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Künstler und Arzt Clemens Krauss stellt sich den Einwohnern als Kaufinteressent für das Gutshaus Mürow vor

Hoffnung für ein Kleinod

Stark sanierungsbedürftig: Seit das Mürower Gutshaus leer steht, verfällt es immer mehr. Das könnte sich bald ändern.
Stark sanierungsbedürftig: Seit das Mürower Gutshaus leer steht, verfällt es immer mehr. Das könnte sich bald ändern. © Foto: Stefan Csevi
Kerstin Unger / 07.03.2015, 03:45 Uhr
Mürow (MOZ) Das seit mehreren Jahren leer stehende Mürower Gutshaus könnte bal einen neuen Besitzer finden. Der Künstler und Arzt Clemens Krauss möchte das denkmalgeschützte Haus und das Grundstücke mit Park kaufen. Am Mittwochabend stellte er sich den Einwohnern vor.

Die Mürower hängen an dem Ensemble rund um das Gutshaus. Das zeigte der voll besetzte Raum im Dorfgemeinschaftshaus. Mehr als 40 Einwohner waren gekommen, um mehr über die Pläne für den einstigen Sitz der von Arnims zu erfahren. Dazu gehören außerdem die Brennerei, der Speicher und der kleine Lenné-Park.

Einst tobten im Gutshaus die Steppkes des Kindergartens. Hier trafen sich Senioren, tagten die Gemeindevertreter, wohnten Leute. Vor rund fünf Jahren wurde das Gutshaus gesperrt, weil es einsturzgefährdet war. Vorstöße, das denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren, scheiterten am fehlenden Geld. Seitdem bröckelt das Gemäuer weiter. Die Wohnbauten Angermünde-Land GmbH verwaltet das Grundstück und hat sich in der Vergangenheit bemüht, einen Interessenten zu finden. "Es tut weh zu sehen, wie sich der Zustand des Gebäudes rapide verschlechtert. Deshalb sind wir mit dem Bürgermeister zu dem Schluss gekommen: Wir brauchen einen Investor. Weil sich aus Mürow niemand fand, haben wir einen weiteren Versuch gestartet, mit gebündelten Kräften und mit den nationalen und internationalen Kontakten von Dr. Hungeling einen Interessenten zu finden. Heute können wir ihn vorstellen", sagte Wohnbauten-Geschäftsführer Peter Achterberg. Von mehreren Interessenten werde sein Konzept als vernünftig und gut erachtet.

Clemens Krauss zeigte sich überrascht und erfreut über das große Interesse der Mürower. Er stellte sich als 35-jähriger gebürtiger Österreicher vor, der seit zehn Jahren in Berlin lebt. Er ist bildenden Künstler und promovierter Mediziner. Als Künstler beschäftigt er sich mit experimenteller Videokunst und Installation, gestaltete Ausstellungen in aller Welt von Hongkong bis Brasilien. Als Arzt führt er eine psychoanalytische Praxis und arbeitet als Psychotherapeut. "Clemens Krauss ist ein nicht unbedeutender zeitgenössischer Künstler", vervollständigte Andreas Hungeling die Vorstellung von Clemens Krauss, wissend, dass dieser nicht gern viele Worte um sich selbst macht.

Er habe sich viele Objekte in der Uckermark angesehen und in das Mürower Gutshaus besonders verliebt, sagte der Kaufinteressent. "Auch die Anlage mit dem Dorfanger ist ein schönes Ensemble, allerdings mit beträchtlichem Sanierungsaufwand." Sein Konzept ist, das Gutshaus mit seiner beruflichen Tätigkeit zu verbinden. Er will es als Ort des öffentlichen Austausches und der Kunst nutzen und zeitweilig dort auch arbeiten. Hier könnten Workshops mit anderen Künstlern stattfinden, vielleicht ein Uckermark-Festival. Auf jeden Fall sollen auch die Dorffeste weiter hier gefeiert werden. "Das würde mich freuen", sagte er.

Als Eigentümer des Grundstücks wolle er Verantwortung übernehmen für die Sanierung, sich mit dem Denkmalschutz abstimmen und Fördermittel für den Bau und die Kultur nutzen. Er habe schon Sanierungserfahrungen sammeln können. Seine Berliner Immobilie ist ebenfalls denkmalgeschützt, erzählte er.

Nach der Zeitschiene gefragt, meinte er, dass die Sanierung einige Jahre dauern werde. Im Vordergrund stehe, das Dach dicht zu machen. Einige Dachbalken seien von Fäulnis befallen. Im Keller ist Schimmel. "Ich möchte das Haus fach- und denkmalgerecht instand setzen, Altes erhalten und die Qualität des soliden Baus zum Ausdruck bringen", sagte er.

Der Schlosspark sei ein wichtiger Teil des Ortes und gehöre zum schützenswerten Ensemble. "Er soll zugänglich bleiben. Das wird in den Nutzungsvereinbarungen geregelt", versicherte Clemens Krauss. Das Gutshofareal soll auch in Zukunft ein Ort der Begegnungen bleiben. Er sei froh, dass sich ein Verein zur Pflege des Gutsparks gründen will.

Ein Hindernis für den möglichen künftigen Investor: Er hat keine offizielle Zufahrt zu dem Gutshaus. Das Gelände gehört zum Speicher, der Anfang der 2000er-Jahre verkauft wurde und geht bis fast an die Wand des Gutshauses, erklärte Andreas Hungeling. Die Zuwegung zu klären sei eine vorrangige Aufgabe. Den Eigentümer kennt in Mürow allerdings niemand. Die Stadtverwaltung hat vergeblich versucht, den Mann aus Berlin ausfindig zu machen, bestätigt Klaus Sewekow vom Kommunalvermögensamt der Stadtverwaltung. "Er hat sich 2013 einmal kurz gemeldet, dann nie wieder. Er ist unauffindbar." Wenn keine Klärung zustande käme, würde eine andere Lösung für die Zufahrt gefunden, wurde versichert.

Die Mürower stellten dem Bewerber noch einige Fragen und scheinen ihn ebenfalls für gut zu befinden. "Wenn Sie dafür sorgen, dass das Gutshaus nicht so bleibt wie der Speicher, dann haben Sie unsere volle Unterstützung", hieß es aus den Zuhörerreihen. Mit diesem Einverständnis stimmten die drei Ortsbeiratsmitglieder ebenfalls dafür. Das letzte Wort, ob das Mürower Gutshaus bald einem weltbekannten Künstler gehört, hat die Stadtverordnetenversammlung.

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Uckermerker 08.03.2015 - 23:32:18

Starker Tobak

Schreiben Sie doch nächstes Ihre Kommentare an die Klotür. Da gehören sie auch hin.

Carla Deuss 08.03.2015 - 14:24:48

.

Übersetzung: Ein wirrer "Künstler" versucht mal wie viele Fördermittel sich damit abgreiffen lassen sich eine schöne Sause für die Kumpel zu basteln. Siehe auch Vierraden "Kunstspeicher", dem Spass und Spiel Objekt eines Berliner Architekten der 1,6 Mio abgegriffen hat....

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