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Kanaltheater gründet sich mit Witz, Konfetti und viel Punk-Musik / Teilnehmer jeder Couleur nach wie vor gesucht

Über alle Grenzen hinweg

"Es war ein heißer Sommer": Mit einem ironischen Verweis auf Chris Doerk und Frank Schöbel legt die Punk-Band aus dem Open-Air-Musical "Die Heilige Gaby des SVKE" los.
"Es war ein heißer Sommer": Mit einem ironischen Verweis auf Chris Doerk und Frank Schöbel legt die Punk-Band aus dem Open-Air-Musical "Die Heilige Gaby des SVKE" los. © Foto: Sören Tetzlaff
Simon Rayß / 13.03.2015, 06:48 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ein Knall, Konfetti-Regen, großer Jubel - dann ist das Kanaltheater am Mittwochabend offiziell gegründet. Damit hat sich das Team von "Punk a Gonny!" und "Die heilige Gaby des SVKE" selbst einen Namen gegeben. Der soll in Zukunft für Wiedererkennungswert sorgen.

So eine Theatergründung kann ganz schön langweilig sein. Sie kann aber auch wohltuend improvisiert wirken, Ecken, Kanten und einen Punk-Soundtrack haben. Genauso läuft die Zeremonie am Mittwoch unter der niedrigen Decke des Alternativtreffs "Exil".

Klar, Grußworte und einen Ausblick auf große Vorhaben gibt es auch dort. Doch dazwischen rumpelt immer wieder die Band aus dem Schweinemast-Musical "Die Heilige Gaby des SVKE". Ihre Stücke sind kurz und brachial, mal mit verstimmter Gitarre, zumeist aber mit Anliegen - ein Sound, der zum freien Geist des neu gegründeten Theaters passt.

Dazwischen die obligatorischen Redebeiträge: Kulturdezernent Bellay Gatzlaff vertritt die Stadt. Er lobt das Projekt für seine "Eberswalder Themen, die von Eberswaldern auf die Bühne gebracht werden", und verspricht: Die Stadt werde das Kanaltheater weiter unterstützen.

Für das Projekt selbst spricht die Berliner Regisseurin Heike Scharpff. "Für uns ist Theater ein Forschungsunternehmen", sagt sie. "Wir sind auf der Suche nach spannenden Fragen. Fragen, auf die wir keine Antworten haben." Gemeinsam mit der Dramaturgin Katja Kettner und dem Produzenten Kai Jahns übernimmt sie die künstlerische Leitung der Truppe.

Heike Scharpff lässt auch anklingen, mit welcher Vielzahl von Vorhaben das aus der Taufe gehobene Projekt startet. Eine Kostprobe: Premiere des Kinder-Theaters von "Flying Cookies" am 28. März, Wiederaufführung der "Heiligen Gaby" im April - in Eberswalde und in Berlin -, Premiere des Stücks "Utopie" im Juni und der Arbeitslager-Erinnerung "Verschleppt jung ohne ich - Wywiezli sama nic ja" vier Monate später.

Dazwischen gibt es keinen Leerlauf, sondern weitere Veranstaltungen: Unter dem Namen "Nach dem Punk" lädt Schauspieler Steffen "Schortie" Scheumann "in loser Folge Dichter- und Künstlerkollegen ein", wie es im Flyer des Theaters heißt. Nach Peter Wawerzinek kommen die Autoren Thomas Brussig und Tanja Langer.

Doch Scheumann vermittelt nicht nur die gestandenen Größen, er führt Theaterinteressierte auch selbst in die Materie ein. Jeden Mittwoch um 19 Uhr bietet er einen Grundlagenkurs "fürs Herrenensemble" an, wie er während der Gründungsfeierlichkeiten verkündet. "Doch der Besuch ist bisher mangelhaft", setzt er hinterher, bevor er zu Wilhelm Bartschs Eberswalde-Roman "Das bisschen Zeug zur Ewigkeit" greift und daraus eine Passage zum Besten gibt.

Genau darum geht es beim Kanaltheater: unter Führung erfahrenener Künstler alle möglichen Menschen fürs Theater zu gewinnen - über alle Generationsschranken und sozialen Grenzen hinweg. Symptomatisch dafür auch der Abend der Taufe: Wo sonst kann das Publikum einen Dezernenten im feinen Zwirn auf einer Bühne mit einer Punk-Kombo erleben?

www.kanaltheater.de, Kontakt per Telefon unter 03334 3828319

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