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Schweizer Stiftung unterstützt Jugendhilfe-Projekt in Jamlitz / Langzeit-Therapie und weiterer Ausbau

Nachschlag für das Delbrück-Haus

Offen auch für Gäste: Mitarbeiterinnen des Justus-Delbrück-Hauses im ehemaligen Bahnhof Jamlitz reichen Besuchern süße und herzhafte Speisen. In der Einrichtung werden sozial benachteiligte Jugendliche im beinahe familiären Rahmen betreut.
Offen auch für Gäste: Mitarbeiterinnen des Justus-Delbrück-Hauses im ehemaligen Bahnhof Jamlitz reichen Besuchern süße und herzhafte Speisen. In der Einrichtung werden sozial benachteiligte Jugendliche im beinahe familiären Rahmen betreut. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 11.02.2015, 05:41 Uhr
Jamlitz (MOZ) Die Betreiber des Justus-Delbrück-Hauses in Jamlitz haben ein neues Jugendhilfeprojekt vorgestellt.Dieses wird von der Stiftung Drosos finanziell unterstützt. Die Stiftung hilft auch bei dem restlichen Ausbau des ehemaligen Bahnhofes.

"Mit der Drosos-Stiftung ist es uns gelungen, einen Partner für die Anschlussfinanzierung unseres Bahnhofsprojektes zu gewinnen." Gabriele Schützler, Mitglied der Geschäftsführung des Berliner Jugendhilfevereins Karuna, strahlte über das ganze Gesicht. Denn mit der schweizerischen Stiftung, deren Gründungskapital aus den Vermögen unerkannt bleiben wollender Privatpersonen besteht, haben die Betreiber der Jugendhilfeeinrichtung einen Partner an Bord geholt, der sich bereit erklärt hat, das Jamlitzer Bahnhofsprojekt "inhaltlich und baulich" drei Jahre lang zu begleiten, wie Thomas Villmow, Deutschland-Repräsentant von Drosos, versicherte.

"Landeinwärts in Brandenburg" heißt das neue Projekt. Es ermöglicht sozial vernachlässigten Jugendlichen, auf dem Land seelisch zu gesunden und neue Perspektiven für Beruf und Arbeit zu entwickeln.

Das besondere an dem Projekt ist die Verweildauer der Jugendlichen: Bis zu neun Monate lang sollen sie sich weitab der Großstädte nach traumatischen Erlebnissen oder vom Drogenentzug erholen. "Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, sich in dieser Zeit bei uns wie in einer großen Familie zu stabilisieren und Perspektiven für ihr weiteres Leben zu entwickeln", so umreißt die Leiterin des Justus-Delbrück-Hauses, Anett Quint, das Konzept. Bis zu acht Jugendliche können pro Jahr in der Einrichtung aufgenommen werden.

Durch das Engagement der Stiftung soll auch der weitere Ausbau des ehemaligen Bahnhofsgebäudes vorangetrieben werden. Dass Jugendliche, die von Karuna betreut werden, bei den Bauarbeiten mit anpacken, ist Teil des Konzeptes und hat die Stiftung besonders überzeugt, sich zu engagieren, teilt Stiftungsrepräsentant Villmow mit. Mit dem Einstieg der Stiftung ist es auch möglich geworden, fünf Menschen aus der Region einen Arbeitsplatz im Justus-Delbrück-Haus zu bieten.

Für Chris aus Berlin schließt sich in Jamlitz ein Kreis. Der 22-Jährige hatte wegen familiärer Probleme und wegen Drogensucht zwei stationäre Therapien bei Karuna durchlaufen. Im Anschluss daran hatte der junge Mann in Jamlitz ein mehrmonatiges Praktikum absolviert. Dabei konnte er sich soweit festigen, dass er mittlerweile eine Anstellung in einem Bauunternehmen gefunden hat. Just dieser Betrieb ist nun im Bahnhofsgebäude tätig. "Es ist ein gutes Gefühl, wieder hier in vertrauter Umgebung zu sein", so der junge Mann, der vorhat, eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker in Angriff zu nehmen.

Im Jahr 2008 übernahm der Berliner Jugendhilfeverein Karuna das seit der Streckenstilllegung ungenutzte Bahnhofsensemble mit dem Ziel, dort eine Begegnungsstätte für Jugendliche einzurichten. In den folgenden Jahren wurde das Gebäude teilweise saniert. So wurden die Dächer erneuert und neue Fenster eingebaut. 2012 wurde der Einrichtung der Name "Justus Delbrück Haus - Akademie für Mitbestimmung Bahnhof Jamlitz" verliehen. Namenspatron ist der Antifaschist Justus Delbrück, der nach dem Zweiten Weltkrieg im Speziallager Jamlitz interniert war und dort ums Leben kam. Im Oktober 2013 fanden im Rahmen einer vom rbb dokumentierten 96-Stunden-Aktion Sanierungsarbeiten im Bahnhofsgebäude statt.

An der Projektvorstellung nahmen am Dienstag auch der stellvertretende Landrat von Dahme-Spreewald, Carsten Saß, der Direktor des Amtes Lieberose/Oberspreewald, Bernd Boschan, der Bürgermeister der Gemeinde Jamlitz, Wilfried Götze sowie Lieberoses neue Pfarrerin Susanne Brusch teil.

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