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Baaske übergeht Elterninitiative

Eltern wehren sich gegen ein zu frühes Einschulungsalter.
Eltern wehren sich gegen ein zu frühes Einschulungsalter. © Foto: dpa
27.02.2015, 20:28 Uhr
Potsdam (MOZ) Die Bürgerinitiative "Stoppt die Früheinschulung in Brandenburg" hat am Freitag knapp 33 000 Unterschriften an den Bildungsminister übergeben. Günter Baaske (SPD) erklärte jedoch umgehend, dass er die geforderte Verlegung des Einschulungsstichtags ablehnt.

Katharina Wendt, angehende HNO-Ärztin aus Finsterwalde (Elbe-Elster) und Sprecherin der Bürgerinitiative, zeigte sich am Freitag erfreut und enttäuscht zugleich. "Innerhalb kürzester Zeit haben sich nicht nur Eltern, sondern auch Schulleiter, Lehrer und Erzieher unserer Initiative angeschlossen", bilanzierte sie.

Diese Menschen seien überzeugt, dass sich die 2005 in Brandenburg eingeführte Früheinschulung nicht bewährt habe. So würden zahlreiche Fallbeispiele wie auch Studien belegen, dass ein Schulstart mit fünf den Lernerfolg massiv gefährden könne. Deshalb fordere man, dass künftig nur jene Kinder schulpflichtig sind, die am 30. Juni eines jeden Jahres sechs sind. Derzeit gilt als Stichtag der 30. September. Außerdem sei es laut Bürgerinitiative höchst problematisch, dass Eltern mit ihren Kindern zu Gutachtern gehen müssten, um eine Rückstellung zu erwirken. "Da werden Fünfjährige pathologisiert, nur weil ihnen die soziale und emotionale Reife für die Schule fehlt."

Als "enttäuschend und nicht zufriedenstellend" bewertete Katharina Wendt die Reaktion des Bildungsministers im Rahmen der Unterschriftenübergabe. "Ich sehe keine Notwendigkeit, den Einschulungstermin zu verändern", erklärte Günter Baaske. Zur Begründung verwies er darauf, dass zum Start des laufenden Schuljahres von rund 2000 Rückstellungsanträgen für zwischen dem 1. Juli und dem 30. September geborene Kinder 93 Prozent genehmigt worden seien. Auch werde er sich künftig noch stärker dafür einsetzen, dass der Elternwille bei der Einschulung berücksichtigt wird, versprach der Minister.

Kritik an Baaske kam am Freitag auch vom Städte- und Gemeindebund. "Ich kann den Wunsch der Eltern nach späterer Einschulung nachvollziehen", erklärte Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher. "Die jetzt vom Bildungsministerium präsentierte Lösung ist wacklig und inkonsequent. Sie schürt Unsicherheit auch bei den Trägern von Kitas und Schulen."

Baaskes Ablehnung der Bürgerinitiative steht im Widerspruch zu den Positionen der Bildungsexperten der Koalition. Kathrin Dannenberg (Linke) erklärte, dass ihre Fraktion weiter für den 30. Juni als Stichtag eintrete. Auch Simona Koß (SPD) hatte der Einschulung mit Fünf jüngst eine Abfuhr erteilt.

Die CDU-Fraktion will in Kürze einen eigenen Gesetzentwurf für eine Rückkehr zum Stichtag 30. Juni vorlegen. Am kommenden Donnerstag befasst sich der Bildungsausschuss des Landtags mit dem Anliegen der Bürgerinitiative.

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Hartmut A 02.03.2015 - 17:26:14

Eine zähe Angelegenheit

Das geht nun schon Jahre so. Die Wünsche und Erfahrungen der Eltern interessieren nicht wirklich. Der Vorschlag von Nadine K hört sich durchaus sinnvoll an!

