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Silberstreif am Gleisende

Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht: Der Bahnhofsvorplatz wurde saniert. Die Bahnsteige aber sind weiter verkommen. Und von einer S-Bahn ist nichts zu sehen.
Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht: Der Bahnhofsvorplatz wurde saniert. Die Bahnsteige aber sind weiter verkommen. Und von einer S-Bahn ist nichts zu sehen. © Foto: MZV
Roland Becker / 09.02.2015, 22:42 Uhr
Velten/Potsdam (MZV) Nicht euphorisch, aber optimistischer als von früheren Besuchen im Potsdamer Verkehrsministerium ist Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) jüngst vom Speckgürtel-Treffen mit Staatssekretärin Katrin Lange zurückgekommen.

Manches deutet darauf hin, dass sich im Potsdamer Verkehrsministerium der Wind zu drehen scheint. Zugeschrieben wird das Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos). Das zumindest meint Frank Böhnke, Vorsitzender des brandenburgischen Bahnkunden-Verbands, der bereits eine Abkehr von der "Basta-Politik des bisherigen Verkehrsministers Jörg Vogelsänger" beobachtet haben will.

So deutlich äußert sich Veltens Bürgermeisterin nicht, aber: "Ich bin nicht euphorisch. Aber ich habe den Eindruck, dass die Ministerin Probleme ernstnimmt und zuhört." Beim Treffen am 28. Januar ging es nicht nur, aber auch um die Verkehrsprobleme wachsender Städte wie Velten. Weil Gemeinden im engeren nördlichen Speckgürtel wie Hohen Neuendorf oder Glienicke bereits an ihre Wachstumsgrenzen stoßen, wird sich die Stadtflucht weiter hinaus verlagern. "Unser Flächennutzungsplan schafft Möglichkeiten zur Bebauung, mit der eine Einwohnerzahl von 17 000 erreicht werden kann", schätzt Hübner.

Das stelle die Stadt bezüglich bezahlbarer Mieten und dem Vorhalten von genügend Kita- und Schulplätzen vor eine Reihe von Aufgaben. Doch während diese von Politik und Verwaltung vor Ort gelöst werden können, ist das bei einer effizienten Anbindung ans Nahverkehrsnetz aus eigener Kraft nicht möglich. "Wenn mehr Menschen hier leben, müssen wir Mobilitätsangebote vorhalten. Die können morgens nicht alle in ihr Auto steigen", argumentiert Hübner.

Auch aus diesem Grund hat die Bürgermeisterin die Staatssekretärin nochmals mit einem für die Stadt wichtigen Detail bezüglich des geplanten Bahnhofsumbaus konfrontiert: "Dabei darf die Chance auf den S-Bahn-Anschluss nicht verbaut werden." Ihr Eindruck: Jetzt sei man im Ministerium solchen Argumenten gegenüber aufgeschlossener. "Früher wollte man das nicht hören", erinnert sich Hübner an die Vogelsänger-Ära. Auch bei der Bahn würden jetzt andere Töne angeschlagen. Hieß es bislang, dass nicht gebaut wird, was nicht finanziert wird, hört Hübner jetzt neue Töne: Die noch vorhandene S-Bahn-Infrastruktur müsse bei der Bahnhofssanierung für den Fall eines Wiederanschlusses erhalten bleiben.

Im rot-roten Koalitionsvertrag ist vermerkt, dass der Bedarf nach weiteren S-Bahn-Anbindungen geprüft werden soll. Neben Velten haben auch Falkensee und Stahnsdorf ihren Hut in den Ring geworfen. Im Vergleich zur Konkurrenz sieht Hübner ihre Stadt im Vorteil: "Wir haben eine Nutzen-Kosten-Analyse vorgelegt, die positive Werte bescheinigt."

Bahnkunden-Chef Frank Böhnke weiß, dass das Land auf solche aufwändigen und kostspieligen Analysen gern mal verzichtet. Er verweist auf den zwei Millionen Euro teuren Ausbau des Bahnsteigs in Griebnitzsee. Dort halten pro Tag acht Züge.

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