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Rekord-Streik im Nahverkehr

Frank Groneberg / 05.05.2015, 06:27 Uhr
Frankfurt (MOZ) Der Streik der Bus- und Bahnfahrer geht heute in die zweite Woche. Am Montagabend demonstrierten mehrere Streikende vor dem Rathaus für ihre Forderungen.

Der Streik im Nahverkehr - er ist der längste, den es bei der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF) jemals gab. Seit einer Woche befinden sich Bus- und Bahnfahrer jetzt im unbefristeten Ausstand, zu dem die Gewerkschaft Ver.di aufgerufen hatte. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Nach MOZ-Informationen tagt am Mittwoch die Ver.di-Tarifkommission. Thema wird u. a. der Vorschlag sein, den aktuellen Tarifstreit durch eine Schlichtung zu lösen. Stimmt die Kommission dieser Lösung zu, könnten die Schlichtungsgespräche am Freitag beginnen und der Streik würde bis Donnerstagabend beendet - denn während einer Schlichtung gilt die sogenannte Friedenspflicht. Bislang lehnt Ver.di eine Schlichtung ab.

Die Unternehmensführung der SVF ruft ihre Fahrer unterdessen dazu auf, die Besetzung des Betriebshofes zu beenden. "Wir haben einen Dienstleistungsauftrag, den wir auch erfüllen müssen. Die Fahrgäste bezahlen dafür", sagte am Montag Geschäftsführer Wolfgang Worf. Er appellierte an die Streikenden, "mehr Fahrzeuge vom Hof zu lassen. Wir bekommen viele Anrufe, weil Kinder nach der Schule nicht nach Hause kommen oder ältere Menschen nicht zum Klinikum nach Markendorf fahren können", sagte er. Der Schülerverkehr am Morgen könne aber weiter abgesichert werden. Der Streik wirke sich mittlerweile auch deutlich auf die Einnahmen der SVF aus: "Wir merken seit Monatsbeginn, dass viele Leute erst mal keine neuen Monatskarten kaufen, sondern nur Einzelfahrscheine. Für uns sind das große Einnahmeverluste."

Die Belegschaft der SVF ist beim Thema Streik gespalten. Ein Grund dafür ist die Forderung Ver.dis nach Sonderleistungen in Form von Urlaubsgeld oder zusätzlichen Urlaubstagen nur für Gewerkschaftsmitglieder. Und immer mehr Mitarbeiter beenden für sich den Streik und melden sich zur Arbeit. "An den vergangenen Tagen haben mehrere Fahrer mir gegenüber erklärt, dass sie nicht mehr streiken und dass sie aus der Gewerkschaft austreten wollen", bestätigte Wolfgang Worf.

Inzwischen gibt es mehr arbeitswillige Fahrer als Fahrzeuge, die zur Verfügung stehen. Vor allem Straßenbahnen fehlen. Vier Bahnen sind seit dem Streikbeginn im Dauerbetrieb unterwegs, alle anderen werden auf dem Betriebshof festgehalten. Am Montag hatte die SVF-Führung den Streikenden einen Handel vorgeschlagen: Die Streikenden wollten einen Bus nutzen für die Fahrt zur Demonstration am Rathaus, die Unternehmensleitung sagte zu unter der Bedingung, dass im Gegenzug zwei Bahnen den Hof verlassen dürfen. Das lehnten die Streikenden ab. Seit Montagnachmittag ist auf der SVF-Internetseite ein Notfahrplan veröffentlicht.

Ver.di wirft der SVF-Führung vor, drei Fahrer, deren befristeter Arbeitsvertrag Ende Juni ausläuft, zum Abbruch des Streiks gedrängt zu haben. Alle drei - davon zwei Gewerkschaftsmitglieder - seien vergangene Woche zu Andreas Lorenz, Leiter Verkehr bei der SVF, bestellt worden, berichtete einer der Streikenden am Montag der MOZ. "Einer der drei hat mir erzählt, Herr Lorenz habe die befristeten Arbeitsverträge auf den Tisch gelegt, darauf hingewiesen, an welchem Tag die Verträge enden, und gesagt, sie sollten sich genau überlegen, wie sie sich verhalten", erzählte er. Da alle drei ihre Verträge verlängert haben möchten, hätten sie den Streik beendet. "Dieses Vorgehen ist gesetzwidrig und wäre ein Fall der Nötigung", betonte Gewerkschaftsmitglied Carsten Johst. SVF-Geschäftsführer Wolfgang Worf sagte zu den Vorwürfen: "Wir haben das ausgewertet und ich kann dazu nur sagen: Das stimmt nicht. Herr Lorenz hat mir gegenüber versichert, dass es solche Fälle nicht gibt. Bei uns wird niemandem gedroht, auch nicht indirekt."

