Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Schludi" feiert seinen 60.

Bernhard Guderjahn am Golzower Kindergartenzaun: Im Hintergrund ist der Spielplatz zu sehen, auf dem Winfried Junge die künftigen Schüler im Sommer 1961 erstmals filmte. Zum Klassentreffen 1991 hatten sich dort alle Filmkinder am Buddelkasten versammelt.
Bernhard Guderjahn am Golzower Kindergartenzaun: Im Hintergrund ist der Spielplatz zu sehen, auf dem Winfried Junge die künftigen Schüler im Sommer 1961 erstmals filmte. Zum Klassentreffen 1991 hatten sich dort alle Filmkinder am Buddelkasten versammelt. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 28.01.2015, 05:35 Uhr
Golzow (MOZ) Aus den Kindern werden bald Rentner: Die als "Kinder von Golzow" bekannt gewordenen Männer und Frauen der einstigen Filmklasse feiern ihren 60. Geburtstage. Bernhard Guderjahn gehört zu den wenigen, die bis heute in Golzow geblieben sind. Er wird morgen 60.

Bernhard Guderjahn, den sie in Golzow schon immer "Schludi" nennen, ist die Konstante im sich immer weiter verzweigenden Netze der Lebenslinien der "Kinder von Golzow". Als 2008 sein Filmporträt im Abschlussfilm "... dann leben sie noch heute" in die Kino kam, sagte Filmemacher Winfried Junge in einem Interview: "Ja, eigentlich denkt der Zuschauer bei Bernhard - und ich formuliere das auch in einer Frage - Bei dir verändert sich wohl gar nichts?" Und dann sei er erstaunt gewesen, wie gut sich der immer ruhige Zeitgenosse an immer neue Verhältnisse angepasst hat, wie gut er auch beim Auslandseinsatz in der Ukraine klar gekommen war.

So verwunderte es nicht, dass auch jetzt Bernhard Guderjahn zunächst abwinkte: "Nein, seit dem letzten Film ist eigentlich nichts passiert." Doch bald kommt er darauf zu sprechen, dass er geheiratet hat. Fünf Jahre ist das nun schon her. "Gewusst hatte das niemand. Wir haben uns im Standesamt Golzow das Ja-Wort gegeben und waren dann schön essen in Lebus". Aus dem unabhängigen Einzelgänger, den die Filmfreunde noch vor der inzwischen abgerissen Villa in der Bahnhofstraße vor Augen haben, ist ein Familienmensch geworden. Seine Frau Edeltraud hat vier Kinder, er seinen 1980 geborenen Sohn Martin. Über insgesamt elf Enkel freut das Paar, wobei Martin in Aachen wohnt und die anderen Kinder rings um Celle, so dass die Besuche eben auch nicht häufig sein können.

Auch in der Arbeit hatte es turbulente Zeiten gegeben. Seit 1971, also seit knapp 45 Jahren, ist der gelernte Landmaschinenschlosser bei der Golzower Landwirtschaft tätig. Bis heute hat er dort noch keinen unbefristeten Arbeitsvertrag. Beim einstigen mächtigen LPG-Vorsitzenden Artur Klitzke war das nicht üblich und sein Nachfolger Manfred Großkopf hatte dies so übernommen. Es stärkte die persönlichen Abhängigkeiten. Als die Golzower Landwirtschaft vor zwei Jahren Teil der Odega-Gruppe wurde, änderte sich das. "Aber zunächst für die Jüngeren. Von denen hatten einige wegen der Unwägbarkeiten der Übergangszeit die Koffer gepackt. Um das zu stoppen, gab es auch unbefristete Arbeitsverträge. Für uns ältere nicht."

In seinem Betrieb ist "Schludi" ebenso geachtet wie beliebt. Ines Mischker, sie arbeitet in der Geschäftsführung der Landwirtschaft und ist zugleich Vorsitzende des Trägervereins des Filmmuseums der "Kinder von Golzow", betont die Zuverlässigkeit, den Fleiß und die Gradlinigkeit des Jubilars. Es habe überhaupt nur einen Fall in der Firmengeschichte gegeben, bei der Bernhard Guderjahn einmal aus der Haut gefahren war. "Da wollte man ihm den freien Tag vor der Abfahrt zum Ukraine-Einsatz nicht geben. Dabei hatte er den oft und mehrmals beantragt", erzählt Ines Mischker.

Wenn die grüne Saison beginnt, will Guderjahn wieder einen Traktor besteigen. Die modernen Maschinen sind so ausgestattet, dass man es darin auch bis zur Rente aushalten kann. "Ich bin gesund und fühle mich hier wohl." Hier, damit meint der Jubilar sowohl das Dorf als auch die Wohnung in dem Mehrfamilienhaus, in das das Paar gezogen ist. Ein privater Investor hatte vor drei Jahren dieses ehemalige LPG-Haus in der Karl-Marx-Straße umfassend saniert. Vom Wohnzimmerfenster kann er die Technikhallen "seiner" Landwirtschaft sehen. Und doch meint er, sei es eher Zufall, dass er in Golzow geblieben ist. "Und etwas Bequemlichkeit", fügt er lächelnd hinzu. Aber den Vorsatz, niemals wegzuziehen, habe er nicht gehabt.

Konkrete Pläne für das Rentnerdasein habe er auch nicht. "Ich lese gern ein bisschen", meint er nur. Und, wie so oft, untertreibt er dabei. Denn seine Belesenheit ist in Golzow bekannt."Er weiß unheimlich viel", erzählt Ines Mischker. "Wir wollten ihn schon zu ,Wer wird Millionär' schicken. Er hätte Günter Jauch sicher beeindruckt. Denn das vermutet man nicht."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG