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Ein Laufsteg vor dem Technikmuseum zeigt innovative Straßenlampen

Gegen das Licht-Einerlei

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Maria Neuendorff / 06.03.2015, 20:33 Uhr
Berlin (MOZ) Mit einem LED-Laufsteg zeigt das Technikmuseum, wie effiziente und nachhaltige Beleuchtung aussehen kann. Auf Berliner Straßen ist die umweltschonende Technik allerdings Zukunftsmusik. Von den 224 000 Laternen wurden erst 600 auf LED umgerüstet.

Die einen leuchten heller, die anderen wärmer, manche sind gedimmt und strahlen erst mit voller Kraft, wenn sich ein Passant drunter stellt - 70 verschiedene Lampen erhellen die sonst ziemlich dunkle Ladestraße am Berliner Technikmuseum. Auf Knopfdruck lassen sich dort seit Donnerstagabend bei den Leuchtdioden (kurz LED) Helligkeit und Lichtfarbe regeln.

"Wir werden uns von der Lichtsoße, die unsere Städte 100 Jahre lang durchflutet hat, verabschieden müssen", sagt Stephan Völker, Lichtexperte der Technischen Universität, der den "LED-Laufsteg" betreut. Wenn es nach ihm ginge, würde man der Berliner Straßenbeleuchtung einen "Maßanzug" verpassen. Seit langem plädiert Völker dafür, statt einer Lichtschwemme nur einzelne, wichtige Punkte zu beleuchten. "Dadurch ließe sich die Sicherheit auf unseren Straßen und die Schlafqualität der Anwohner deutlich verbessern, und der eingesetzte Energiebedarf und die Lichtemission würden reduziert", erklärt der Experte.

Die Lampen der Zukunft sind also intelligent, sie dimmen beispielsweise ihr Licht, wenn Straßen und Plätze nachts menschenleer sind. Ihre neuen Linsensysteme garantieren eine optimale Lichtverteilung. Am Ende der Lebensdauer lässt sich ihr Leuchtkopf unkompliziert wechseln. Die innovativen Modelle unterschiedlicher Unternehmen, die auf dem alten Kreuzberger Bahngelände zwischen Technikmuseum und Science Spectrum aufgestellt wurden, sollen Wissenschaftler wie Passanten die Facetten der LED-Technologie aufzeigen.

"Die CO2-Einsparung beim LED-Einsatz ist beachtlich, innen wie außen", sagte Florian Pronold (SPD), Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bei der Eröffnung. Etwa 4500 kommunale LED-Projekte im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative zeigten bisher eindrucksvoll, "dass lokale Aktivitäten ganz konkret und messbar zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen".

Berlin allerdings hinkt seit Jahren seinen eigenen Ansprüchen hinterher. Das in den Jahren 2008 bis 2011 erarbeitete Lichtkonzept blieb größtenteils Makulatur. Von den insgesamt 224 000 Straßenlampen würden gegenwärtig 600 mit LED betrieben, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt auf Anfrage mit. In diesem Jahr sollen 1500 LED-Leuchten hinzukommen. Zudem seien in den vergangenen drei Jahren 8000 Gasreihenleuchten erneuert und auf Elektrobetrieb umgerüstet worden. Eine vollständige Umrüstung aller Leuchten auf LED sei nicht vorgesehen. Von den derzeit 36 000 Gasleuchten bleiben 3300 erhalten. Das wird einige Liebhaber freuen, die sich seit Jahren für die historischen Laternen einsetzen, obwohl sie dreimal so viel verbrauchen wie moderne Lampen. So gibt die Stadt jährlich 35 Millionen Euro für die Straßenbeleuchtung aus. "Verschwendetes Geld", kritisiert der baupolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Andreas Otto. Berlin hinke bei der Umstellung jahrelang hinterher und baue heute noch veraltete Leuchtstoffröhren ein, anstatt innovativ voranzugehen, so Otto.

Doch die Zeit drängt. "Noch in diesem Jahr will das Abgeordnetenhaus ein Energiewendegesetz beschließen", kündigt Andreas Geisel (SPD), Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, an. Das besagt, dass die Stadt bis 2050 klimaneutral werden soll. Dafür müsste sie mindestens 85 Prozent ihrer Immissionen im Vergleich zum Jahre 1990 reduzieren.

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