Notfahrpläne: www.svf-ffo.de

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Petra Witt 05.05.2015 - 19:27:20

So....

http://www.welt.de/politik/deutschland/article124725652/Koalition-will-Diaeten-auf-ueber-9000-Euro-erhoehen.html ....erhöht man sich sein Monatseinkommen. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen und gerechte Löhne, die zum Leben und nicht nur zum Überleben reichen einfordern.

Petra Witt 05.05.2015 - 19:24:39

So....

http://www.welt.de/politik/deutschland/article124725652/Koalition-will-Diaeten-auf-ueber-9000-Euro-erhoehen.html ....erhöht man sich sein Monatseinkommen. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen und gerechte Löhne, die zum Leben und nicht nur zum Überleben reichen.

PIKO 05.05.2015 - 19:14:20

@Arbeiter

Sie vermitteln hier eine sehr überhebliche Haltung über ehemalige DDR-Bürger und wenn Sie ein Westdeutscher seien sollten, so erfüllen Sie mit dieser Meinung voll und ganz und zu Recht das Klischee eines "Wessis"und "Besser-Wessis". Da muß man sich für ehem. Mitbürger schon schämen. Ich war vor ein paar Wochen wieder mal in Oberfranken, einer Stadt von ca. 30000 Einwohnern, dort sieht die Beschäftigungssituation ähnlich elend aus und es werden mittlerweile zum Großteil nur noch die minimalsten Löhne gezahlt. Etliche Gaststätten und einige kleine Einzelhändler dort im Ort mussten bereits schließen weil es eine steigende Arbeitslosigkeit gibt, immer mehr Billig-Läden öffnen und ein Verwandter, der Schreinermeister ist, wurde vor 8 Monaten arbeitslos und findet seither keine neue Stelle mit einem ehemaligem Gehaltsniveau von ca. 2600€ netto. Er könnte jetzt mit 20jähriger Berufserfahrung mit ca. 2200€ brutto wieder einsteigen weil die Firma nicht mehr bezahlen könnte aber das ist ihm zu wenig. Also, früher sehr gut verdient, Häuschen angeschafft, Reisen gemacht, 2 PKW, 1 Motorrad, immer schicke Klamotten usw. und jetzt die große Not mit dem fehlenden Geld. Ja ihr "Wessis", hättet ihr mal in der Zeit gespart als es euch gut ging, dann hättet ihr jetzt nicht klagen müssen oder habt ihr geglaubt, Dank dieser ach so tollen sozialen Marktwirtschaft würde alles bis in Ewigkeit so weitergehen? "

Arbeiter 05.05.2015 - 18:38:05

@Piko

4000 € im Monat, dafür würde ich nicht mal den Wecker stellen, wenn ich studiert hätte. Ich habe meine Gesellenprüfung vor vier Jahren gemacht und bekomme lt. Tarif 4.120€ 13 mal im Jahr. Ihr hättet Euch im Osten mal nicht darauf verlassen sollen, dass man mit Wind und Sonne zu Wohlstand kommt. Mit nem Grashalm im Mundwinkel warten dass die Sonne scheint und der Wind weht und denken, dass das Arbeit ist.

Rainer 05.05.2015 - 18:20:09

Rekord-Streik im Nahverkehr

Lieber Andreas sollte es so sein, dass........., dann ist das gar nicht schlimm, denn das machen jetzt fast alle Firmen so. (Ironie aus) Gruß Rainer

