Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Bahnhof als Pilotprojekt

Joachim Eggers / 20.04.2010, 09:18 Uhr - Aktualisiert 20.04.2010, 14:15
Fürstenwalde (In House) Der Umbau des Bahnhofs Fürstenwalde soll Mitte des Jahres weitgehend abgeschlossen sein. Der Eigentümer des Gebäudes, die Firma Mainasset Management, will den gesamten Bahnhof verschönern, beleben und damit Geld verdienen.

„Die Rendite muss stimmen“ – dazu bekennt sich Mainasset-Geschäftsführer Siegfried Fernitz. Seine Gesellschaft ist die deutsche Tochter des britischen Immobilien-Investors Patron Capital, der im Paket von der Deutschen Bahn 1004 Bahnhöfe erworben hat – darunter eben auch den von Fürstenwalde. Fernitz, dessen Schreibtisch in der Nähe von Frankfurt/Main steht, hat sich die Baustelle in Fürstenwalde vorige Woche selbst angesehen – denn Fürstenwalde habe für die Gesellschaft den Charakter eines Pilotprojekts, so Fernitz: In Fürstenwalde soll vorgeführt werden, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

Damit ist gemeint, dass es gelingen kann, aus einem solchen Bahnhofsgebäude einen profitablen Standort zu machen. Die Auswahl hat natürlich auch mit Bedingungen zu tun, die andere Bahnhöfe nicht erfüllen, allen voran die hohe Frequentierung. Mit 10 000 wird die Zahl der Menschen veranschlagt, die täglich am Bahnhof Fürstenwalde vorbeikommen. „Genial“, nennt das Fernitz, der es auch mit viel niedrigeren Nutzerzahlen zu tun hat, und schwärmt vom regen Treiben am NCC-Tower.

Die Mainasset hat sich mit der Stadt auf den zur Zeit entstehenden Anbau geeinigt, der Platz schaffen soll für einen Fahrradladen und -verleih. Wobei die Stadt so viel nicht mitzureden hatte, keine Auflagen machen konnte. Auch deshalb wird der Anbau dazu führen, dass der Lift zum Übergang auf die Gleise nur noch über den Bahnsteig zu erreichen sein wird. Dazu wird das altehrwürdige Gemäuer in Teilen entkernt. In den vergangenen Tagen war nicht immer viel los auf der Baustelle – gestern wartete die ausführende Firma aus Fürstenwalde auf einen Statiker.

Fernitz schwebt auch vor, die Bahnhofshalle noch mit einem gastronomischen Betrieb aufzuwerten; dann werde im ersten Obergeschoss immer noch eine Fläche von 120 Quadratmetern frei sein.

Was ist, wenn dem Fahrrad-Geschäft nach drei Monaten oder einem Jahr die Luft ausgeht? „Wenn das passieren würde, hätten wir zunächst unser Geschäft schlecht vorbereitet“, sagt Fernitz. Die Partner würden vorab auf ihre Bonität geprüft. „Letztlich ist das aber ein Risiko, das wir eingehen müssen.“ Es gibt allerdings einen Plan B: Auf jeden Fall seien die Umbauten so gestrickt, dass sie „drittverwendungsfähig“ seien, wie Fernitz formuliert – es muss möglich sein, eine andere Nutzung dort unterzubringen.

Den Schlüssel zum eigenen Erfolg – der auch ein Erfolg für die Nutzer wäre, weil er einen lebendigen Bahnhof bedeutet – liegt für Fernitz darin, dass er „sich mit jedem einzelnen Objekt befassen“ müsse. Das sei anders als bei der Bahn. Zu den Optionen könne auch der Weiterverkauf zählen. Zu dem Paket gehören in Ostbrandenburg auch die Bahnhöfe Müncheberg, Eisenhüttenstadt und Seelow-Gusow.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG