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Weil die Preise drastisch gefallen sind, sehen sich viele Landwirte vor Existenzproblemen

Die Milch bringt täglich Minus

Blick in den Stall: Geschäftsführer Benjamin Meise von der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz sieht die Entwicklung der Milchpreise mit großer Sorge. Knapp 800 Kühe hält er.
Blick in den Stall: Geschäftsführer Benjamin Meise von der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz sieht die Entwicklung der Milchpreise mit großer Sorge. Knapp 800 Kühe hält er. © Foto: moz
Bettina Winkler und Bernhard Sc / 05.02.2015, 22:29 Uhr
Buchholz/Beerfelde (MOZ) Die Milchbauern in der Region sehen skeptisch in die Zukunft. Wegen sinkender Milchpreise und baldigen Wegfalls der Milchquote bangen sie um ihre Existenz. Besonders große Betriebe und Bauern, die in moderne Stallungen investiert haben, sind betroffen.

Rund um die Uhr, im Acht-Stunden-Takt, trotten die Kühe mit prall gefülltem Euter zum hochmodernen Melkstand. Azubi Vivien Klaus setzt die Melkzeuge an, und die frische Milch sprudelt über Leitungen in zwei Tankbehälter, die täglich von Molkereifahrzeugen geleert werden. Knapp 800 Tiere hat Landwirt Benjamin Meise von der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz in seinen Stallungen. Der 34-Jährige, der auch Vorstandsmitglied im Kreisbauernverband ist, sieht den sinkenden Milchpreis mit Sorge. Waren es im Sommer 37 Cent pro Kilogramm, mit denen die Bauern zurecht gekommen sind, zahlen die Molkereien jetzt zehn Cent pro Kilogramm weniger. Tendenz weiter fallend. "Dieser Preis ist existenzbedrohend", sagt Meise. Besonders größere Betriebe mit Fachpersonal und Hunderten von Kühen können so schwer wirtschaften. Sein Betrieb mache dadurch jetzt täglich Verluste.

Ab März fällt zudem die Milchquote weg, eine Produktionsobergrenze in der EU-Agrarmarktordnung, was zu Überproduktion und weiterem Preisverfall führen könnte. Was kann man tun? Um sich von der Preisspirale, die andere bestimmen, abzukoppeln, denkt Meise über Möglichkeiten der Direktvermarktung nach. Eine weitere Option wäre, höhere Milchpreise über die Börse zu sichern. "Das Prozedere steckt noch in den Kinderschuhen und wird von älteren Landwirten skeptisch gesehen", sagt Meise. Er hofft, dass er die Durststrecke übersteht und der Milchpreis langfristig wieder steigt.

Die Otto Engel & Söhne GbR, ebenfalls in Buchholz, hat erst vor kurzem in einen neuen Stall für die Jungtiere und neue Lüftungsanlagen investiert. "Jetzt bekommen wir Schwierigkeiten, unsere Kredite zu bedienen", sagt Landwirt Heiko Engel. Auch die Eigenheiten ihres Geschäfts machen den Milchbauern nun, in der Preiskrise, zu schaffen. "Anders als zum Beispiel Getreide kann man Milch nicht lagern, bis die Preise wieder höher sind", sagt Engel.

Von 10000 Euro Verlust, die ihm die Milch seiner 140 Kühe jeden Monat beschere, spricht Jörg Puhlmann aus Beerfelde. Auch die Puhlmann GbR hat erst vor kurzem investiert. Nun müsse er möglicherweise seine Angestellten entlassen. "Anders als in der Industrie, wo Anlagen stillgelegt werden, können wir unsere Kühe mit ihren gefüllten Eutern nicht einfach abschalten, nur weil sie Verluste bringen", sagt er. Er setzt darauf, dass sich der Markt wieder erholt.

In ein Einschreiten der Politik verschwendet Heiko Engel keine Hoffnung. "Die Landwirtschaft spielt in Deutschland leider keine große Rolle mehr", sagt er.

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