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Mehr als 30 der 46 Lokführer, die ab Frankfurt (Oder) die RE-Linien bedienen, beteiligen sich daran.

Frankfurter Lokführer stehen zum Streik

Fordern mehr als nur ein paar Prozente mehr Geld: Lokführer und Zugbegleiter der GDL-Ortsgruppe Frankfurt versammelten sich am Mittwoch vor dem Bahnhof. Seit Dienstag und voraussichtlich noch bis Sonntag befinden sie sich im Streik
Fordern mehr als nur ein paar Prozente mehr Geld: Lokführer und Zugbegleiter der GDL-Ortsgruppe Frankfurt versammelten sich am Mittwoch vor dem Bahnhof. Seit Dienstag und voraussichtlich noch bis Sonntag befinden sie sich im Streik © Foto: MOZ
Thomas Gutke / 06.05.2015, 23:34 Uhr - Aktualisiert 07.05.2015, 18:43
Frankfurt (MOZ) Mehr als 30 der 46 Lokführer, die ab Frankfurt (Oder) die RE-Linien nach Magdeburg und Cottbus bedienen, beteiligen sich derzeit an Arbeitsniederlegungen. Hinzu kommen einige Kundenbetreuer und Zugbegleiter. Die GDL-Ortsgruppe steht dabei geschlossen hinter den Forderungen ihrer Gewerkschaft.

Es ist der achte Streik im laufenden Tarifkonflikt zwischen der GDL und der Bahn. Und der bislang längste. Die vielen Berufs- und Uni-Pendler, die täglich die Regionalexpresslinien von und nach Frankfurt (Oder) nutzen, stellt das erneut vor große Probleme. Auch wenn über einen Ersatzfahrplan zumindest das Fortkommen in den Morgen- und Abendstunden abgesichert ist.

Doch: "Das Angebot der Bahn ist eine Mogelpackung", erklärt Jan Wenske, warum er den Streik für richtig hält. Der Frankfurter arbeitet seit 26 Jahren als Lokomitivführer. Am Mittwochvormittag stand er gemeinsam mit acht Gewerkschaftskollegen auf dem Bahnhofsvorplatz, um den Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen. Die Deutsche Bahn hatte zuletzt angeboten, das Entgelt zum 1. Juli 2015 um 3,2 Prozent und zwölf Monate darauf um weitere 1,5 Prozent zu erhöhen. Darüber hinaus sollte es eine Einmalzahlung von 1000 Euro geben, wobei 510 Euro davon bereits 2014 ausgezahlt wurden. Dennoch finden Jan Wenske und seine streikenden Kollegen: In den wesentlichen Punkten der Tarifauseinandersetzung hat sich der Arbeitgeber bislang nicht bewegt. Vielmehr sei man der Bahn sogar entgegengekommen "Wir wollen eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit, eine Begrenzung bei den Überstunden und einen Tarifabschluss für alle Berufsgruppen in der GDL", erklärt Jan Wenske. Auch die Einführung einer weiteren Entgeltstufe hält er für notwendig. "Viele Kollegen haben ihre letzte Lohngruppe längst erreicht. Es fehlt einfach die Perspektive." Die Lohnprozente seien das geringste Problem, meint er. Da gebe es durchaus Verhandlungsspielräume.

Das sieht auch Bernd Hohmann so. "Trotzdem werden wir in der Öffentlichkeit als raffgierig hingestellt", beklagt er sich. Bernd Hohmann ist Leiter der GDL-Ortsgruppe Frankfurt, die rund 170 Mitglieder hat. Darüber hinaus ist er Betriebsratsvorsitzender bei der DB Regio Berlin-Brandenburg. In dem festgefahrenen Tarifkonflikt kämpft er für Grundsätzliches, statt einfach nur um etwas mehr Geld: eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa, um den Job auch für Berufseinsteiger wieder attraktiver zu machen. Oder tarifliche Regelungen auch für Zugbegleiter, die bei der GDL organisiert sind. Er sagt: "Dass jetzt so lange gestreikt wird, ist doch nicht allein die Idee von Claus Weselsky, auch wenn er jetzt in den Medien als das Feindbild dargestellt wird. Der Druck kommt von der Basis, von uns. Wir haben das Gefühl: Der Arbeitgeber will gar keine Lösung, sondern er spielt auf Zeit."

Denn was in dem Konflikt immer stärker mitschwingt, ist die Debatte um ein geplantes Gesetz zur Tarifeinheit. Gibt es mehrere Gewerkschaften in einem Betrieb, die dieselbe Beschäftigtengruppe vertreten, soll künftig bei Konflikten nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten. So sieht es der Entwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vor. GDL und andere kleinere Gewerkschaften, deren Einfluss damit beschränkt werden soll, empfinden das als existenzielle Bedrohung. "Das spielt strategisch bei diesem Streik sicherlich auch eine Rolle", meint Bernd Hohmann.

Bedauerlich findet der 44-Jährige, dass die Kollegen, die bei der Konkurrenz, der EVG, oder gar nicht gewerkschaftlich organisiert sind, "jetzt den Kopf für vieles hinhalten müssen." Schließlich bekämen sie den Frust der Reisenden ab. "Dennoch ist es nicht so, dass das Klima unter den Kollegen vergiftet ist. Im Gegenteil", sagt Bernd Hohmann.

Auch gegenüber dem Arbeitgeber wolle man keine verbrannte Erde hinterlassen. Auf regionaler Ebene seien daher Regelungen ausgehandelt worden, um die Infrastruktur nicht zu gefährden. Das heißt: Die Züge werden teilweise auch von den GDL-ern während des Streiks betriebsbereit gehalten. Die Lokführer selbst könnten ebenso sofort wieder ihre Arbeit aufnehmen, sollte es zu einer vorzeitigen Schlichtung kommen. Entsprechend ihrem Dienstplan treffen sich die Streikenden jeden Tag in ihrem Streiklokal in Frankfurt. Sonst gebe es auch kein Streikgeld. Das decke den Verdienstausfall bei weitem nicht, wie Bernd Hohmann erklärt. "Ein bisschen Idealismus muss man also schon mitbringen."

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