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Museum eröffnet neue Wechselausstellung mit Anton Hennings kunterbuntem Heimatbegriff

Kunst in Miniaturform: Anton Henning hat für seine Freunde, die Simpsons, extra eine eigenes kleines Museum gebaut. So sind die Zeichentrickfiguren, deren Porträts hinten links auf dem Foto zu sehen sind, nicht nur Gesprächsthema des Publikums, sondern dü
Kunst in Miniaturform: Anton Henning hat für seine Freunde, die Simpsons, extra eine eigenes kleines Museum gebaut. So sind die Zeichentrickfiguren, deren Porträts hinten links auf dem Foto zu sehen sind, nicht nur Gesprächsthema des Publikums, sondern dü © Foto: MZV
Anna Fastabend / 19.02.2015, 18:19 Uhr - Aktualisiert 04.07.2017, 16:00
Neuruppin (RA) Das Museum eröffnet am Sonntag, 22. Februar 11 Uhr, den neuen Raum für Wechselausstellungen mit dem internationalen Künstler Anton Henning. Seine Installation "Heimat schaffen - home is where the heart is (II)" ist die zweite Ausstellung in der Region, in der er sich mit dem Begriff auseinandersetzt.

Den meisten wird die US-amerikanische Zeichentrickserie "Die Simpsons" ein Begriff sein. Obwohl sie in der fiktiven Kleinstadt Springfield spielt und sich immer um mehr oder weniger alltägliche Erlebnisse der gelbgesichtigen Familienmitglieder Homer, Marge und ihrer Kinder Bart, Lisa und Maggie dreht, erschöpft sich die Handlung nie. Bisher sind über 560 Folgen ausgestrahlt worden. Die Porträts von Homer, seinem Chef, dem Bösewicht Mr. Burns, und vielen anderen Weggefährten der Simpsons hat Anton Henning auf großformatige Leinwände gemalt. "Die Simpsons habe ich lange aufgehoben. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sie auszustellen", sagt Henning. Denn für ihn hat Springfield viel mit Neuruppin zu tun. Beim Rundgang durch die Ausstellung erklärt er anhand der Simpsons einen Aspekt seines Heimatbegriffs und seinen künstlerischen Schaffensprozess gleich mit.

So wie jedes soziale Gefüge entwickle sich Springfield nur deshalb weiter, weil die Welt durch den Ort ziehe. Mal käme der amerikanische Präsident vorbei, mal ein berühmter Foodballspieler oder eine Countrysängerin. Sie alle brächten frischen Input und würden das System am Leben erhalten. Dasselbe gilt für Neuruppin. Auch diese Stadt werde durch Zugezogene oder die täglichen Nachrichten ständig neu belebt.

Und so wie Springfield und Neuruppin funktioniere auch sein eigenes künstlerisches Schaffen, erklärt Henning. "Durch die Inspiration von außen wächst und verdichtet sich meine Arbeit." Er stehe im ständigen Dialog mit den Werken anderer Künstler und Stilrichtungen. So habe er die Simpsonsporträts an den kubistischen Stil angelehnt. "Doch bei mir handelt es sich eher um Kurvismus als Kubismus", unterscheidet Henning, zu dessen Stil es gehört, sich wie wild aus dem Fundus der Kunstgeschichte zu bedienen. So zitiert er große Meister wie beispielsweise Pablo Picasso oder Henri Matisse rauf und runter, spielt mit ihnen, verfremdet oder bricht sie ironisch.

Henning, seit rund 20 Jahren in der Gegend, lebt mit seiner Frau und drei Kindern auf einem selbst sanierten Hof in Manker. Er bezeichnet die Region längst als seine Heimat. Für ihn ist mit dem Zuzug ein Traum in Erfüllung gegangen. Und darauf kann sich die Region schon etwas einbilden. Schließlich hat Henning auch mal in New York gelebt. Doch die Metropole konnte sein Herz nicht erobern, es war schon mit Sehnsuchtsbildern seiner Jugend besetzt. Henning kam als Jugendlicher zum ersten Mal mit der hiesigen Landschaft in den 1980er-Jahren in Berührung. Er hatte sie bei seinen Reisen nach Dänemark durchquert, allerdings durfte der Westberliner die Transitstrecke nicht verlassen. "Ich fand diese Weite umwerfend, den endlosen Himmel", erinnert er sich. Auf diesen Fahrten sei alles so nah und gleichzeitig unerreichbar gewesen. So habe er damals Langen wegen des hochaufragenden Stühlerschen Kirchturms irrtümlich für Neuruppin gehalten. "Ich konnte es damals ja nicht besser wissen." Als er Neuruppin dann gleich nach der Wende besucht hatte, habe ihn die Stadt für sich eingenommen: "In der Innenstadt ist so viel erhalten geblieben." Und auch die Region findet er bis heute attraktiv. "Anders als in vielen anderen Ecken Deutschlands ist die Region nicht zersiedelt. Sie hat sich ihre Weite erhalten."

Henning, der ein künstlerischer Tausendsassa ist, der unter anderem malt, fotografiert, filmt, bildhauert, stellt seine Arbeiten im Museum in Neuruppin nicht einfach nur aus. Anders als bei seiner ersten Heimat-Ausstellung im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum, die noch bis Sonnabend zu sehen ist, hat er im Museum in Neuruppin aus dem Saal ein Gesamtkunstwerk gemacht. Der Raum ist nicht wiederzuerkennen: Vor den Fenstern befinden sich bemalte Glasflächen, die den Raum in farbenprächtiges Licht tauchen und auch die Wände hat der Künstler farbig anstreichen lassen.

Natürlich lässt Henning zudem seine Wahlheimat in seine Werke einfließen. So befinden sich auch klassische Landschaftmalereien vom Ruppiner See in der Ausstellung. "Mich einfach in die Natur zu setzen und Tatsachen zu malen, ist auch eine Seite von mir", erklärt er. Die andere zeigt eine großformatige Décollage aus verschiedenen Werbeplakaten, wie sie überall im städtischen Kontext zu finden sind. "Anton Henning war für den Auftakt des Jahres-Mottos Heimat unsere erste Wahl", sagt Museumsdirektor Hansjörg Albrecht.

Anton Henning stellt vom 22. Februar bis 13. September im Museum Neuruppin, August-Bebel-Straße 14/15, aus. Die Eröffnung ist am Sonntag, 22. Februar, um 11 Uhr. Eine Führung am Mittwoch, 18. März, ab 13 Uhr. Weitere Infos unter: (03391) 3555100

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