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Bernauer Fraktion der Linken unterstützt ADFC-Vorschlag zur Gründung einer Arbeitsgruppe Radverkehr

Auf dem Weg zur Fahrradstadt

Gut genutzt: das Fahrradparkhaus am Bernauer Bahnhof. Es ist bislang das einzige seiner Art im Land Brandenburg - und nach einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs ein Plus für die Stadt.
Gut genutzt: das Fahrradparkhaus am Bernauer Bahnhof. Es ist bislang das einzige seiner Art im Land Brandenburg - und nach einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs ein Plus für die Stadt. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 08.05.2015, 04:45 Uhr
Bernau (MOZ) Der Rad- und Busverkehr stand im Mittelpunkt einer Diskussionsrunde, zu der die Fraktion der Linken am Mittwochabend eingeladen hatte. An die 50 interessierte Bernauer kamen, darunter viele Einwohner aus den Ortsteilen.

Es hatte seinen Grund, warum sowohl die Barnimer Busgesellschaft als auch die Kreisverwaltung darauf verzichteten, einen Vertreter zu dieser Runde zu schicken. Beide begründeten die Abwesenheit mit dem Streik im Öffentlichen Personennahverkehr. So war Dietmar Risto von der im Herbst 2014 gegründeten Ortsgruppe Bernau des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) allein auf weiter Flur - und auch wieder nicht. Denn in dem Vize-Fraktionsvorsitzen Christian Rehmer und auch in vielen anderen, die in den Awo-Treff gekommen waren, hatte er passionierte Radfahrer an seiner Seite. Ristos Ziel ist klar: Er wirbt für eine "Fahrradstadt Bernau". Er sei nicht der Meinung, dass in Bernau alles schlecht sei, sagt er, "aber es gibt noch viel Luft nach oben".

Nach einer Umfrage, die der ADFC in unregelmäßigen Abständen alle paar Jahre startet und an der sich 2014 rund 80 Bernauer beteiligten, werden das Fahrradparkhaus am Bahnhof, der Radweg zum Gorinsee und der Fernradweg Berlin-Usedom als Stärken der Stadt benannt. Das war es dann aber auch schon mit den positiven Punkten. "Der Radverkehr in Bernau findet fast ausschließlich auf Fußwegen statt. Das ist keine Lösung für die Zukunft. Die Möglichkeit, von A nach B zu kommen, ist völlig unbefriedigend", stellt Dietmar Risto fest. Und nennt auch gleich eine Reihe von Negativ-Beispielen in der Innenstadt. Seine Forderungen: die Öffnung der Einbahnstraßen für Radfahrer, einen Radweg nach Schwanebeck, Radwege in alle Ortsteile, neue Regelungen für Radfahrer in Kreisverkehren und bessere Parkmöglichkeiten für Zweiräder. "Die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Radverkehr ist unumgänglich", sagt der ADFC-Mann.

Bei den Linken rennt er damit offene Türen ein. Fraktionschefin Dagmar Enkelmann wünscht sich ein "fahrradfreundliches Bernau". Die Einrichtung der Arbeitsgruppe sei dringend notwendig, findet auch sie. "Diese sollte sich zeitnah konstituieren und Lösungsvorschläge zur Verbesserung des Radverkehrs erarbeiten."

Für den Bündnisgrünen Klaus Labod, ebenfalls ein passionierter Radfahrer, fehlt in Bernau "eine Radverkehrskonzeption". Er wünscht sich, "dass man von jedem Ort der Stadt gefahrlos zum anderen Ort kommt - auch zu den Bahnhöfen. In Anlehnung an längst übliche Verkehrswegebedarfspläne sollte ein Radwegebedarfsplan aufgestellt werden, "und daraus ist dann ein politisches Programm zu entwickeln", sagt der Stadtverordnete. Hildegard Bossmann (Linke) widerspricht: "Eine Bedarfsplanung brauchen wir nicht. Der Bedarf ist da. Die vorhandenen Verkehrsflächen müssen anders eingeteilt werden, so dass sie für alle nutzbar sind". Auch andere Teilnehmer der Diskussion sprechen sich dafür aus, bestimmte Probleme nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern kurzfristig zu lösen. So kritisieren mehrere Einwohner aus Eichwerder, dass der Stadtteil an der Grenze zu Zepernick von Bernau "abgehangen" wurde. Eine Busverbindung gebe es nicht mehr, einen Radweg auch nicht. Und entlang der Zepernicker Chaussee zu fahren, sei "kreuzgefährlich". Ähnliche Klagen kommen aus Birkenhöhe, Birkholz und Birkholzaue. Die Busverbindungen nach Bernau sind mehr als schlecht, und wer auf das Rad umsteigt, lebt auf den viel befahrenen Landstraßen gefährlich. Immerhin: Für den Radweg zwischen Bernau und Birkholzaue geht die Stadt Bernau in Vorleistung. "Wir nehmen die Planung in Angriff", erklärt Norbert Hollmann, sachkundiger Einwohner der Linken im Stadtentwicklungsausschuss. Eigentlich wäre das Sache des Landes, aber dem fehlt bekanntlich das Geld.

"Kurzfristige Lösungen sollten unabhängig von der Arbeitsgruppe zeitnah realisiert werden. Um Bernau zu einer fahrradfreundlichen Stadt zu machen,brauchen wir aber einen mittelfristigen Ansatz und einen Radverkehrsplan. Darauf sollten sich unserer Ansicht nach alle Fraktionen verständigen und die Arbeitsgruppe gründen, ist Dagmar Enkelmann überzeugt.

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