Nadine K. 02.03.2015 - 09:14:35

@ Carsten / @Brina

Ihren Kommentaren kann ich zustimmen. Sehe jedoch eine andere Lösung. Auf der einen Seite gibt es Kinder, die aufgrund einer guten Entwicklung schon in die Schule möchten und es gut packen. Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die noch nicht die Reife haben und müssen. Mein Lösungsvorschlag sieht so aus: Alle Kinder müssen bis zur Vollendung des 7. Lebensjahres beschult werden. In Abstimmung Eltern, Kindergarten, Kinderärztin und Schule wird eine gemeinsame Entscheidung zum Zeitpunkt getroffen. So entfällt sowohl die Antragstellung für eine frühere Beschulung als auch für die Rückstellung. Denn gerade der Antrag auf Rückstellung ist ein Kampf, den ich als Mutter nicht austragen wollte. Meinem ersten Kind hätte es von seiner Reife gut getan, ihn ein Jahr später einzuschulen. Andere haben darüber entschieden, um später festzustellen, dass ihm ein Jahr Kindergarten doch besser getan hätten. Meinem zweiten Kind hätte es vom Körperbau gut getan, ihn ein Jahr später einzuschulen. Die Entscheidung hat die Ärztin vom LK getroffen. Heute darf er regelmäßig zum Orthopäden, denn selbst die leichteste Mappe mit nur 750 g Leergewicht konnte nicht verhindern, dass sein Rücken ein Schaden davongetragen hat. Ich bin dafür, dass die Entscheidung zum Wohl der Kinder getroffen werden muss. Lange genug wurde mit Rückstellung auch Schindluder getrieben. Da gab es Rückstellung, da man sich die Klassenstärken für das kommende Schuljahr sichern wollte. Daher sollte in diesem Zusammenhang auch die Entscheidung getroffen werden, dass Klassen mit wenigen Kindern eröffnet werden dürfen. Im Übrigen bin ich mit 7 Jahren (zu DDR-Zeiten) eingeschult worden. Was war schlimm daran??

Ludwig 01.03.2015 - 00:08:44

Wenn die Ausnahme zur Regel wird

93% Anträge von Einschulungsrückstellungen sind durchgekommen, meint Baaske zu seiner Rechtfertigung. 140 Anträge (also 7%) wurden 2014 von den Schulleitern abgelehnt, schreibt die MOZ. Macht von 5000 Einschülern also 2000 Rückstellungsanträge. Warum nur stellen 40% der Eltern solche Anträge? Warum stehen Bildungsexperten der Koalition UND die Fraktion der Linken UND der Städte- und Gemeindebund ebenso hinter dem Juni-Stichtag? Warum bereitet die CDU einen entsprechenden Antrag vor? Weil für Fünfjährige die Schule einfach mal im Durchschnitt zu früh ist. Wenn die Frühreifen die Ausnahmen sind, dann sollen diese doch die Anträge stellen. Außerdem ist es ja nicht so, dass in Elternhaus und Kindergarten gar nichts gelernt werden kann. Wenn man Bindungsfähigkeit, Kreativität und Sozialverhalten mal mit Schreiben und Rechnen mit in die Wagschale legt, kommt da sogar mehr raus als das, was die erste Klasse leistet.

Brina 28.02.2015 - 12:08:10

Einschulung in Brandenburg

Ich kann mich dem nur anschließen.In keinem anderen Bundesland wird so großzügig mit der Einschulung umgegangen wie in Brandenburg (schreibe aus Erfahrung ) .Ohne wenn und aber ,wurde mein Kind ein Jahr später eingeschult und das ohne lästige Anträge oder sonstige Bescheinigungen.Und im nachhinein haben wir alles richtig gemacht.Diese Unterschriften Sammlung war aus meiner Sicht völlig unnütz. L.g.

Carsten 28.02.2015 - 10:49:24

Zufrieden mit der aktuellen Regelung

Neben den vielen Unterschriften gibt es natürlich auch Leute die zufrieden sind mit der aktuellen Regelung. Meine Kinder sind beide im August geboren und wurden zu ihrem 6. Geburtstag eingeschult. Bei beiden war dies der perfekte Einschulungstermin. Bei einem Stichtag Ende Juni wären sie trotz großer Lernwilligkeit noch ein Jahr in der Kita geblieben - oder wir hätten einen Antrag auf frühere Einschulung machen müssen (was dann so aussieht als sei man als Eltern übermotiviert). Wir hätten dies nicht gemacht und schon gar nicht deshalb eine Unterschriftensammlung organisiert. Was ich sagen will: Nicht jede BI und Unterschriftenliste ist aussagekräftig über den Bürgerwillen.

Bienchen 28.02.2015 - 07:53:18

Sag ich doch,

alles kleine Könige. Was das Volk denkt ist sowieso egal. Es sind keine Volksvertreter. Ein Vertreter verkauft was. Mein Staubsauervertreter hat mir auch ein blöden Staubsauger angedreht! Versicherungsvertreter verkaufen...

.... 27.02.2015 - 21:44:41

Den Sozialismus in seinem ...

... Lauf - https://www.youtube.com/watch?v=B7reIMSpBNA

Ronald 27.02.2015 - 21:37:08

Die Leute ....

... haben keine Ahnung. Die Genossen wissen was für unsere Kinder gut ist!

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