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Neuer Dorfladen als Gemeindezentrum

Sekt zur Eröffnung: Viele Trebnitzer, aber auch Gäste aus dem Umland, kamen am Sonnabend zur Eröffnung des Dorfladens in Trebnitz
Sekt zur Eröffnung: Viele Trebnitzer, aber auch Gäste aus dem Umland, kamen am Sonnabend zur Eröffnung des Dorfladens in Trebnitz © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 30.03.2015, 07:11 Uhr
Trebnitz (MOZ) Himmel und Menschen strömten am Sonnabend Richtung Schloss. Der Verein Bildungs- und Begegnungsstätte eröffnete in der alten Remise einen Dorfladen und ein Café sowie im Obergeschoss eine Ausstellung.

"Wenn das die einstigen Siedler sehen könnten", sagt Gisela Kitzmann anerkennend. Sie ist extra aus Münchehofe gekommen. Bis vor zehn Jahren lebte sie in Trebnitz, kennt alle Häuser und viele Leute. Was aus der alten Remise an der Hauptstraße geworden ist, kann sie kaum fassen. "Das Schloss ist auch ein richtiger Hingucker. Wie sah das vor 20 Jahren aus", blickt sie zurück. Sie freut sich mit den Trebnitzern über das neue kleine Dorfzentrum. Das nämlich soll es werden, das Haus, das vor einem Jahr eher einen Abriss als eine Sanierung vermuten ließ.

Die einstige Eigentümerin war vor drei Jahren an den Verein Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz herangetreten. Ob man das Gebäude vielleicht noch mal nutzen könnte, bot sie an. Der Verein um seinen Vorsitzenden Christoph Berend prüfte lange, ob man sich dieser Herausforderung stellen sollte. Mitte der 90er Jahre hatte der Dorfkonsum geschlossen. Es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten mehr im Ort. Den Anstoß, es zu wagen, gab letztlich die Studie der Sparkasse Märkisch-Oderland für mögliche neue Dorfläden. Für sieben Orte sah das kommunale Kreditinstitut Chancen. In Trebnitz vor allem vor dem Hintergrund der vielen Tausend Teilnehmer, die sich jährlich im Schloss bei Seminaren und Workshops treffen und gern mal etwas einkaufen möchten. Und auch angesichts zahlreicher Ausflügler. Trebnitz liegt am Fernradweg R1. "Immer wieder gab es Anfragen von Durchreisenden, wo man einkehren oder etwas kaufen kann", erinnert Berend.

Eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes kam nur in Frage, wenn dafür Fördermittel fließen. Die Lokale Aktionsgruppe Märkische Seen befürwortete das rund 600 000 Euro umfassende Vorhaben des Vereins. Vor einem Jahr begannen die Bauarbeiten. Mit dem Seelower Planungsbüro Pro Drei fand der Verein kompetente Planer und Baubetreuer. In zwölf Losen wurden Aufträge an Firmen der Region vergeben, die dort ihre Visitenkarte hinterließen. Für das, was sie geschaffen haben, ernten sie an diesem Sonnabend höchstes Lob.

Über einen behindertengerechten Zugang auf der Rückseite des Hauses - die Außengestaltung konnte Dank Kofinanzierung durch die Aktion Mensch bewerkstelligt werden - geht es in den Dorfladen. Tagelang hatten Beschäftigte des Vereins mit Helfern aus dem Ort alles eingeräumt. "Ohne die Freiwilligen wäre das nicht möglich gewesen", unterstreicht Darius Müller, Leiter von Schloss Trebnitz. Christina Krüger, Roswitha Koball, Wolfgang van Gulijk?, Karla und Joachim Graumann, Marianne und Jürgen Huhn sowie Barbara Pawlick gehören zum Team, das im Dorfladen ehrenamtlich mitarbeitet.

Die Vorbereitungen hatten schon Ende 2014 begonnen. Da habe Darius Müller bei den Senioren das Projekt vorgestellt, Wünsche erfragt und Listen ausgelegt, in denen sich mögliche Helfer eintragen konnten, berichtet Roswitha Koball. Sie kümmert sich um Veranstaltungen für die älteren Bürger im Ort, trug sich als eine der Ersten in die Liste ein. "Ich war früher im Handel tätig, das liegt mir", sagt die 63-Jährige. Mit anderen Ehrenamtlichen wird sie Cornelia Herzog, der einzigen hauptamtlich Beschäftigen, im Laden helfen. Cornelia Herzog führt Regie, ist an diesem Eröffnungstag besonders aufgeregt. Nie hätte sie sich vor zwei Jahren, als sie im Schloss eine Anstellung fand, solch eine Aufgabe vorstellen können, gesteht die Trebnitzerin. Ortsvorsteher Thomas Berend dankt allen für das kleine Wunder. In der Remise haben jetzt die Senioren in einem abtrennbaren Raum ihre ständige Anlaufstelle, kann der Ortsbeirat beraten, können die Dorfhelden Vorhaben besprechen und vieles mehr. "Mit dem Haus ist ein Schandfleck im Dorf verschwunden", sieht es Hannelore Schober. Man werde sicher nicht den großen Wocheneinkauf im Laden erledigen, sagt sie. "Aber man braucht nicht bis sonst wohin fahren, wenn man etwas vergessen hat. Und viele ältere Trebnitzer freuen sich, dass sie nun auch mal wieder selbst einkaufen gehen können." Mehr als 600 Produkte gibt es jetzt schon im Laden. Auf einer roten Wunschliste können die Kunden notieren, was aus ihrer Sicht noch fehlt. Hausgemachte Marmeladen und Gemüse stehen als erste auf der Liste.

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