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Brandenburgs Gewässer sind stark nitratbelastet

25.01.2015, 10:05 Uhr - Aktualisiert 25.01.2015, 11:37
Potsdam (dpa) Zu viel Düngemittel: Wegen der extensiven Landwirtschaft in Brandenburg sind viele Gewässer stark mit Nitrat belastet. Das geht aus einer Antwort von Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Fraktion im Potsdamer Landtag hervor. Danach verfehlt mehr als die Hälfte des berichtspflichtigen Oberflächengewässers von 10 000 Kilometern den guten Zustand aufgrund von Stickstoffbelastungen. In mehr als 90 Prozent der betroffenen Gebiete trage die Landwirtschaft zu einem erheblichen Anteil zu der Gewässerverunreinigung bei.

Auch das Grundwasser, das für die Trinkwassergewinnung genutzt wird, in der Mark ist vielerorts schadstoffbelastet, wie die Analyse an knapp 1300 Messstellen ergab: Ein Drittel der Grundwassermessstellen zeigte den Angaben zufolge eine "landwirtschaftliche Beeinflussung", an fast 100 Messstellen wurde der zulässige Schwellenwert nach der Grundwasserverordnung überschritten. Die hohe Nitrat-Belastung des Grundwassers ist bundesweit ein Problem, vor allem in Regionen mit viel Massentierhaltung. Die Bundesregierung will im Februar mit dem Beschluss einer Düngemittel-Verordnung für die Landwirtschaft gegensteuern, mit der die Stickstoffbelastung von 97 Kilogramm pro Hektar im Jahr um mindestens 15 Kilo verringert werden soll. Minister Vogelsänger erklärte, aus überregionaler Sicht seien die Stickstoffeinträge im Land Brandenburg geringer als die anderer Bundesländer.

Regional führten Stickstoffeinträge, insbesondere aus landwirtschaftlichen Quellen, allerdings auch zu einer Belastung der brandenburgischen Fließgewässer. Führende Umweltberater der Bundesregierung fordern zum Schutz von Wasser, Boden und Luft bundesweit eine deutliche  Stickstoffreduzierung, vor allem durch weniger Düngung. In einem Mitte des Monats vorgestellten Sondergutachten beanstandete der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), dass bisher zu wenig getan werde, um die Belastungen, die für die Bürger gesundheitsgefährdend sein können, zu mindern. Gefordert wird eine nationale Stickstoff-Strategie. Neben strengeren Dünge-Regeln wird unter anderem vorgeschlagen, die verringerte Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte aufzuheben, um die Stickstoffbelastungen durch die intensive Tierhaltung zu mindern.

Die parlamentarische Anfrage war vom SPD-Parlamentarier und Präsident des märkischen Landesbauernverbands, Udo Folgart, gestellt worden. Er warnte vor den finanziellen Mehrbelastungen der Landwirte durch die geplante neue Düngeverordnung des Bundes. Unklar sei zudem, ob die ausgewählten Messstellenstandorte im Land "ausreichend repräsentativ" seien.

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Johanna Bröcker 26.01.2015 - 21:23:09

Sticktoffeinträge wegen der EXTENSIVEN Landwirtschaft?

Wie genau lautet denn die Antwort auf die Anfrage? Stand da wirklich extensiv? Wenn hier die Begriffe intensiv/extensiv verwechselt wurden, ist der Rest des Artikels dann ebenso zuverlässig...? Wurden die Begriffe nicht verwechselt und es wurde wirklich mit extensiver Landwirtschaft begründet, würden sich noch ganz andere Fragen stellen. In diesem Fall zu meiner Vorkommentatorin: Auch Biobetriebe betreiben extensive Landwirtschaft und auch dort wird i.d.R. gedüngt (organisch).

Beate Blahy 26.01.2015 - 11:19:50

Verursacher sollen auch zahlen

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, ein hochrangiges Gremium, tätig im Auftrag der Bundesregierung, hat die Dinge ganz klar beim Namen genannt, wo die Ursachen für verschmutztes Grundwasser, belastete Böden und Luft liegen: die Intensivtierhaltung und der massenhafte Einsatz von Pestiziden und Überdüngung mit viel zuviel Stickstoff auf den landwirtschaftlichen Flächen. Auf die in immer kürzeren Abständen erscheinenden Meldungen zu den Folgen dieser Wirtschaftsweise reagieren die Betroffenen, in dem Fall der Präsident des Bauernverbands, in immer gleicher Weise: es wird geleugnet, abgestritten und verharmlost. Und am Ende „sind die Messstellenstandorte nicht repräsentativ“ (Folgart). Ein Wirtschaftszweig, der sich in so massiver Art und Weise gegen die natürlichen Lebensinteressen der Gesellschaft stellt, muss sich nicht wundern, wenn ihm der Nachwuchs wegbleibt, wie ebenfalls häufig beklagt wird. So etwas hört man aus den Reihen der Biobauern nicht, dort sind nicht nur verhältnismäßig mehr Arbeitsplätze sondern auch viele junge Leute zu finden, die in der ökologischen Bewirtschaftung des Bodens eine echte Alternative zur Sackgasse der konventionell betriebenen Landwirtschaft sehen. Wenn die konventionell erzeugten Produkte sämtliche Umweltschäden, die durch sie hervorgerufen werden, mit einpreisen würden bei ihren Erzeugnissen, wären diese Kosten weit über denen aus der Biolandwirtschaft. Aber da die Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden wieder den Steuerzahlern aufgebürdet werden, ohne dass dies dann auch explizit benannt wird, scheint ein Bioprodukt noch immer teurer als das herkömmliche- ein fataler Rechenfehler, für den wir alle aufkommen müssen. Und es ist bereits klar, dass nicht alle Schäden, die durch die enormen Stickstoffimmissionen in die Umwelt hervorgerufen werden, überhaupt rückgängig gemacht werden können. Der Entwurf für nur ungenügend verschärfte Düngemittelgesetz ruft sofort den Protest der Bauern hervor: eine finanzielle Belastung sei damit verbunden, die sie in ihrer Existenz gefährde. Von Biobauern kommt kein Protest. Und einem Laien wird auch nicht klar, wieso es teurer werden kann, wenn man weniger Stickstoff auf die Felder bringt. Klar ist aber, dass solche Stoffe wie Klärschlämme und Abfälle aus der Biogasproduktion miteinbezogen werden müssen in die Stoffbilanzen, sonst stimmen die nicht! Und dann ist es auch kein Wunder, wieso die Überdüngung immer weiter zunimmt. Den Schaden haben alle –alle benötigen sauberes Trinkwasser, aber je höher der Schadstoffgehalt, desto teurer die Reinigungsprozesse. Warum gilt hier nicht das Verursacherprinzip? Eine Frage an den Gesetzgeber.

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