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Lebendiges Gedenken

Die Köpfe: Günter Knobloch und Brigitte Reimann hielten die Arbeitsgruppe viele Jahre zusammen.
Die Köpfe: Günter Knobloch und Brigitte Reimann hielten die Arbeitsgruppe viele Jahre zusammen. © Foto: Irina Voigt/MOZ
Irina Voigt / 15.02.2015, 07:33 Uhr
Petershagen-Eggersdorf (MOZ) Einen Schlussstrich unter die rund zehnjährige Tätigkeit in der Arbeitsgruppe Erinnerungskultur wollen jetzt die Akteure ziehen. Vieles, von dem, was sie geschaffen und erreicht haben, wird den Petershagen-Eggersdorfern in guter Erinnerung bleiben.

Los ging es mit einer Empörung. Da hatten 2005 Schmierfinken am Ehrenmal für die Opfer des Faschismus gewütet und einige Bürger wollten das nicht hinnehmen. Auch die gesellschaftliche Entwicklung im Ort nahm stellenweise 2008 Züge an, die man im Ort nicht dulden wollte. Da hatten sich in einer Gaststätte Neonazis getroffen und das immer wieder und es wurden immer mehr.

"Es waren also zwei Stränge, die uns zusammenführten", erinnert sich Günter Knobloch an diese Zeit. Er war damals zu den Gemeindevertretern gegangen und hatte zuerst gefordert, sich der Themen anzunehmen und ihnen dann eine Zusammenarbeit angeboten. Seit Jahren beschäftigte sich der Dozent für Werbung und Gestaltung damals schon mit geschichtlichen Themen. Eine Sammlung von 50 Blättern ist dabei zusammengekommen. "Ich hatte über die Nazizeit geforscht, war auf Namen und Ereignisse gestoßen und nach und nach immer tiefer in die Geschichte eingedrungen", sagt der heute 77-Jährige.

Vor allem bei der damaligen Gemeindevertretervorsteherin Karin Reimann musste er nicht lange argumentieren. Es entstand die Arbeitsgruppe Erinnerungskultur. Ihr gehörten quer durch die Einwohnerschaft und die Parteien Vertreter an, die sich intensiver mit der Geschichte in ihrem Ort beschäftigen wollten und sich beschäftigt haben. "Was wir erreichen wollten, haben wir nun geschafft", sagt Karin Reimann.

Es sei den knapp zehn Mitgliedern der Arbeitsgruppe darum gegangen, Plätze zu schaffen für die Erinnerung, Plätze, um Menschen aus der Gemeinde vor dem Vergessen zu bewahren, nachdem man sie durch akribische Forschung aus der Vergangenheit wieder in die Gegenwart geholt hatte. "Man kann sich nur an jemanden erinnern, von dem man weiß", sagt sie.

Die Stolpersteine sind das deutlichste und bekanntesteZeichen dafür. Es gibt den Stolperstein für Moritz Haike, den für Senin Glazeroff, es gibt auch die wieder hergerichtete Grabstätte von Otto Zeestermann. Seit 2012 bewahrt ein Erinnerungswäldchen auf dem Petershagener Friedhof bekannte Namen vor dem Versinken in der Zeitgeschichte. Und zu jeder Stätte und zu jedem Namen gibt es dank Günter Knobloch auch Geschichten aus der Geschichte. Nicht im stillen Kämmerlein wurde geforscht und geschrieben, sondern viele nahmen daran aktiv teil. Wenn zu Beginn das ungewohnte Gedenken an Mahnmal wegen der dort vorgetragenen Gedichte oder der Musik Unverständnis hervorrief, ist es bald zu einem Treff der Erinnerungen geworden "Und dazu braucht es eben auch Stühle und Gespräche", sagt Karin Reimann. Mit den Schulen wurde Kontakt aufgenommen. Mitglieder der Arbeitsgruppe sprachen mit den jungen Leuten, bezogen sie aktiv ein. Mit Lesungen, gemalten Bildern und Spaziergängen zu Gebäuden, in denen Otto Zeestermann gewohnt hatte, nahmen die Schülerinnen und Schüler aktiv an der Geschichte Anteil. So war es auch an der nunmehr letzten Aktion der Arbeitsgruppe Erinnerungskultur - dem Fall der Mauer von 1989. Wieder wurde ein historisches Ereignis so in Szene gesetzt, dass sowohl Daten und Fakten als auch Gefühle nachvollziehbar wurden. "Wir haben viel erreicht", sagen Karin Reimann und Günter Knobloch. "Und auch sehr viel von einander und miteinander gelernt."

Auf der Januar-Gemeindevertretersitzung hatte Karin Reimann schon den Abschied der AG verkündet, in der kommenden Sitzung wird noch einmal Bilanz gezogen.

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