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Den Lausitzern wurde über Jahre etwas vorgegaukelt

MOZ-Redakteur Mathias Hausding
MOZ-Redakteur Mathias Hausding © Foto: MOZ
Mathias Hausding / 26.03.2015, 18:26 Uhr - Aktualisiert 26.03.2015, 18:35
(MOZ) Es ist zu hoffen, dass ein Großteil der Entrüstung von Brandenburger Politikern über Sigmar Gabriels Klimaabgabe für Kohlekraftwerke nur gespielt ist. Ein taktisches Mittel sozusagen, um den Preis für diesen industriepolitischen Eingriff hochzutreiben, statt echter Verwunderung. Denn überraschend kommt die Ankündigung nicht, politisch nachvollziehbar ist sie ebenfalls, und die Bevölkerung weiß der Bundeswirtschaftsminister auch auf seiner Seite. Zwei Drittel der Bundesbürger lehnen in Umfragen neue Tagebaue ab.

Die Braunkohle hat in Deutschland keine Zukunft. Das war vor Gabriels Initiative nicht anders als jetzt. Sie ist ein Hemmschuh für die Energiewende, vernichtet Kulturlandschaften, belastet in extremem Maße die Umwelt und gefährdet Deutschlands Klimaziele.

Die Landespolitik hat all diese Fakten über Jahre verdrängt, den Menschen in der Lausitz etwas vorgegaukelt, sie in einer trügerischen Sicherheit gewiegt. Das rächt sich jetzt. Das Gerede von der "Brückentechnologie" war dabei von Anfang an nur schwer zu ertragen. Denn was soll das für eine Brücke sein, deren Ende man partout nicht bereit ist zu definieren?

Nein, Brandenburg hat keinerlei Ausstiegsszenario, keinen Plan B für die Lausitz erarbeitet. Nach dem Motto, was nicht sein darf, das nicht sein kann, wurde auf die Monokultur Braunkohle gesetzt. Mit ihrem Aufschrei über Gabriels Klimaabgabe für die größten Dreckschleudern unter den Kraftwerken will die Landesregierung nun einerseits ihre eigene verfehlte Politik kaschieren, andererseits aber tritt sie damit bereits in die Verhandlungen mit Gabriel darüber ein, wie der mittelfristige Verlust der Kohle für die Lausitz irgendwie verträglich gestaltet werden kann.

Genau darauf muss jetzt das volle Augenmerk liegen. In dieser Frage ist die Bundesregierung nämlich in der Verantwortung, in dieser Frage kann der Druck aus Brandenburg auf Gabriel gar nicht groß genug sein. Deutschland hat tief im Westen der Republik Erfahrungen mit dieser Art von Strukturwandel gesammelt. Davon muss nun die Lausitz profitieren. Die Landesregierung sollte die Herausforderung annehmen, sich der Zukunft zuwenden und nicht unnötig Ängste in der Lausitz schüren.

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Herbert Wagner 27.03.2015 - 14:51:20

Die Lausitz und die Kohle

Sehr geehrter Herr Hausding, etwas Ehrfurcht stünde Ihnen nicht schlecht zu Gesicht, wenn Sie über die Kohle herziehen. Sicher sind Sie noch zu jung und haben nichts wirklich über die Geschichte der Kohlegewinnung und -verarbeitung erfahren. Dankbar waren wir, wenn wir unsere Stuben mit der Braunkohle warm bekamen und mit elektrischem Strom aus dem nahegelegenen Dampfkraftwerk unsere Lampen zum Leuchten bringen konnten. Unsere Großväter und Väter haben das fertiggebracht, was Sie leichtfertig mit Verbrechen gleichsetzen. Die Kohle wurde schon vor vierzig Jahren als Auslaufmodell bezeichnet und hat sich bis heute als unverzichtbarer Primärenergieträger erwiesen, unabhängig von Gesellschaftsordnungen und politischen Entscheidungsträgern. Es kostet nur ein klein wenig Mühe, sich mit Geschichte zu beschäftigen!

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