PIKO 05.05.2015 - 17:51:38

Niedriglöhne vers. protzige Beamtenbezüge

Manche Menschen in diesem Land sind der Meinung, daß ihre üppigen Bezüge (auf Steuerzahlerkosten) viel zu niedrig seien und bemühen sogar das Verfassungsgericht um ihre "niedrigen" Löhne aufzubessern. Da reichen schon mal ca. 4000€ bruttto für einen ledigen und jungen 27jährigen Richter nicht aus um angemessen leben zu können. Das sind jedoch nur die untersten Gehaltsklassen im Beamtentum in dem viele Leute locker mal 4000-5000@ netto nach Hause tragen und dann ist es immer noch nicht genug. Die Diskussionsrunde bei G.Jauch am Sonntagabend hat wieder einmal verdeutlicht, daß in diesen Talk-Runden Leute mit üppigen Bezügen auf Staatskosten, unverblümt der Masse der Arbeitenden höhere Löhne absprechen. Besonders sinnig und erhellend die Feststellung von G.Jauch: (sinngemäß)...aber wenn die Kindergärtnerin mehr Lohn erhält, dann enstehen der Allgemeinheit auch höhere Kosten und der Elternanteil würde ja auch steigen... Stimmt Herr Jauch, auch Ihre sehr hohen Bezüge vom ÖR haben dazu geführt daß alle Menschen in diesem Land, egal ob TV,Radio usw. vorhanden oder nicht, GEZ bezahlen müssen und Sie weiterhin gut bezahlt, Ihre scheinbare Betroffenheit mit den üblichen Verdächtigen in Talk-Runden ausleben können. Wenn überall angemessene Löhne gezahlt und öffentliche Gelder nicht so verschwendet würden, könnte davon auch eine Kindergärtnerin o.a. angemessen entlohnt werden. Die Diskussion über gerechte/angemessene Löhne wird leider immer einigen wenigen zum Ziel verhelfen, der Rest bleibt auf der Strecke aber vielleicht ist es politisch so gewollt.

Mit dabei! 05.05.2015 - 15:15:28

Volle Unterstützung

Die Niedriglohnpolitik in Brandenburg und auch besonders in Frankfurt (Oder), ist unter der Gürtellinie. Es ist kein Wunder, dass in den Einkaufscentern die Verkaufseinrichtungen leer stehen. Oder teilweise die Billiganbieter fast das gesamte HEP-Center beherrschen. Bei den Mieten, den Betriebskosten und auch beim Kraftstoff haben wir Westniveau. Bei den Löhnen in vielen Branchen sind Frankfurt (Oder) und Umgebung ein "Billiglohnland". Dagegen gilt es auf die Straße zu gehen. Es geht nicht, dass das Management in den Unternehmen sich gegenseitig die Löhne erhöht, die Karossen und die Häuser immer nobler werden und der Busfahrer sehen muss, wie er über die Runden kommt.

Öffentlichkeit 05.05.2015 - 11:07:18

und noch was

Wo bleibt die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber gegenüber ihren Angestellten? Wo machen sie aufmerksam auf die finanzielle Notlage in ihren Unternehmen? Wo bleibt der Aufschrei, anstatt alle Kosten immer nur auf das Personal abzuwälzen? Wird es nicht Zeit, diese aus dem Mittelalter stammenden Zeitgenossen (welche alle zu DDR-Zeiten studieren durften) zu entsorgen, damit sie mal wissen, wie es sich mit 1150 Euro so lebt?

Tina Wallraff 05.05.2015 - 10:54:17

@LEW

Wissen Sie was die Arbeitgeber an Ihre Arbeitgeberverbände abdrücken? Selbstverständlich aus Fahrpreisen! Katharina Reiche war denen nicht teuer genug. das sich Arbeitgeber bestens vernetzen, Lobbyisten bezahlen und die "Gegenseite" unorganisiert halten möchten, ist Ihnen wohl nicht bekannt? Lassen Sie sich doch nicht auf jede schäbige Meinungsmanipulation ein.

manuel drescher 05.05.2015 - 10:49:11

@LEW

Falls Sie berechtigte Lohnsteigerungen, nicht nur Aktionäre erwarten "Wachstum" bei steigenden Kosten, selbst haben, gehen Sie auch streiken. Arbeitskraft wird in der Marktwirtschaft verkauft. Preise werden ausgehandelt. Wenn Menschen nicht mehr bereit sind, Ihre Arbeitskraft unter Wert zu verkaufen, dann enthalten Sie diese dem Käufer so lange, bis dieser bereit ist den angemessenen preis zu bezahlen. Selbstverständlich kann er auf die Leistung verzichten, jedoch nicht wie ein Sklavenhalter , diese einseitig einfordern. Verstanden? Wenn Sie sich gegen Dumpinglöhne, welche zu 55% für Miete und Betriebskosten weggehen , nicht wehren, dann ist es Ihre Angelegenheit.

