Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mehrzweckhalle an der Heinersdorfer Straße heißt jetzt "Erich-Wünsch-Halle"

Kontroverse Debatte um Namensgebung

© Foto: MOZ
Sabine Rakitin / 03.02.2015, 03:45 Uhr
Bernau (MOZ) Die Mehrzweckhalle an der Heinersdorfer Straße erhält den Namen "Erich Wünsch". Der Namensgebung voraus gegangen war eine Debatte, die zu tumultartigen Szenen im Saal führte.

Der Antrag der Linken, die Halle nach dem im vergangenen Sommer verstorbenen Erich Wünsch zu benennen, kam für die anderen Fraktionen offenbar überraschend. Als Basketballstadt habe Bernau ihm viel zu verdanken, hatte Linke-Fraktionschef den Vorschlag begründet. Wünsch habe den Basketball 1958 faktisch in die Stadt gebracht und sich zudem nach 1945 für den Aufbau des Versehrtensports engagiert. Nach der Wende sei er lange Jahre Präsident des Behindertensportverbandes Brandenburg gewesen, listete sie auf. "Die Halle hat's verdient und vor allem: Erich Wünsch hat's verdient", betonte Dagmar Enkelmann.

"Ich kann mir kein Urteil über die Verdienste des Mannes erlauben. Ich kenne ihn nicht", erwiderte der Bündnisgrüne Thomas Dyhr. Ihm sei die Begründung nicht ausreichend. "Dann macht man sich kundig", folgte ein erregter Zwischenruf aus dem Publikum. Dyhr ließ sich jedoch nicht beirren.Vor einer Namensgebung wolle man schon wissen, mit wem man es zu tun habe, sagte er. Er wolle - im Hinblick auf Wünschs Kriegsverletzung - wissen, was dieser während der Nazizeit getan habe. Und seine Fraktion bestehe auch auf einer Stasi-Überprüfung, setzte er hinzu.

Etwas moderater, aber inhaltlich ähnlich argumentierte Daniel Sauer (CDU). Er habe viele gefragt, niemand konnte mit dem Namen Erich Wünsch etwas anfangen, erzählte er und forderte mehr Informationen. "Wer war er? Welche Rolle und Funktionen hatte er bis zur deutschen Einheit? "Die Mehrzweckhalle ist nicht irgendeine, sondern die exponierte Veranstaltungshalle in Bernau", begründete der Christdemokrat seine Haltung. Auf den Zuschauerbänken im Saal rumorte es.

Dominik Rabe (Linke) wunderte sich. Im Jahre 2008 habe sich Erich Wünsch ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. "So, wie wir Bürgermeister Handke kennen, hat er ihn damals gründlich durchleuchtet", vermutete er und tat die Einwände von Dyhr und Sauer als "gezielte Provokationen" ab. Adelheid Reimann (SPD) pflichtete ihm bei: "Niemand hätte das gründlicher gemacht als Hubert Handke", bestätigte die Schönowerin.

Letztlich stimmten 18 Stadtverordnete für und elf gegen die Namensgebung.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Dr. Frank Valentin 07.02.2015 - 14:19:44

Langeweile eines Gestörten

Ich lege wert auf die Tatsache, dass der Kommentar eines offenbar gestörten Menschen mit dem Pseudonym "Frankie Valentino" nicht von mir stammt. Für alle diese armen Menschen hier ein Zitat von Oskar Wilde: "Ich wähle meine Freunde nach ihrem guten Aussehen, meine Bekannten nach ihrem Charakter und meine Feinde nach ihrem Verstand." Sie, allerliebster kleiner Stänker, kommen leider für gar nichts davon in Frage. Ach so, auf Dyhrs Webseite gehe ich schon lange nicht mehr. Ich habe keinen Bock auf seine verquasten Beamten-Tiraden.

Dr. Marlinde Mißlitz 07.02.2015 - 13:38:53

"Lassen Sie bitte die Schule im Dorf"

Es ist starkerTobak, Herr Dyhr, den Charlottenburger Erich Hoepner, wonach Ihr Gymnasium benannt war, als Vergleich für Herr Wünsch heranzuziehen. Ein Friedrich Wolf würde besser passen. Ihre langen Erörterungen im Netz, mit denen sie sich rechtfertigen, sind absurd. Herr Wünsch wurde eingezogen, verlor schon 1941 im 20. Lebensjahr seinen rechten Arm und war danach Sportlehrer in Bernau. Eine Waffen-SS-Zeichnung am linken Oberarm hatte er nicht. Das wäre beim Basketball-, Handballspielen oder der Wassergymnastik aufgefallen. Was sollte er dem MfS nun mitgeteilt haben, dass er neben seiner Berufstätigkeit als Behinderter auch für Behinderte da war, mit ihnen Sport trieb, für sie oft gut schmeckende Kuchen packte oder mit ihnen sogar bastelte? Seine Aktivitäten - ohne Prothese rechts mit nur einem linken Arm - waren für jeden beeindruckend. Funktionen im Sport hatte er ehrendhalber.

Thomas Dyhr 07.02.2015 - 01:04:21

Statt Gemaule...

... empfehle ich Lektüre: http://www.thomas-dyhr.de/?p=6347

Frankie Valentino 05.02.2015 - 19:20:35

Ob man...

