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Unvergessene Schicksale

Verlegung des Stolpersteines für Helmut Riedel in der Brieselanger Fichtestraße.
Verlegung des Stolpersteines für Helmut Riedel in der Brieselanger Fichtestraße. © Foto: Balzer
Wolfgang Balzer / 30.03.2015, 12:02 Uhr
Brieselang (MZV) 19 Steine der Erinnerung sind es, die die Arbeitsgruppe Stolpersteine seit dem Jahre 2006 in Nauen, Falkensee, Ribbeck und Dallgow-Döberitz verlegt hat. Es ist ein Projekt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung von Nachbarn wegen ihrer Gesinnung, Religion sexuellen Orientierung, Herkunft oder Krankheit lebendig hält. Am Sonnabend vor einer Woche wurden nun auch in Brieselang die ersten Stolpersteine vom Initiator der Aktion, dem Künstler Gunter Demnig, verlegt.

"Die Spurensuche ist oft schwierig", sagte Ines Oberling von der Vorbereitungsgruppe. Im Hause Fichtestraße 80 wohnte Helmut Riedel, Jahrgang 1907. Auf einen in einem Buch veröffentlichten anklagenden Brief der Eltern an den Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Neuruppin nach dem Erhalt der Todesnachricht ihres Sohnes verwies Gerd Bitterhoff von der Arbeitsgruppe.

Er klagt das Schicksal von Helmut Riedel an, der später in die Landesanstalt Bernburg "verlegt" und dort am 26. Mai 1941 im Alter von 33 Jahren ermordet wurde. Seit zwölf Jahren wohnt Paul Scholtyssek im Haus Nummer 80. "Es ist gut, dass an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte erinnert und es nicht vergessen wird", meinte er während der Verlegung des Stolpersteines direkt neben seiner Hofpforte.

Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) bezeichnete die ersten Verlegungen solcher Steine der Erinnerung im Ort als wichtiges Ereignis. Auch wenn in der Gemeinde versucht werde, die Geschichte aufzuarbeiten, werde sie im Ort eher totgeschwiegen. Es sei einem Zufall zu verdanken, dass beim Abriss eines Hauses Protokolle aus der Gründerzeit 1925-1932 gefunden wurden. Aus der Zeit danach gäbe es aber nur wenige Unterlagen, sagte er.

Mehr bekannt ist über das Leben von Elisabeth Bethke, an deren Schicksal seit einer Woche gleichfalls ein Stolperstein erinnert. Sie wurde am 29.6.1905 in Berlin geboren und arbeitete dort als Sekretärin. Seit 1926 war sie in der Kommunistischen Jugendbewegung aktiv. Nach der Verhaftung durch die Gestapo wurde sie wegen Hochverrat angeklagt und verurteilt.

Aus der Strafhaft musste Elisabeth Bethke 1939 wegen ihrer schweren Erkrankung an Lungenentzündung und Tuberkulose vorzeitig entlassen werden. Sie starb an den Krankheitsfolgen in der Brieselanger Kameruner Straße. In der nach ihr benannten Elisabeth-Bethke-Straße erinnert nun vor der Hausnummer zwei ein Stein an ihr Schicksal. Es sei gut, dass an diese finstere Zeit in Deutschland erinnert wird, damit sich Gleiches nicht wiederholt, sagte Joachim Steirat, Gemeindevertreter und stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins.

Ein weiterer Stolperstein hält nunmehr auch die Erinnerung an den ehemaligen Kellner Karl Karthun wach, der im Falkenseer Ortsteil Waldheim lebte. Er wurde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt von einer unbekannten Einrichtung in die Landsanstalt Bernburg "eingewiesen" und dort 1941 im Alter von 63 Jahren ermordet.

Diese Landesanstalt war eine der Tötungsanstalten, in die zahllose Patienten im Rahmen der "Aktion T4" überführt und mit Gas ermordet wurden. "Aktion T4" ist auch auf den entsprechenden Steinen der Erinnerung von Helmut Riedel und Karl Karthun vermerkt.

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