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Verein will mithilfe einer Studie Möglichkeiten für ehemalige Disziplinareinheit ausloten

Ungewisse Zukunft für DDR-Militärgefängnis

Besuch mit Erinnerungen: Detlef Fahle (r.), Vorsitzender des Vereins DDR-Militärgefängnis, führt durch das Haus.
Besuch mit Erinnerungen: Detlef Fahle (r.), Vorsitzender des Vereins DDR-Militärgefängnis, führt durch das Haus. © Foto: Christina Schmidt
Christina Schmidt / 23.02.2015, 03:45 Uhr
Schwedt (MOZ) Der Putz bröckelt, das Dach ist undicht, das Erscheinungsbild mehr als trist: Am ehemaligen DDR-Militärgefängnis in Schwedt nagt der Zahn der Zeit. Ein Vierteljahrhundert nach Schließung des berüchtigten Gefängnisses ist derzeit völlig unklar, was mit dem ungenutzten Teil des Geländes und den darauf stehenden Gebäuden passieren soll. Eine Gedenkstätte? Oder doch nur eine Informationstafel an dem Ort, der für viele ehemalige Insassen mit Angst und Schrecken verbunden ist? "Auf jeden Fall wollen wir auch dieses Kapitel der Schwedter Stadtgeschichte nicht unter den Tisch fallen lassen, sondern offen damit umgehen", so Anke Grodon, Leiterin der Städtischen Museen, beim Rundgang mit Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt.

Eine Erinnerungskultur etablieren, die Vorkommnisse aufarbeiten, aber dabei nicht anklagen oder verurteilen, so beschreibt Detlef Fahle, Vorsitzender des Vereins DDR-Militärgefängnis Schwedt, sein Ziel und das seiner Mitstreiter. Wie das passieren kann, ob dazu zwingend der Erhalt der maroden Gebäude gebraucht wird, in denen noch heute Überreste des Gefängnisses zu sehen sind, das soll eine Machbarkeitsstudie klären. Diese scheitert bisher aber an der Finanzierung.

"Der Ausgang einer solchen Studie wäre völlig offen, aber sie würde uns Möglichkeiten aufzeigen", sagt Detlef Fahle. Denn das Interesse der Menschen sei da. Bei den mehrmals im Jahr angebotenen Führungen durch den auf den ersten Blick schlichten Plattenbau mit seinen Arrestzellen und Gittern im Erdgeschoss kommen zahlreiche Menschen. Schwedt sei nicht nur wegen seiner Raffinerie über die Grenzen des Bundeslandes bekannt - zu zweifelhafter Berühmtheit in der gesamten DDR hat es auch das einzige Militärgefängnis gebracht. "Wo immer ich hinkomme, fragen mich Menschen nach dem PCK und dem Gefängnis", schildert Fahle seine Erfahrungen.

Nur in Schwedt wurden NVA-Angehörige inhaftiert, deren Vergehen wie Körperverletzung und Diebstahl, aber auch Fahnenflucht und Befehlsverweigerung nicht selten als Vorwand genutzt wurden, um dem Wunsch nach Individualität und Andersdenken zu sanktionieren. Während ehemalige Insassen inzwischen über ihre zum Teil schlimmen Erlebnisse berichten, herrscht auf Seiten der ehemaligen Beschäftigten vor allem Schweigen. Dabei sind die Vereinsmitglieder und nicht zuletzt Historiker und Geschichtsinteressierte auch an ihren Erinnerungen interessiert.

Grundsätzlich unterstütze das Land solche Initiativen, die Orte der Erinnerung schaffen, so Martin Gorholt nach seinem Rundgang. Ob das aber auch in Schwedt der Fall sein könnte, das sei auch aus Sicht des Kulturstaatssekretärs völlig offen. Umso bedeutender sei die betreffende Machbarkeitsstudie, für deren Erarbeitung er Hilfe zusagte.

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Hoch lebe der Sozialismus 24.02.2015 - 22:55:26

Ja, weg damit

und das gesparte Geld in die UBS,dem Polizeirevier oder dem "Freibad stecken.

LLeser 24.02.2015 - 13:17:44

Weg damit !

Für die Erhaltung dieses Gebäudes sollten wir kein Geld ausgeben, Es würde den Geschädigten eher zustehen. Dieses Gefängnis ist auch nicht die Geschichte von Schwedt sonder der DDR. Hier wollen sich nur wieder einige Leute wichtig tun. Sollen sich die ehemalige Mitarbeiter um dieses Ding kümmern, schließlich beziehen sie heute für diese "gruselige" Arbeit eine Rente ... die die Geschädigten erwirtschaften. Erhaltenswert ist dieser Bau nicht !

Isenhagen 24.02.2015 - 11:07:46

man sollte das Ding

einfach wieder aufmachen und diesen Oberst Klein der fast hundert Frauen und Kinder zu Tode bomardieren ließ dort einsperren. Aber nein, dieser Mörder wurde ja dafür zum General befördert.

B.K. 24.02.2015 - 09:24:40

Straffvolzug

gut so..

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