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Der 17-jährige Oranienburger Felix Kretzschmer engagiert sich für seine Stadt und bei den Jusos Oberhavel

"Wer etwas ändern will, muss sich beteiligen"

Fühlt sich wohl in Oranienburg: Felix Kretzschmer hat sich neben vielen anderen Schülern beim ersten Oranienburger Jugendforum engagiert. Aktiv ist er auch bei den Jusos Oberhavel.
Fühlt sich wohl in Oranienburg: Felix Kretzschmer hat sich neben vielen anderen Schülern beim ersten Oranienburger Jugendforum engagiert. Aktiv ist er auch bei den Jusos Oberhavel. © Foto: MZV/Katrin Hartmann
Katrin Hartmann / 26.03.2015, 10:15 Uhr
Oranienburg (MZV) Oranienburg fühlt er sich verhaftet. Er ist im Vorstand der Oberhaveler Jusos aktiv und stellvertretender Schülersprecher des Landes Brandenburg. Nach dem Abitur möchte der 17-Jährige Jura studieren. Oranienburg will er allerdings treu bleiben.

Seine dunkelblonden Haare sind kurz und stehen nach oben. Er trägt eine schwarze Jeans und einen olivgrünen Parka. Auf dem Rücken ein legerer Rucksack. Es ist Felix Kretzschmer nicht gleich anzusehen, aber er schwärmt für Politik. Das mag für den einen oder anderen langweilig klingen, aber der Schüler des Louise-Henriette-Gymnasiums hat eine Schwäche für das, was hinter den Kulissen passiert. Deshalb engagiert sich der Oranienburger seit 2013 bei den Jungsozialisten (Jusos) Oberhavel. Als er vor zwei Jahren beitrat, war er erst 15 Jahre alt. "Mich hat damals die Freundin eines Freundes mit zu einem Grillabend genommen. Und dann war ich eigentlich schon drin", erinnert sich Felix Kretzschmer lächelnd. Sofort hat er sich in der Gruppe wohl gefühlt. "Ich bin dort gut angekommen und verstehe mich mit allen", sagt er. Zurzeit ist er im Vorstand aktiv. In der Jugendorganisation der SPD können sich junge Leute unter 35 Jahren mitmachen. "Wir treten für eine soziale Linkspolitik ein und leisten Jugendarbeit", haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Und mit diesen Ansichten kann sich Felix Kretzschmer gut identifizieren.

Sein Engagement hat mit dieser Mitgliedschaft allerdings noch kein Ende. "Ich bin ein kleiner Politik-Nerd (Freak). Mir macht Politik Spaß. Ich habe dabei bislang auch viel für mich gelernt", sagt er und überlegt. Faires Streiten sei beispielsweise eine Diskussionsmethode, die er sich angeeignet hat. "Ich habe gelernt, nicht alles persönlich zu nehmen und auch, wenn man unterschiedlicher Ansicht ist, normal miteinander zu reden." Auch im Wahlkampf von Björn Lüttmann (SPD) hat er politische Praxis kennengelernt. "Ich war auf vielen Veranstaltungen, habe Flyer verteilt und an Ständen mit Leuten gesprochen", sagt er mit lebhaften Augen.

Auch am ersten Oranienburger Jugendforum hat sich der Schüler beteiligt. "Wir haben uns ein paar Mal getroffen - auch mit dem Bürgermeister. Wir sind eine bunte Gruppe, das hat vor allem unsere Stimmung geprägt." Bei dem Jugendforum hatten sich Jugendliche aus fünf Oranienburger Schulen zusammengefunden und Ideen für die Stadt entwickelt. Anfang Juli sollen die Vorschläge zusammen mit Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke und anderen Stadtverordneten diskutiert werden. Wenn die Stadt Interesse daran habe, dass die Jugendlichen bleiben, müssten sie die Ideen auch ernst nehmen, meint er. Dabei ist sich der 17-Jährige allerdings bewusst: Wer etwas ändern will, muss sich beteiligen. "Viele können sich gar nicht vorstellen, was sie eigentlich alles verändern könnten. Aber wer mitmacht, lernt die Strukturen besser kennen und weiß, was machbar ist." Die Idee eines Jugendbeirates beziehungsweise Jugendparlaments findet der Schüler "absolut richtig". Dabei mitzuwirken, kann er sich gut vorstellen. Beteiligung sei für ihn allerdings nicht nur politisch. Engagement ist auch außerhalb politischer Organisationen möglich, findet Felix Kretzschmer. So zum Beispiel in der Kirche oder in einem Tierschutzverein.

Wie seine Neugierde für Politik gekommen ist, kann er nicht mehr so recht sagen. "Ich glaube, das ist dadurch entstanden, weil ich, als ich noch jünger war, keinen Fernseher in meinem Zimmer hatte. Da hat es sich sozusagen eingebürgert, dass ich mit meinen Eltern abends immer die Tagesschau geguckt und so viel von Politik und Gesellschaft mitbekommen habe." Entsprechend ähneln auch seine Abitur-Prüfungsfächer diesen Interessen. Als schriftliche Prüfungen muss der Gymnasiast im April Geschichte, Deutsch und Englisch ablegen. Dann folgt die mündliche Prüfung in Chemie.

Und was kommt danach? Darüber hat sich Felix Kretzschmer schon Gedanken gemacht. "Wenn ich es schaffe, dann ein Jura-Studium in Potsdam", sagt er entschlossen. Und wenn es in der Landeshauptstadt nicht klappt, dann wäre "auch Frankfurt (Oder) gut". Auf jeden Fall soll es, wenn möglich, Brandenburg bleiben. Berlin ist dem 17-Jährigen dann doch etwas zu unübersichtlich. "Ich denke, ich fühle mich an einer kleineren Uni wohler. Ich will nicht in der Masse verschwinden." Dass Jura kein leichter Studiengang ist, weiß er. "Viele andere Jusos studieren Jura. Sie haben mir von dem Ablauf und den Inhalten erzählt", sagt er zielbewusst. Auch in seiner Funktion als stellvertretener Landesschülersprecher hat er sich schon viel mit Gesetzesbüchern, Verordnungen, Gremien und Akteuren auseinandergesetzt. Trotz seines jungen Alters wirkt er gefestigt, scheint zu wissen, wo seine Reise hingehen soll.

Aber über alles hat er sich dann doch noch nicht den Kopf zerbrochen. Einen längeren Aufenthalt im Ausland hat er vorerst nicht geplant. Wenn er sich allerdings für ein paar Monate Work and Travel entscheiden sollte, würde es ihn nach Irland oder Großbritannien ziehen. Momentan hält er sich allerdings lieber in Oranienburg auf. Dann geht er gern mit Freunden auf die Pferdeinsel. "Dort sind wir abseits, aber doch irgendwie nah", sagt er etwas nachdenklich.

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