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Mit dem Charme der Aufbauzeit

Am Abend wird es voll: Heute, 19 Uhr, feiert Eisenhüttenstadt mit einer Jubiläumsgala den 60. Geburtstag seines Friedrich-Wolf-Theaters. Nach der Sanierung finden noch gut 700 Zuschauer in dem Saal Platz.
Am Abend wird es voll: Heute, 19 Uhr, feiert Eisenhüttenstadt mit einer Jubiläumsgala den 60. Geburtstag seines Friedrich-Wolf-Theaters. Nach der Sanierung finden noch gut 700 Zuschauer in dem Saal Platz. © Foto: MOZ
Janet Neiser / 06.03.2015, 08:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) "Viel Lärm um nichts" heißt es am 6. März vor fast 800 Zuschauern im ausverkauften Saal des Kulturhauses "Friedrich Wolf". An diesem Tag steht aber nicht nur das Schauspieler-Ensemble des Deutschen Theaters Berlin im Scheinwerferlicht, sondern vor allem das neue Vorzeigetheater in der Vorzeigestadt, die den Namen Stalins trägt. Erstmals ist dort an diesem Nachmittag der Vorhang aufgegangen. Damit die Zuschauer, unter denen auch die Witwe des Dramatikers Friedrich Wolf ist, ja nicht frieren, wird das Haus mangels Heizung mithilfe einer Lokomotive beheizt - bis in die Nachtstunden, denn abends gibt es als Zugabe den amerikanischen Kinofilm "Das Salz der Erde".

Genau 60 Jahre ist das heute her, 60 Jahre, in denen hunderte Defa-und Hollywood-Streifen über die Leinwand flimmerten, und neben lokalen Ensembles auch so bekannte Künstler wie Manfred Krug, Eberhard Cohrs, Dean Reed, Harald Juhnke und Armin Müller-Stahl auftraten. Die Stadt hat ihren Namen in dieser Zeit geändert: Aus Stalin- wurde Eisenhüttenstadt, das Theater heißt noch immer "Friedrich Wolf" und wird von Einheimischen liebevoll "Friwo" genannt.

"Das ist eins der wichtigsten Bauwerke aus der Aufbauzeit der DDR", betont Wolfgang Koueider, der zuständige Architekt, als das Theater in den Jahren 2006 bis 2010 für viereinhalb Millionen Euro aufwendig innensaniert und technisch modernisiert wird, nachdem die Hüllensanierung des Einzeldenkmals bereits kurz nach der Jahrtausendwende stattgefunden hatte. "Wir haben hier aber keinen rein stalinistischen oder marxistischen Baustil, wie er für die 50er-Jahre im Osten typisch war, sondern einen Stilmix." Äußerlich erinnert das Theater mit dem angedeuteten Säulenportal und dem Dreiecksgiebel an einen klassizistischen Tempelbau, wirkt streng, fast protzig. Innen kommt es mit mosaikbesetzten Säulen und bunten Wandbildern eher verspielt daher, während der holzvertäfelte Saal mit den lachsfarbenen Stühlen eine klassische Eleganz ausstrahlt.

In Rekordzeit von einem Jahr wird das Theater mit der 153 Quadratmeter großen Bühne Mitte der 1950er nach den Plänen von Peter Schweizer, Hermann Enders und Hans Klein aus dem Boden gestampft - inmitten einer Bauwüste, die später die Haupteinkaufsstraße der jungen Stadt werden sollte. Eine Maurerjugendbrigade, eine Zimmererbrigade, eine Betonbrigade und zwei Poliere, das ist das Personal für den Bau, erinnert sich der damalige Bauleiter Karl-Heinz-Tröger vor einigen Jahren. Teilweise arbeiten sie rund um die Uhr, um im Plan zu bleiben. Stolz sind sie und die Stalinstädter schließlich, als das Kulturhaus eröffnet wird.

Filme, Konzerte und Theater ziehen fortan nicht nur Einheimische an. Mit der politischen Wende jedoch kommt der Einbruch der Besucherzahlen. Bestimmte Veranstaltungsreihen verschwinden mangels Interesse aus dem Programm. Kinofilme werden aufgrund eines wenige hunderte Meter entfernten Kino-Neubaus schon seit Jahren nicht mehr gezeigt. Doch mit der Wiedereröffnung nach der Sanierung erlebt das Friwo, in dem der Charme von einst noch zu spüren ist, eine Art zweiten Frühling. Vor allem bekannte Schlager- und Volksmusikstars, aber auch Eigenproduktionen wie das Musical "Snowy" sind Garanten für ein volles Haus. Heute zum Jubiläum gibt es eine bunte Gala, bei der unter anderem Olaf Berger, Ireen Sheer, Dirk Michaelis, professionelle Tangotänzer und lokale Gruppen auftreten. Möglichst viele Genres will das Theater bedienen, das gilt bis heute.

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