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Streik-Verspätung beim Stadtverkehr

Streik: Gewerkschafter besetzen am Dienstagnachmittag das Betriebsgelände der SVF in Neuberesinchen
Streik: Gewerkschafter besetzen am Dienstagnachmittag das Betriebsgelände der SVF in Neuberesinchen © Foto: Winfried Mausolf
Frank Groneberg / 28.04.2015, 19:02 Uhr
Frankfurt (MOZ) Die Bus- und Bahnfahrer der SVF befinden sich seit Dienstag, 16 Uhr, im unbefristeten Streik. Der Schülerverkehr soll aber heute früh abgesichert werden. Der Streik war am Dienstagmorgen zunächst abgesagt worden.

Seit Dienstagnachmittag, 16 Uhr, rollt nichts mehr im Nahverkehr der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF). Oder zumindest fast nichts mehr. Jene Buslinien, die von Homann-Busreisen bedient werden, fahren weitgehend planmäßig - also die Linien 982, 984 und 987 sowie die beiden Nachtbuslinien. Auf allen anderen Linien tut sich bis auf einige Ausnahmen so gut wie nichts. "Wir haben um 15 Uhr zum Streik aufgerufen", sagt Marco Pavlik, Verhandlungsführer und Streikleiter der Gewerkschaft Ver.di, am Nachmittag, "seit 16 Uhr ist das Betriebsgelände der SVF blockiert." Die meisten Busse und Bahnen sind nach dem Aufruf zum Depot in Neuberesinchen zurückgekehrt. Dort bleiben sie stehen, bis der Arbeitskampf beendet ist. Wann das sein wird, ist unklar: "Unser Streik ist Teil des unbefristeten Arbeitskampfes im Land Brandenburg", betont Marco Pavlik. Und dieser Arbeitskampf kann noch mehrere Tage andauern. "Die Unternehmensführung bedauert dieses Vorgehen zutiefst und ist bestürzt über den respektlosen Umgang mit unseren Fahrgästen", teilt die SVF-Geschäftsführung über ihre Internetseite mit.

Einzelne Busse und Straßenbahnen der SVF sind am frühen Dienstagabend jedoch noch im Stadtgebiet im Linienverkehr unterwegs. Ob sie ins Depot zurückkehren, ist unklar. "Wir wollen am Mittwochmorgen auf jeden Fall den Schülerverkehr aus West und Neuberesinchen absichern", sagt Hartmut Huwe, Geschäftsbereichsleiter Technik der SVF. Dafür könnten auch diese Fahrzeuge genutzt werden. Details will er nicht vorab verraten. Die notwendigen Fahrer stehen ihm aber zur Verfügung: Mehrere SVF-Fahrer wollen sich an dem Streik nicht beteiligen. Weil sie nicht gewerkschaftlich organisiert sind oder aus anderen Gründen. Offenbar geht ein Riss durch die Belegschaft der SVF. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di existiert eine Liste mit Namen von knapp 30 Bus- und Bahnfahrern, die trotz Streiks arbeiten würden. "Die Unternehmensleitung auf der Ebene unterhalb des Geschäftsführers hat sich schon vergangene Woche damit gebrüstet, eine solche geheime Liste zu besitzen", sagt Marco Pavlik.

Diese Uneinigkeit der Fahrer ist auch der Grund dafür, dass der Streik in Frankfurt mit Verspätung beginnt. "Es gibt mehrere Fahrer, die gesagt haben, sie wollen auf jeden Fall arbeiten", sagt Hartmut Huwe, "denen wollten wir die Möglichkeit zum Arbeiten einräumen." Und deshalb ließ die Geschäftsleitung Montagabend mehrere Bahnen und Busse außerhalb des Betriebsgeländes abstellen. Fünf Straßenbahnen wurden im alten Depot in der Bachgasse geparkt und durch ein Sicherheitsunternehmen bewacht, sieben Busse auf dem Gelände des Subunternehmers Homann-Busreisen. Dort dürften die Fahrzeuge nur kurzfristig blockiert werden, ein Streik hätte keinen Sinn gemacht.

Marco Pavlik sieht in diesem Vorgehen der SVF-Führung "ganz klar eine Vorbereitung zum Streikbruch". Es habe solche Versuche auch schon in Schwedt, Eberswalde und Bad Freienwalde erlebt - allerdings erfolglos. "Aber das, was hier in Frankfurt passiert ist, das ist eine Unverschämtheit." Damit so etwas nicht noch mal möglich ist, wird der Streik am Dienstagnachmittag begonnen - vorbereitet unter strenger Geheimhaltung.

Der Gewerkschafter berichtet, "Führungskräfte der SVF" hätten am Sonnabend polnische Busfahrer eingewiesen, wie die Erdgastanks der SVF-Busse befüllt werden. Mitarbeiter der SVF wollen das beobachtet haben. "Ich halte das für gelogen", betont Hartmut Huwe. "Wir haben nie vorgehabt, polnische Fahrer zu verpflichten." Der Gedanke, die SVF würde sich in Polen Streikbrecher organisieren, sei absurd. Würden zusätzliche Kräfte gebraucht, kämen die immer von Homann-Busreisen. Der Subunternehmer beschäftigt in der Tat Busfahrer aus Polen, allerdings schon seit mehreren Jahren. Aktuell sind es fünf. "Jeder, der einen Busschein hat, kann sich bei uns bewerben", sagt Firmenchef Harald Homann.

