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"Keine Verlierer, nur Gewinner"

Engagierte Schüler: Adrian, Aimée, Pascal und Stephan (v. l.) treten mit anderen Schülern an der Grundschule Am Annatal in der AG Smiley als Streitschlichter auf. Jeden Dienstag trifft sich die Gruppe.
Engagierte Schüler: Adrian, Aimée, Pascal und Stephan (v. l.) treten mit anderen Schülern an der Grundschule Am Annatal in der AG Smiley als Streitschlichter auf. Jeden Dienstag trifft sich die Gruppe. © Foto: MOZ Gerd Markert
Detlef Klementz / 27.01.2015, 20:14 Uhr
Strausberg (MOZ) Seit einem Jahr gibt es die Smiley AG an der Grundschule Am Annatal. Sie schlichtet Streit zwischen Schülern. Ihnen zur Seite steht Sozialarbeiterin Angelika Wählisch, die beim Sozialen Hilfeverband angestellt ist. In der Vorstadt-Grundschule leitet sie die Gruppe Schulengel mit ähnlicher Funktion.

Wie stets in der großen Pause haben Stephan, Aimée, Norman und die anderen ihre gelben Westen mit dem Aufdruck "Ich helfe Dir" plus Smiley übergestreift. "Die Idee mit dem Aufdruck hatte Adrian", sagt Sozialarbeiterin Angelika Wählisch und der Fünftklässler strahlt ganz kurz.Wenn es Streit zwischen Schülern gibt, versuchen Adrian und die anderen zu schlichten. An diesem Tag ist es in der Großen Pause ruhig.

Manchmal aber auch nicht: "Dann beschimpfen sich Schüler, schubsen sich oder ziehen sich an den Haaren", hat Aimée erlebt. Zu zweit gehen Mitglieder der Smiley-Gruppe dann auf die Streithähne zu und versuchen, sie zu beruhigen. Es gibt Schlichtungsprotokolle mit persönlichen Verpflichtungen der Beteiligten. Die Einhaltung wird später kontrolliert. "Bei uns gibt es keine Verlierer, nur Gewinner", sagt Stephan.

Angelika Wählisch hat die kleinen Streitschlichter auf ihre nicht immer einfachen Aufgaben gut vorbereitet. Beispielsweise durch Rollenspiele. "Da haben wir beide Seiten gespielt", sagt Cynthia und setzt hinzu: "Das hat mir viel Spaß gemacht." Den anderen in der Runde ging es ganz offensichtlich ähnlich, denn sie nicken zustimmend.

Immer dienstags sitzt die Smiley AG mit Angelika Wählisch zusammen. Dann werden beispielsweise bestimmte Ereignisse ausgewertet und mögliche Streitfälle durchgespielt. "Reden ist ganz wichtig und auch Zuhören muss gelernt werden", weiß die Sozialarbeiterin. Auch der Ausweis, denen jedes AG-Mitglied hat ist dort besprochen. Ebenso wie der Spickzettel für die Streitschlichtung im Mini-Format. Da kann jeder beispielsweise die vier Regeln nachlesen - ausreden lassen, zuhören, keine Beschimpfungen, keine Gewalt. Und eine ganz wichtige Bedingungen: die Streithähne müssen freiwillig mitmachen wollen. Ebenso wie die Streitschlichter freiwillig dabei sind.

Wer bei drei aufeinanderfolgenden Treffen dabei war, bekommt eine der zwölf Westen und hat damit seine Probezeit praktisch bestanden. Die meisten sind dabei geblieben. "Wir haben vor einem Jahr mit zwölf Schülern angefangen und haben jetzt neun Mitglieder", sagt die Sozialarbeiterin.

Dass sie bei den Kindern sehr gut ankommt, liegt nicht an den Süßigkeiten, die sie auf den Dienstag-Treffen immer verteilt. Obwohl die schon gut ankommen, wie alle lachend einräumen. Wichtiger sei aber ihre Art. "Es macht ganz viel Spaß mit Frau Wählisch", sagt Stephan. Und Fünftklässler Norman ist schon jetzt "ihretwegen traurig, wenn ich von der Schule mal weggehe".

Bis dahin will er auf jeden Fall dabei bleiben, trotz der zusätzlichen Zeitaufwendungen. Und was bringt die Arbeit in der Smiley AG den Schülern persönlich? Was Adrian sagt, können die anderen nachvollziehen: "Ich kann jetzt auch Zuhause besser Streitigkeiten schlichten."

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