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Denkmalgeschütztes Gebäude in Bad Saarow erhält neue Spitze / Investor aus Berlin eröffnet Mini-Hotel

Der alte Wasserturm wächst

13 Tonnen am Haken: Per Kran wird die sogenannte Designer-Lounge in 20 Meter Höhe und auf die Spitze des Bad Saarower Wasserturms gehievt.
13 Tonnen am Haken: Per Kran wird die sogenannte Designer-Lounge in 20 Meter Höhe und auf die Spitze des Bad Saarower Wasserturms gehievt. © Foto: MOZ
Bernhard Schwiete / 07.05.2015, 21:48 Uhr
Bad Saarow (MOZ) Der alte Wasserturm in Bad Saarow ist seit Donnerstag fünf Meter höher als zuvor. Per Kran erhielt er eine neue Spitze aus Stahlbeton. Sie wird Bestandteil eines neuen exklusiven Mini-Hotels, das dort laut Plan im Sommer eröffnet wird.

13 Tonnen wiegt das Teil, das am Donnerstag kurz nach 10 Uhr von einem riesigen Kran auf dem Grundstück in der Ulmenstraße in die Höhe gezogen wird. Es dauert wenige Minuten, da ist es an seinem Bestimmungsort angekommen. Etwas länger dauert es dann, bis es auf dem Wasserturm auch befestigt ist. Unten, zwischen dem alten Wasserwerk und dem Saarow-Centrum, haben zahlreiche Schaulustige das ungewöhnliche Spektakel verfolgt, gefilmt und fotografiert.

Eines der etwa 20 in die Denkmalliste eingetragenen Gebäude im Kurort sieht künftig damit anders aus als zuvor. Bauherr Tim Wittenbecher, der mit seiner Frau Heike in Berlin die Wasserwerk GbR betreibt, berichtet von unkomplizierten Gesprächen, die es im Vorfeld deswegen gegeben habe. "Sowohl die Obere als auch die Untere Denkmalbehörde waren sehr kooperativ", sagt er. Auch von den Zuschauern vor Ort gibt es ausschließlich zustimmende Kommentare, was das veränderte Aussehen des gut 100 Jahre alten und nun 25 Meter hohen Turmes betrifft.

Optisch wird sich die neue Spitze allerdings noch ein bisschen verändern. Das Stahlbeton-Teil erhält dreieinhalb Meter hohe Fenster und umlaufend verstellbare Sonnenpaneele. "Sie nehmen den Baukörper des alten Wassertanks wieder auf", sagt Heike Wittenbecher. Denn nicht immer sah der Turm so aus wie zuletzt gewohnt. Der alte Tank wurde bereits vor Jahrzehnten von der Spitze entfernt, nachdem er für die Funktion des Wasserwerks nicht mehr gebraucht wurde. Noch am Boden ist am Donnerstag ein Geländer für den umlaufenden Balkon montiert worden. Von dort und durch die Fenster der sogenannten Designer-Lounge bietet sich nach Fertigstellung ein weiter Ausblick über den Scharmützelsee und auch in alle anderen Richtungen.

Das gehört zum Konzept, mit dem Heike und Tim Wittenbecher arbeiten. Im Wasserturm entsteht ein Mini-Hotel für zwei Personen. Auch im Innern des Turms wurde dafür bereits gearbeitet. Es wurden drei Ebenen eingesetzt, die über lange gewundene Treppen miteinander verbunden sind. Im Erdgeschoss gibt es künftig ein kleines Spa mit Whirlpool. Darüber folgt die Schlafebene mit einem runden Bett, im zweiten Obergeschoss ein Wohnbereich mit schwebendem Kamin. Ganz oben schließlich kommt dann die Lounge. Außen ist der Turm derzeit noch von einem Gerüst umgeben. "Wir haben ihn komplett neu verfugen lassen. Das alte Material war 100 Jahre alt", sagt Tim Wittenbecher. Im August, so das sportliche Ziel, soll innen und außen alles fertig sein.

Wer dann einen Tag und eine Nacht im Wasserturm verbringen will, ist für 290 Euro dabei. Dass das Angebot angenommen wird, daran hegt der Bauherr und Betreiber nicht die geringsten Zweifel. Er verweist auf zwei vergleichbare Projekte, mit denen er bereits auf dem Markt ist. Sie befinden sich in ehemaligen Lotsenturm in Karnin auf Usedom und in einem früheren Leuchtturm in Dagebüll an der Nordsee. "Wir sind dort 365 Tage im Jahr ausgebucht, und das bis auf zwei Jahre im Voraus", sagt Tim Wittenbecher. Die Hälfte seiner Gäste reise aus einer Entfernung von mehr als 500 Kilometern an. Anfragen gebe es oft auch aus dem Ausland.

Die mehr als 1000 Interessenten auf seiner Warteliste hat er bereits über das neue Projekt in Bad Saarow informiert. "Auf die Geschäftsidee bin ich gekommen, nachdem ich selber einmal in Irland in einem Turm übernachtet habe", erzählt Tim Wittenbecher. Vom neuen Angebot profitiert seiner Ansicht nach auch die Gemeinde Bad Saarow. "Durch zwei Touristen mehr am Tag wird sie nicht reich, aber es ist ein Angebot, mit dem man werben kann", sagt er.

Gebaut wird unterdessen auch in den anderen Gebäuden des ehemaligen Wasserwerks, das der Wasser- und Abwasserzweckverband Scharmützelsee-Storkow (WAS) an die neuen Nutzer verkauft hatte. Ein Geschäftspartner der Wasserwerk GbR lässt darin vier Ferienwohnungen errichten, darunter zwei Lofts im Stil von Industriearchitektur, wie Tim Wittenbecher sagt. Sie sollen Ende des Jahres fertig werden. "Bad Saarow Lakeside Hideaway" (etwa: Versteck am Seeufer) nennt sich die gesamte Anlage dann.

Die Investitionssumme für das gesamte Objekt beziffert der Bauherr auf knapp zwei Millionen Euro. Der WAS hatte seinen Verkaufspreis für das gesamte Areal im vergangenen Jahr mit ungefähr 300000 Euro angegeben.

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