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Sabine 30.04.2015 - 17:05:43

Wer ist Schuld an zweigeteilter Arbeitnehmerschaft?

@Ronny M. Wir haben leider keine DDR mehr. Seit 1990 heißt es: "Firma geht vor Familie" - das ist nicht nur bei der Firma "Homann" so, sondern auch im öffentlichen Dienst. Was aber die Angst der Unorganisierten betrifft, so sind alle Schuld, die nicht in der Gewerkschaft sind. Warum sind denn nach der Wende so viele ausgetreten und interessieren sich die jungen Leute erst gar nicht für die Gewerkschaft? Ganz einfach: um sich die Beiträge zu sparen. Der Rest der Mitglieder wird ja schon Tarifverbesserungen erkämpfen, die man dann auch als Nichtgewerkschaftsmitglied genießen kann.

L.K. 29.04.2015 - 10:01:29

Bisschen Lärm machen

Warum nur ein bisschen? Gehts uns allen noch gut? Zu gut? Persönlich richtet sich mancher stiller Protest nicht nur gegen das eigene Umfeld, sondern gegen ein Land, speziell gegen ein Bundesland, vielleicht auch die BRD, welches soviel Geld in den Sand setzt hat und für seine Leute nix übrig hat und für ein Klima der Unzufriedenheit verantwortlich ist. Und dann wird andererseits alles nur Mögliche geschaffen, um der europäischen Flüchtlingsbewegung Herr zu werden. Leider mit falschen Ansätzen. Die Hilfsleistungen vor Ort sind zu hoch, wenn man den deutschen Sozialhilfeempfänger zum Vergleich ansetzt.

Ronny M. 29.04.2015 - 09:17:36

Halbe Wahrheiten...

Die Busfahrer der Firma Homann und anderer Subis fahren aber nicht, weil sie mehr kundenfreundlich, wie andere sind.. oder besonders zufrieden mit Ihrem Gehalt, sondern weil man sich unorganisiert eben überhaupt nicht wehren kann... Sie haben schlichtweg Angst um ihren Arbeitsplatz.. Ich war selber mal dort zum Bewerbungsgespräch... wie das abgelaufen ist, möchte ich öffentlich nicht erzählen... nur soviel.. habe noch 3 Wochen danach noch schlecht geträumt und mich gefragt wie kann eine Person nur sowas von sich geben.. Es war nicht Herr Homann selbst.. Er hatte dafür damals noch "jemand"... Aber allein der Satz.. "zuerst die Firma, dann die Familie" war grausam !!! Ich bin zum Beispiel eigentlich froh und stolz bei der BMO zu arbeiten.. und mache meine Arbeit sehr gern... und mein persönlicher Protest richtet sich auch mehr gegen das Land, dass die Mittel für den ÖPNV zur Verfügung stellt... Die müssen das Geld für die zur Verfügung stellen, die Leistungen der Daseinsvorsorge erbringen.... Und es kann nun mal nicht richtig sein, dass man sich manchmal fragt.. speziell in den unteren Lohngruppen, warum man eigentlich arbeitet... Wenn der Lohn nur soviel über H4 liegt, dass man sich nur dass leisten kann, was einem zur Arbeit bringt !! Aber das wiederum ist auch nur soviel, dass man sich den Unterhalt für ein altes klappriges Auto leisten kann... eins abzahlen.. gar eine Neues... unmöglich !!! Aber auch die soviel verdienen, das man klarkommt in den oberen Lohngruppen... haben Recht Protest zu äußern... Nach dem Arbeitsleben kommt die Rente nach Stand aktuell muss man ca. 36000 € Brutto pro Jahr für ein vollen Rentenpunkt verdienen !!! Wer hat das ??? Wir sollen alles privat vorsorgen für die "Rentenlücke"... von was ?!?!?! Mache sich mal jeder die Mühe und rechne sich das mal aus !! Da gehen einem die Augen auf !!! Wir werden unseren Enkeln mal nichts zum Führerschein oder Auto dazugeben können... wir werden froh sein müssen satt zu sein, die Wohnung bezahlen zu können und wer Glück hat braucht vielleicht keine Grundsicherung zu beantragen !!! Mir fällt soviel ein... aber man kann nicht alles schreiben... Wie gesagt.. persönlich richtet sich mein Protest nicht gegen meine Firma, sondern gegen ein Land.. speziell gegen ein Bundesland, was soviel Geld in den Sand gesetzt hat und für seine Leute nix übrig hat und für ein Klima der Unzufriedenheit verantwortlich ist !!! Anstatt Leute zu ärgern würde ich lieber mit vielen Bussen nach Potsdam fahren.... und bisschen Lärm machen.. aber das gibt das Streikrecht nicht her..

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