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Krankenschwester Käte Hänisch (1922-1997) überlebte 45 Angriff auf Hegermühlen-Grundschule nur knapp

Bomben über Strausberg

Erfüllt persönlichen Auftrag: Eberhard Hänisch schmückt seine Führungen durchs Flugplatzmuseum gern aus.
Erfüllt persönlichen Auftrag: Eberhard Hänisch schmückt seine Führungen durchs Flugplatzmuseum gern aus. © Foto: MOZ Gerd Markert
Josephin Hartwig / 26.03.2015, 18:56 Uhr
Strausberg (MOZ) In der Reihe 70 Jahre Kriegsende werden Schicksale der Menschen erzählt, die den Krieg in der Region erlebt haben. Eberhard Hänischs Mutter war 1945 Krankenschwester im Lazarett in Strausberg.

Die Fotografien, die Eberhard Hänisch noch von seiner Mutter aus den 40er-Jahren besitzt, sind inzwischen vergilbt. Was umso stärker leuchtet, ist die Erinnerung an eine starke Frau.

1922 wurde Katharina Hänisch, genannt Käte, geboren. 20 Jahre später entschied sich die junge Frau, Krankenschwester zu werden. Sie wollte bedürftigen, kranken Menschen helfen, dafür sorgen, dass es ihnen besser geht. Dazu bekam sie bald mehr Gelegenheit, als ihr lieb war. Eingesetzt wurde die Medizin-Interessierte in der heutigen Hegermühlen-Grundschule. Vor dem Lazarett wurden damals weiße Bettlaken zu einem Kreuz ausgelegt, um es als solches kenntlich zu machen. In einem Interview mit dem MOZ-Vorläufer Neuer Tag, berichtete Käte Hänisch, dass die Schule von amerikanischen Bombern angegriffen wurde und es an der Ostseite zu einem Volltreffer kam. Etwa 200 Tote habe es damals gegeben, sie war eine der Überlebenden. "Eigentlich waren es russische Bomber, aber das passte wohl nicht gut ins Bild", erklärt Eberhard Hänisch.

Die Identifizierung der Toten fand in der heutigen Ton-Halle statt. Ihrem Sohn erzählte sie später, einige Ärzte seien noch mit dem Skalpell in der Hand gefunden worden. Doch auch andere grausame Bilder des Krieges zeichnete Käte Hänisch in Erzählungen für ihren Sohn nach. Sie sprach von vergewaltigten Frauen, die sich in den Straussee stürzten und ertranken, weil sie das entstandene Kind nicht austragen wollten. Nicht selten stellte sie für jene Frauen den Totenschein aus. Auch von amputierten Armen und Beinen oder Schusswunden, die sie häufig mit versorgte, sprach sie. "Meine Mutter ging völlig in ihrem Beruf auf. Von morgens bis abends war sie unterwegs, ich sah sie kaum", erinnert sich ihr Sohn.

Zu Fuß war die spätere Gemeindekrankenschwester wochenlang unterwegs, ging durch die Dörfer und behandelte ihre Patienten. Hohenstein, Ruhlsdorf, Gladowshöhe, Grunow-Ernsthof und Bollersdorf gehörten zu ihrem Gebiet. "Sicher steckten ihr hier und da die Bauern auch mal was zu Essen zu. Das war natürlich auch bei uns knapp, denn meine Mutter wurde zu Beginn noch nicht bezahlt", sagt Eberhard Hänisch.

Über einiges habe seine Mutter auch nicht mit ihm gesprochen. Zu schwer lasteten die Erinnerungen auf ihr, um sie mit dem Sohn zu teilen. Käte Hänisch sei eine ehrliche und authentische Frau gewesen, die zwar resolut sein konnte, ihren Sohn jedoch auch liebevoll behandelte. Als Kreisoberkrankenschwester im Strausberger Klinikum wurde sie von Kollegen geschätzt und hatte nach dem Krieg beim Aufbau des Hauses für die medizinische Versorgung mitgeholfen. In der Ausstellung im Flugplatzmuseum widmet Eberhard Hänisch eine Tafel dem Klinikum und seiner Mutter.

Das Flugplatzmuseum in Strausberg, Flugplatzstraße, ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.

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