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Apple schafft Geld heim

Und noch eins ... Apple-Chef Tim Cook will Milliarden Dollar investieren und neue Jobs anbieten.
Und noch eins ... Apple-Chef Tim Cook will Milliarden Dollar investieren und neue Jobs anbieten. © Foto: dpa/Marcio Jose Sanchez
Dieter Keller / 18.01.2018, 21:00 Uhr
Cupertino (MOZ) Der Computerriese Apple nutzt Donald Trumps US-Steuerreform, um Milliarden aus dem Ausland zurückzuholen.

Es ist wohl die größte Steuerzahlung aller Zeiten in den USA: Apple will 38 Milliarden Dollar (31 Mrd. Euro) an den Staat überweisen. Für den Computerriesen ist es ein gutes Geschäft: Er schafft Riesengewinne vergangener Jahre in die Vereinigten Staaten zurück, kann sie dort investieren und spart dabei jede Menge Steuern.

Wo kommt das Geld her?

US-Unternehmen müssen auf Auslandsgewinne erst Steuern bezahlen, wenn das Geld in die USA überwiesen wird. Apple hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben Gewinne von 252 Mrd. Dollar (207 Mrd. Euro) außerhalb der USA angesammelt. In den USA hätte der Konzern bisher 35 Prozent Steuern auf Bundesebene und weitere etwa fünf Prozent in den Bundesstaaten zahlen müssen. Um das zu vermeiden, hatte er einen Großteil des Geldes in Irland geparkt. Wie viel genau er jetzt zurückholt, ist noch nicht bekannt; in jedem Fall ist es der größte Teil. Ende September hatte Apple Geldreserven von 269 Mrd. Dollar. Davon befanden sich 94 Prozent außerhalb der USA.

Warum holt Apple die Milliarden zurück?

Der Konzern regiert auf die neuen US-Steuergesetze. Mit der auf Initiative von US-Präsident Donald Trump beschlossenen Reform sanken die Steuersätze auf 15,5 Prozent für Bargeld und 8 Prozent für weniger flüssige Mittel. Die Steuerzahlungen können über acht Jahre gestreckt werden. „Ein riesiger Sieg für amerikanische Beschäftigte und die USA!“, schrieb Trump prompt auf Twitter.

Was passiert mit dem Geld?

Grob geschätzt bleiben etwa 200 Mrd. Dollar nach der Steuerzahlung mindestens übrig. Apple will in den kommenden fünf Jahren 30 Mrd. Dollar in den USA investieren. Offen ist, ob darin auch Mittel enthalten sind, die bisher schon geplant waren. Gut ein Drittel der neuen Summe soll in Rechenzentren in den USA fließen. Zudem will Apple einen neuen Campus für seine Mitarbeiter bauen. An bereits existierenden Standorten sollen 20 000 neue Jobs geschaffen werden. Ende 2016 hatte Apple in den USA über 80 000 Mitarbeiter. Sie sollen als Bonus Aktienoptionen im Wert von 2500 Dollar erhalten. Außerdem gehen Analysten davon aus, dass der Konzern einen Teil der Reserven an die Aktionäre ausschüttet oder für Aktienrückkäufe nutzt.

Produziert Apple künftig in den USA?

Interessanterweise ist von eigenen Fertigungsstätten nicht die Rede. Die meisten Produkte wie das iPhone werden im Ausland hergestellt. Im Wahlkampf hatte Trump deswegen Apple-Chef Tim Cook mit Einfuhrzöllen gedroht. Davon ist jetzt nichts mehr zu hören.

Was passiert mit der Steuernachzahlung in Irland?

Das ist eine der ungelösten Frage. Die EU-Kommission hatte Irland aufgefordert, von Apple Steuernachzahlungen von 13 Mrd. Euro zu verlangen. Dort war ein großer Teil der Auslandsgewinne gelandet, aber das Land hatte keine Steuern erhoben. Die EU-Kommission hält dies für Wettbewerbsverzerrung und verlangt Steuernachzahlungen. Konzern und Irland wehren sich dagegen.

Welche Reaktionen gibt es in Deutschland?

Das Bundesfinanzministerium wollte sich nicht zum Einzelfall äußern. Die Bundesregierung setze sich generell dafür ein, dass Gewinne dort besteuert werden, wo die unternehmerische Tätigkeit und die wirtschaftliche Wertschöpfung angesiedelt seien. Der Bundesverband der Deutschen Industrie wiederholte seine Forderung nach einer Steuerstrukturreform.

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