aber auch, dass sich Schulze diese Frage gar nicht stellen muss.

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Bienchen 23.01.2015 - 22:17:42

Man munkelt,

dass der Berliner Flughafen Willy Brandt nur deshalb nicht fertiggestellt wird, und in Betrieb genommen werden kann, weil der russische Präsident Putin die Überflugrechte nicht genehmigt. Der 15. April ist ein Schlüsseldatum!?

Otto von Lilienthal 23.01.2015 - 22:11:06

Man musste sich nur diesen

Berliner Senat , die Brandenburger Landesregierung und Napoleon Mehdorn ansehen, um vom Scheitern des BER überzeugt zu sein. Der Superriesenoberhauptmännättscher Mehdorn beschäftigt sich recht eigentlich nur mit Nebenschauplätzen (Olympiade, Kleinflughäfen rund um Berlin) und damit dringend notwendige Kontrollen abzubügeln. Schmeißt den Kerl endlich raus!

Y. 23.01.2015 - 21:03:55

Ich habe schuld!

Es ist wohl an der Zeit, dass ich mich oute. Es war so Ende der '90er Jahre, da ich während einer erweiterten familiären Grillfeier behauptete: Es wird niemals einen neuen Flughafen in Schönefeld geben! Mit beruflichen Fachkenntnissen in Bereichen des Baurechtes, Bauordnungsrechts und Bauplanungsrechts ausgerüstet, habe ich mir diese Aussage angemaßt. Das der Flughafenbau trotzdem begann, war für mich nicht verständlich. Ich gebe ja zu, bei meiner damaligen Aussage war ich leicht angetrunken, aber nicht besoffen. Wenn ich das heutige Debakel so betrachte, vielleicht hatte ich nicht ganz unrecht.

UREINWOHNER 23.01.2015 - 20:09:18

Meinung

Kein öffentliches Gelände, aber mit öffentlichen Mitteln (Steuergelder) bauen. Einfache Regel Hr. Mehdorn: Wer nichts zu verbergen hat, kann sich auch öffnen!

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