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Im Ratsbeschluss von 1980 wurde der Abriss maroder Häuser in Altberesinchen festgeschrieben

Seit 34 Jahren rollt die Bahn nach Neuberesinchen

1988: Die Straßenbahn der Linie 1 rollt durch Neuberesinchen.
1988: Die Straßenbahn der Linie 1 rollt durch Neuberesinchen. © Foto: Sammlung Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 15.04.2015, 06:29 Uhr
Frankfurt (MOZ) Fakten, Daten, Geschichten und Ereignisse: Im Frankfurt-Quiz des Stadtboten blicken wir zurück. Ganz weit und ganz nah. Und vergeben für die interessanteste Einsendung ein MOZ-Souvenir

Am 9. April 1980 - fast auf den Tag genau vor 35 Jahren - beschloss der Rat der Stadt die Umgestaltung des Stadtgebietes Altberesinchen. Die, wie es hieß, städtebaulichen Direktive sah für Beresinchen (jetzt Altberesinchen) den Abriss von Häusern vor und die Verlegung einer Straßenbahntrasse durch Altberesinchen nach Neuberesinchen. MOZ-Leserin Gabriele Hesse hatte vor Jahren aus der Zeitung erfahren, dass die erste Straßenbahn nach Neuberesinchen am 2. September 1981 fuhr. "Neuer Tag" berichtete drei Tage später über die Eröffnung der 1,8 Kilometer langen Strecke. "Jungfernfahrt der "1' ins neue Stadtgebiet"überschrieb das Blatt den Beitrag, dazu eine Aufnahme der viel zu früh verstorbenen Fotografin Christel Walter. Darauf ist ein Zug der Linie 1 in Neuberesinchen zu sehen. "Allerdings endeten die Züge zunächst an der Haltestelle Wintergarten. Am 5. Juli 1982 ging die 1,3 Kilometer lange Verlängerung bis zum IV. Wohnkomplex in Betrieb", informierte Gabriele Hesse, die eine Isolierkanne gewinnt.

Günter Fromm, der sich seit Jahrzehnten mit Frankfurts Stadtgeschichte beschäftigt, ahnt: "Mit den Abrissen  in Neuberesinchen wird die Bedeutung der Straßenbahn nach und von dort leider abnehmen." Im Ratsbeschluss von 1980 wäre auch der Abriss maroder Häuser in Altberesinchen festgelegt. Die Wahrheit sei jedoch, "dass im Zusammenhang mit der Tram-Trasse auch intakte Häuser abgerissen wurden. Ob das immer zwingend war, möchte ich bezweifeln, aber die führenden Funktionäre in Staat und Partei (auch der verdiente OB Fritz Krause) gingen davon aus, das Wohnungsbauprogramm wird alle Probleme lösen. Da brauchten sie auf die Altbausubstanz keine große Rücksicht zu nehmen, zumal mit dem Abriss oftmals nur Privateigentum vernichtet wurde." So wurden in der Luckauer Straße bis auf ein Haus, die ganze östliche Straßenzeile abgerissen. "Und das Gebäude des kirchlichen Kindergartens am Lutherstift gleich mit. Dafür räumte die Volksarmee das einstige Gemeindehaus der Gemeinde Sankt Gertraud in der Puschkinstraße für einen kirchlichen Kindergarten. Die NVA hatte es um 1955 von den Sowjets übernommen und rechtswidrig genutzt."

Horst Mennigke, der 51 Jahre in Beresinchen lebte und arbeitete, findet es verwerflich, dass man noch heute die Bezeichnung Altberesinchen für diesen historischen Stadtteil benutzt. "Die Bezeichnung sollte sicher die Rückständigkeit dieses Gebietes unterstreichen. Bis zur Wende wurde dort auch nichts umgestaltet, nichts erneuert oder umgebaut. Damals sah das Viertel wie von einem Krieg in Mitleidenschaft gezogenes Stadtgebiet aus."

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FF-dabei 15.04.2015 - 20:01:28

@F.Heese

Warum nicht die teuren Straßen, Ampeln und Parkplätze abschaffen? So ein Gleis und eine Oberleitung sind einfacher und billiger gewartet als der ganze Beton und Teer. Und mal ehrlich: Wer durch eine Straßenbahnstrecke über eine Straße seine Sinne überfordert sieht, sollte sowieso keinen Führerschein besitzen dürfen.

FF-dabei 15.04.2015 - 19:34:05

Richtig,

der Baumarkt ist weg. Aber trotzdem ist die Einschätzung von "S.Kwasiekiewicz" vollkommen korrekt.

Frank 15.04.2015 - 17:16:30

Baumarkt?

Wo gibt es denn dort einen Baumarkt? Der ist doch umgezogen.

S.Kwasiekiewicz 15.04.2015 - 15:25:36

Kein ganzheitliches Denken@HEESE

Betrachtet man Beresinchen als gesamten Stadtteil von Frankfurt (Oder), so hat dieser Stadtteil auch ein Recht auf eine Verkehrsanbindung. Es ist zwar ein Rückbau erfolgt und es leben weniger Menschen dort, doch das Wohnumfeld hat sich nun insgesamt verbessert. Die Infrastruktur mit allen verlegten Medien und den Straßen ist eine wunderbare Voraussetzungen für eine neue bauliche Erschließung. Durch das HEP-Center ist die Versorgung des Stadtteiles gesichert. Die ansässige KFZ.-Werkstatt und der Baumarkt runden das Bild ab. Auch Kindereinrichtungen, Schulen, Arztpraxen , Tankstellen, Bowlingbahn und eine Sporthalle sind vorhanden. Auch einen Haltepunkt der Bahn gibt es. Die Straßenbahn hat ein neues Depot gebaut. Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Freizeiteinrichtungen haben hier auf den freien Flächen ausreichend Platz. Die Bebauung oder der Verkauf der Flächen wird kommen. Es muss nur nach dem Abriss eine gewisse Zeit vergehen. Beresinchen hat eine Zukunft, man muss nur ganzheitlich Denken und die vorhandene Straßenbahnlinie ist "Gold" wert.

Felix60 15.04.2015 - 13:36:54

Geht nicht mit dem Rückbau,

nicht nur weil das Straßenbahndepot dort steht, es gibt auch Pläne dort wieder zu bauen und zwar Ein- und Mehrfamilienhäuser, wird zwar noch hart dementiert aber es gibt sie. Wer mit offene Augen durch Neuberesinchen läft dem wird auch Aufgefallen sein das zwar die Wohnblöcke abgerissen wurden aber es gab kein Rückbau der Hauptanschlußstellen für Wasser- Abwasser und Stromleitungen sowie Telefonleitungen! Warum denn nur? Auch einige Stassen blieben obwohl sie niemand mehr befuhr!

Maik Franz 15.04.2015 - 10:55:34

@ F.Heese

Und was wird aus dem Straßenbahndepot am Endpunkt der Linie? Bitte überlegen Sie, bevor sie kommentieren. Danke!

F.Heese 15.04.2015 - 09:38:05

Neuberesinchen`s Bewohnerzahl drastisch gesunken!

Die Bahntrassen sind auf Grund des Einwohnerschwunds speziell in Neuberesinchen nicht mehr der Zeit angepasst! Wann erfolgt hier der Rückbau, das Kosten/Nutzenverhältnis ist nicht gegeben Mit den vielen Straßenquerungen und Ampeln würden dann endlich auch Unfallschwerpunkte verschwinden.

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