Öffentlichkeit 05.05.2015 - 10:19:26

@LEW

Da kann man nur hoffen, dass LEW demnächst mal stolpert, weil ihn ein polnischer Facharbeiter unsanft aus seinen schwülstigen Früh-Feudalismus-Träumen mit Bremsversuchen aufweckt. Tatsächlich arbeiten über 80% für das Einstiegsgehalt. Nach 24 Jahren ist die Endstufe mit 2300 BRUTTO erreicht. 13 Stunden Dienstschichtlänge und Leute wie LEW als Fahrgast. Da wünscht man sich einen monatelangen Streik.

LEW 05.05.2015 - 09:45:54

Öffne mehr als nur die Augen....

dann wirst du zum sehen taugen. Das vorgeschobene Gehalt von 1.808 Euro, ohne Zulagen, gegenüber anderen Städten (Neubrandenburg) stellt, wie in vielen Branchen üblich, ein Anfangsgehalt dar. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Der größte Teil der Mitarbeiter ist aber längst über das Einstiegseinkommen hinausgewachsen. Man verschanzt sich aber zu gern dahinter. Hier wird Wein getrunken und Wasser gepredigt. Warum veröffentlicht man nicht das Endgehalt für langjährige Fahrer/Monteure einschl. durchschnittlicher Zulagen? Niemand wird gezwungen in Frankfurt zu arbeiten. Jeder hat freie Arbeitsplatzwahl. Alles muss, auch nach dem Streik, bezahlt werden. Bevor man die Fahrgäste erneut zu melken beginnt appelliere ich daran, das Streckennetz massiv auf den Prüfstand zu stellen. Ich könnte mir dabei vorstellen, u.a. die TRAM-Linien 3 und 5 ganz aus dem Verkehr zu nehmen und für letztere Strecke temporäre Umsteigemöglichkeiten im Zentrum zu ermöglichen. Studenten müssen sich eben auch an die Gegebenheiten anpassen. So benötigt die SVF-FFO keine neuen Bahnen, weniger Arbeitskräfte (!) in einer schrumpfenden Stadt. Auch die Wiedereinführung eines Kurzstrecken-Tarifs ist überlegenswert. Der Streik sollte sich nicht gegen die Fahrgäste richten. Das tut er aber längst. Vor allem trifft er Jugendliche und ältere Menschen. Hiervon sind besonders die mit einem Rollator betroffen. Wenn die Streikenden, durch Besetzung der Tore, schon keine weiteren Straßenbahnen herausgeben, so sollte wenigstens ein Austausch mit Niederflurbahnen erfolgen. Auch Streikende müssen mal ins Krankenhaus und werden mal alt. Die Streikfront bröckelt längst. Die Mitarbeiter gehen sich bereits selbst an die "Gurgel". Das gezahlte Streikgeld ist weniger als das Gehalt. Wir Fahrgäste müssen halt noch ein wenig die missliche Situation hinnehmen. Wenigstens gibt es seit gestern einen Notfallfahrplan. Seit Jahrzehnten predigen die Gewerkschaften gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nun buhlt eine massiv um neue Mitglieder und fordert einen Bonus für ihre Mitglieder. Sollen über die Fahrpreise nun die Gewerkschaftsmitglieder bezahlt werden? Unglaublich! Das Einstiegsgehalt der Mitarbeiter sollte durchaus deutlich angehoben werden. Für die langjährigen hingegen sind die angeboten 45 Euro im ersten und nochmals 45 Euro im darauf folgenden Jahr mehr als anständig. Noch ein Wort zur Freundlichkeit der Fahrzeugführer. An lang gezogenen Haltestellen (z.B. HEP Richtung Neuberesinchen) wird mal dort und mal dort angehalten. Einige fahren wie besengt, treten dann abrupt auf die Eisen. Andere sehen starr auf den Fahrplan, lassen heran laufende "im Regen stehen". An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Fahrerinnen und Fahrer bedanken, die in dieser schwierigen Zeit tatsächlich für ihre Fahrgäste da sind. Vielen Dank im Namen aller Frankfurter und Gäste dieser Stadt.

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