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Rückkehr nach Rathenow?

Die Rathenower Band "Blues Gnus" mit Philip Enders und Timo Kicinski (3./4. v. li.) vor ihrem Auftritt zum 25. Stadtfest auf der Jugendbühne.
Die Rathenower Band "Blues Gnus" mit Philip Enders und Timo Kicinski (3./4. v. li.) vor ihrem Auftritt zum 25. Stadtfest auf der Jugendbühne. © Foto: weber
Simone Weber / 19.09.2015, 15:08 Uhr
Rathenow (MOZ) Genau 27.871 Einwohner hatte Rathenow im Jahr 2002. Bis Ende des vorigen Jahres sank diese Zahl auf 24.681. Noch vor Jahren wurde bei dieser Entwicklung eine Einwohnerzahl von 21.000 für das Jahr 2020 prognostiziert. Aber der Prozess der Verringerung der Einwohnerzahl hat sich seit 2011 etwas verlangsamt. Gegenüber dem Vorjahr (Stand 31. Dezember: 24.681) ist Rathenow, auch durch aufgenommene Asylbewerber, sogar erstmals seit Jahrzehnten wieder gewachsen, um 76 Menschen. Deshalb geht die Stadt nun für das Jahr 2020 von rund 23.000 Einwohnern aus.

Die immer weniger werdenden Jugendlichen in Rathenow stellen sich nach Abschluss der Schulausbildung die Frage, ob sie in der Region ihre Zukunft sehen oder zur Berufsausbildung die Stadt oder gar das Land, möglicherweise für immer verlassen. Diese Frage treibt auch Timo Kicinski um. Der 20-Jährige hat im Jahr 2014 sein Abi gemacht und Praktika absolviert. "Zum Studium, Lehramt für Musik und Sport, gehe ich zunächst einmal an die Uni nach Halle", so der Rathenower. "Ich überlege aber ernsthaft, danach nach Rathenow zurückzukommen. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass ich an meinen Schulen ein tolles Lehrer-Schüler-Verhältnis kennengelernt habe. Es wäre schön hier später zu arbeiten."

Noch spielt Timo gemeinsam mit Philip Enders in der Rathenower Band "Blues Gnus". Am vorigen Samstag traten sie auf der Jugendbühne zum 25. Stadtfest auf. "Für junge Bands und Musiker gibt es zu wenig öffentliche Möglichkeiten aufzutreten. Vieles läuft über private Initiativen, wie im Wall Hall", erzählte Philip. "Ein Grund dafür ist auch, dass sich verstärkt Menschen beschweren, die sich durch jährlich stattfindende Veranstaltungen gestört fühlen."

So kann die Beachparty am abgelegenen Wolzensee nicht mehr stattfinden. Anwohner, die sich durch das Licht des Weihnachtssterns auf dem Baum vor dem Kulturzentrum gestört fühlten, sorgten dafür, dass er zunächst für einige Tage erlosch. Da sollte doch mehr Toleranz angebracht sein.

Zum dritten Mal gab es zum Stadtfest eine eigene Jugendbühne, auf der sich junge Bands aus der Region präsentieren konnten. "So eine Einbeziehung der Bands vor Ort hätte ich mir schon in den Jahren zuvor gewünscht", so Sänger und Gitarrist Philip. Auch der 21-Jährige geht jetzt zum Studium (evangelische Theologie) nach Leipzig. "Noch vor einigen Jahren dachte ich, dass ich nicht nach Rathenow zurückkommen würde", meinte Philips Freundin Anika Woyte, die bereits ihr Studium (Deutsch, evangelische Religion) in Leipzig begonnen hat. "Mittlerweile könnte ich mir durchaus vorstellen zurückzukommen. Dafür ist neben den beruflichen Möglichkeiten auch das Umfeld wie Bedingungen für junge Familien und das kulturelle Angebot wichtig."

Die Bevölkerung schrumpft nicht nur, sondern wird auch älter. In Gesprächen ist dies immer wieder ein Thema und auch, was die Stadt tut, um das Leben für die Jugend attraktiver zu machen, damit sie ihre private und berufliche Zukunft künftig stärker in der Region sieht. "Für die Jugendlichen müsste mehr getan werden", so Anika Woyte weiter. "Neben dem Jugendhaus Oase und dem Haus der Jugend gibt es nicht viel mehr Angebote. Früher gab es beispielsweise mit dem Remix noch eine Disco für jüngere Jugendliche." Inzwischen ist auch die beliebte BMX-Halle nur noch Rathenower Heimatgeschichte.

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