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Behindertenverband feiert 25. Geburtstag bei Guten-Morgen-Eberswalde / Theatertruppe gratuliert mit gewagten Sketchen

Es darf gelacht werden

Mutig, mutig: Die jungen Schauspieler der Eberswalder Waggon-Komödianten machen auch vor Rollstuhl-Witzen nicht halt.
Mutig, mutig: Die jungen Schauspieler der Eberswalder Waggon-Komödianten machen auch vor Rollstuhl-Witzen nicht halt. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 26.01.2015, 06:48 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ein wenig komisch war den jugendlichen Waggon-Komödianten dann doch zumute. "Darf man das?", haben sie sich gefragt, als sie die kurzen Sketche über Menschen mit Behinderung eingeübt haben. "Ja, man darf", sagt ihre Leiterin Simone Blum am Sonnabend bei Guten-Morgen-Eberswalde. "Man muss in der Lage sein, über sich selbst zu lachen."

Die Sketche, die die Eberswalder Theatertruppe im Paul-Wunderlich-Haus vorführt, sind ursprünglich gar keine Sketche, sondern Cartoons. Die Vorlagen hat Phil Hubbe geliefert. Der Karikaturist, der 1985 an Multipler Sklerose erkrankt ist, nimmt Sprachbilder wörtlich und setzt sie in den Kontext eines Lebens mit Handicap. Ein Beispiel: Einem Rollstuhlfahrer fällt sein Buch aus der Hand. Eine junge Dame hebt es auf und sagt: "Bleiben Sie ruhig sitzen."

Das ist nicht immer 100 Prozent geschmackvoll, will es auch gar nicht sein. Das Publikum jedenfalls honoriert den Mut der Nachwuchsakteure - die rund 160 Gäste lachen. Sie lachen über die kurzen Stücke und Filme, in denen die Schauspieler die Zeichnungen mit Leben füllen.

Anlass für die Auseinandersetzung mit dem Thema ist der 25. Geburtstag des Behindertenverbandes Kreis Eberswalde. "Schon den 20. haben wir mit Guten-Morgen-Eberswalde gefeiert", erinnert sich der Vorsitzende Klaus Morgenstern. "Wer einen Sektempfang erwartet hat, wird enttäuscht sein", sagt er. Wer aber Lust auf Kultur habe, komme voll auf seine Kosten.

Der Verband ist am 23. Januar 1990 von 37 engagierten Bürgern gegründet worden. In den 25 Jahren seines Bestehens hat er Großes erreicht. Dank ihm ist Eberswalde 1990 eine der ersten Städte Brandenburgs, die eine Behindertenbeauftragte in ihren Dienst aufnimmt. Drei Jahre später bekommt das Rathaus eine schwellenlose Automatiktür und einen Fahrstuhl. In der Stadt werden auf Betreiben des Verbands Bordsteine abgesenkt, Ampeln mit akustischen Signalgebern ausgestattet, ein Badelift und ein Behinderten-WC in der alten Schwimmhalle eingebaut und vieles mehr.

Viel erreicht auf ihre eigene Art haben auch Petra und Horst Rosenberger aus Berlin. Die "Rollis on Tour", wie sich das Ehepaar nennt, zeigen am Sonnabend Bilder und Videos von ihren Reisen um den Globus. Sie waren Kanu fahren im Osten Kanadas, Para-Ski-Laufen in den Alpen und haben sich von einem Helikopter in den Grand Canyon abseilen lassen - und das, obwohl beide in frühen Jahren an Kinderlähmung erkrankt sind und seither im Rollstuhl sitzen. "Wir haben die Herausforderung Leben angenommen", sagt Horst Rosenberger. Ein Ausspruch, der wunderbar passt zu diesem Festtag im Paul-Wunderlich-Haus.

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