Wieder mal wird nur auf Stadtverordneten rumgehackt, sonst kommt nichts sinnvolles aus Schönow. Wie viele Nutzernamen tauchen denn noch auf ?

Steffen Sauberling 04.02.2015 - 17:13:15

Ob man

von diesem Dürr auch nochmal irgendwann irgendwas Intelligentes hört? Von der CDU und Sauer ist man ja schon lange nur noch Meinungsschrott gewöhnt. Aber vielleicht sehen sich diese beiden Geistesriesen auch mal die Sitzungsunterlagen vor der Sitzung an? Es ist zu anzunehmen, dass man nach Dürr oder Sauer niemals Turnhallen benennen wird.

Heidi Scheidt 04.02.2015 - 15:29:19

Turnhallen-Namensgebung

Im Gegensatz zu einigen anderen Stadtverordneten bin ich nicht der Meinung, dass der Antrag der Linksfraktion überraschend kam und viele deshalb unvorbereitet waren. Bereits Ende Dezember, also vor vier Wochen, gab es dazu eine Pressemitteilung in der MOZ. Dann hatte jeder Abgeordnete eine Stellungnahme der Verwaltung, die übrigens nur positiv ausfiel, zusammen mit dem Fraktionsantrag in seinen Unterlagen für die Sitzungsvorbereitung. Spätestens da hätte man auch noch das Gespräch mit dem Antragsteller suchen können. Und zusätzlich gibt es jede Menge MOZ-Artikel aus vielen Jahren , die ausweisen, dass Erich Wünsch nicht nur für den Basketball gelebt hat, sondern sich genauso für Leichtathletik, den Behindertensport und internationale Sportbezieihungen eingesetzt hat. Alles zusammengezählt hat er diese Ehrung wirklich verdient. Nach dem Ablauf in dieser SVV bin ich aber auch zu der Auffassung gelangt, dass meine Fraktion, Die Linke, diesen Antrag anders, nämlich in Abstimmung mit den anderen Fraktionen, hätte vorbereiten sollen. So sieht es jetzt eher nach einer Beschädigunga als nach einer Ehrung aus. Und dann kam als Krönung noch das falsche Abstimmungsergebnis.in der MOZ am 03.01.2015. Statt der 21 Ja-Stimmen, der einen Nein-Stimme und der 11 Enthaltungen wurden nur 18 Ja-Stimmen und 11 Nein-Stimmen bekanntgegeben. Heute wurde zwar berichtigt, aber wer liest das noch. Das darf nicht wieder passieren.

Torsten Neitzel 03.02.2015 - 16:54:48

Namensgebung

Ich als Stadtverordneter habe per se nichts gegen eine Namensgebung nach jemanden der sich verdient gemacht hat um sportliche Belange. Es wäre schön gewesen wenn die einreichende Fraktion im Vorfeld etwas mehr getan hätte als den Stadtverordneten nur einen Antrag auf den Tisch zu klatschen. Ebenso hätte es der Sache gut zu Gesicht gestanden wenn man eine solche Namensgebung vorab im öffentlichen Raum bekannt gemacht hätte. Viele, auch die Bernauer Bürger, hätten damit die Gelegenheit gehabt sich damit auseinanderzusetzen. Ich halte dies auch durchaus für angemessen. Schliesslich ist diese Halle keine kleine Butze am Stadtrand. Das eine einzelne Fraktion hier entscheiden möchte fand ich etwas unglücklich. Durch eine vorangegangene öffentliche Diskussion wären uns die Szenen in der SVV erspart geblieben, denn niemand hat etwas gegen Erich Wünsch, so mancher sehr wohl etwas gegen die Art und Weise wie hier vorgegangen wurde.

Dr. Marlinde Mißlitz 03.02.2015 - 10:52:23

Erich Wünsch ist Behindereten, Sportlern und älteren Bernauern bekannt

Obwohl Biesenthalerin, ist mir Herr Erich Wünsch gleich nach meinem Zuzug 2000 bekannt geworden. Er ist ein wunderbarer Mensch und sehr bescheiden gewesen, arbeitete und wohnte in Bernau, setzte sich stets für andere ein. Er war sein Leben lang - trotz Verlust seines rechten Armes mit 19 Jahren - immer sportlich aktiv tätig und kümmerte sich im hohen Alter noch um die Behindertensportgruppe mit Sitz in Börnicke zusammen mit Herrn Ulrich Ewert. Bernauer Sportler und Behinderte dürften ihn kennen und sich freuen, dass Bernau jetzt eine „Erich-Wünsch-Halle“ hat. Er ist mehrfach ausgezeichnet worden und im Barnim Echo (Lokalsport) mit Fotos vielfach erwähnt gewesen. Der Stadtverordnetenversammlung fehlt offenbar ein Vertreter aus diesem Bereich, nachdem der langjährige Bürgermeister ausgeschieden ist. Es gibt ältere Einwohner in Bernau, die in der regionalen Zeitung etwas über ihn schreiben sollten, damit die 11 Stadtverordneten, die der Namensgebung nicht zustimmten, wissen, wer Herr Wünsch war und was er zu DDR-Zeiten machte. Über den Unfall 2014, der sein Leben mit 91 Jahren beendete - er wirkte wesentlich jünger durch seine sportlichen Aktivitäten - waren die, die ihn kannten, erschüttert.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG