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Fehlerhafte Darlehensklauseln machen Banken zu schaffen

Hausbesitzer kippen teure Kreditverträge

© Foto: pa/obs/CosmosDirekt
Andreas Wendt / 30.03.2015, 09:33 Uhr
Potsdam (MOZ) Tausende Immobilienbesitzer versuchen wegen falscher Widerrufsbelehrungen in ihren Verträgen aus teuren Bankkrediten auszusteigen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) wird seit Monaten mit Anfragen dazu überschüttet.

Zwischen 300 und 400 Schreiben stapeln sich auf dem Tisch der Verbraucherzentrale in Potsdam. "Unsere Anwälte sind hoffnungslos überlastet", sagt eine Sprecherin. Hoffnung schöpfen vor allem Hausbauer, die zwischen 2002 und Mitte 2010 Kreditverträge abgeschlossen haben. Nach Angaben der von betroffenen Kreditnehmern eigens gegründeten Interessengemeinschaft (IG) Widerruf seien rund 70 Prozent aller seinerzeit abgeschlossenen Baufinanzierungen fehlerhaft, weil die Widerrufsfrist, die üblicherweise 14 Tage betrage, nicht zu laufen beginnt. "Die Kreditinstitute informieren in ihren Widerrufsbelehrungen häufig nicht richtig über den Beginn der Widerrufsfrist. Oft fehlen auch Hinweise zu den Rechtsfolgen eines Widerrufs. In manchen Belehrungen ist unklar, an wen der Widerruf zu richten ist", zählt der Berliner Anwalt Timo Gansel auf, dessen Kanzlei sich auf das Thema spezialisiert hat.

Auslöser des Ansturms auf die Banken ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2009. Immobilienkäufer, die zu jener Zeit einen Darlehensvertrag mit hohen Zinsen abgeschlossen haben, könnten nun auf einen günstigeren Zinssatz umschulden. Im Durchschnitt, sagt Roland Klaus, Gründer der IG Widerruf, seien Einsparungen von 500 Euro pro Monat möglich. "Pro Kreditvertrag summiert sich das schnell auf 10 000 bis 20 000 Euro", rechnet er vor. Gezahlte Vorfälligkeitsentschädigungen könnten zuzüglich Zinsen zurückverlangt werden, wenn die Widerrufsbelehrung des Kreditvertrags fehlerhaft ist.

Für die Banken geht es beim sogenannten Widerrufsjoker um Milliarden. Klaus zufolge gehen sie mit dem Problem sehr unterschiedlich um. Deutsche Bank, Postbank und DSL Bank würden sich gegen gütliche Einigungen stemmen, Marktführer ING-DiBa sei kompromissbereiter und stelle Finanzierungen trotz erheblicher Restlaufzeit sofort auf deutlich niedrigere Konditionen um.

Konkrete Zahlen nennen die Kreditinstitute nicht. "Wir sind der Auffassung, in der Vergangenheit über bestehende Widerrufsrechte ausreichen informiert zu haben", sagt Rüdiger Grimmert, Sprecher der Postbank. Man nehme sich jedoch jedes Einzelfalles an und prüfe die geltend gemachten Forderungen des Kunden. Dies sichert auch die IG Widerruf von Roland Klaus zu, die mit mehreren Anwaltskanzleien kooperiert und alte Kreditverträge kostenlos auf fehlerhafte Passagen checken lässt.

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Anna Tomie 30.03.2015 - 15:40:38

Fragwürdig??

Fragwürdig ist wohl eher, dass ich für mein Guthaben bei der der Bank einen Zinssatz von 5 Prozent erhalten habe als ich eine größere Summe anlegte und inzwischen für diese Einlage noch 0,7% erhalte. Damals hat die Bank mein Geld auch mit Kusshand genommen und mir das Blaue vom Himmel versprochen.... Die Bank sagt sie kann keine Guthabenzinsen zahlen, weil der Leitzins so niedrig ist, wie ist aber zu erklären, dass für einen Dispokredit immernoch zweistellige Zinsen aufgerufen werden?? .Ich verstehe jeden Häuslebauer der sich Geld wiederholen bzw. einsparen will. Auch ich spare nach der Umschuldung jeden Monat 200 Euro und kann das Geld in die Tilgung stecken.

Geld macht nicht glücklich - aber beruhigt 30.03.2015 - 15:37:56

Endlich mal Gerechtigkeit

Sonst wurde ja nur der kleine Mann bei jeder Gelegenheit geschröpft, egal ob über Gebühren oder überteuerte Zinsen. Nun dreht sich das Blatt und das ist gut so. Den Banken kostet dieses Urteil Millionen, das Gejammer ist groß, mein Mitleid hält sich stark in Grenzen. Mehr zum Nachlesen gibt es hier unter " Widerrufsjoker " : http://www.finanz-forum.de/baufinanzierung_f27/

Micha 30.03.2015 - 14:22:26

Fragwürdig

Was so manch einer für fragwürdig hält, halte ich für sehr fragwürdig. Ich glaube Sie haben den Sinn des Artikels nicht verstanden. Übrigens hat die DSL Bank in meinem Fall sehr wohl positiv zu meinen Gunsten reagiert. Ich nehme dieses Glück gern an. Und bin auch zu Neuverhandlungen bereit.

Anonymous 30.03.2015 - 10:36:23

Unglaublich.

So eine Korinthenkackerei! Als ob sich diese sog. "Opfer" die AGB überhaupt durchgelesen hätten. Sich aus damaligen Krediten so herauszuwinden ist widerlich. Das Geld haben die Kunden damals gerne genommen, das Zurückzahlen fällt wohl nun schwer?! Nein, ich bin in keiner Bank angestellt und auch sonst nicht "für" Banken. Aber das hier halte ich für fragwürdig.

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