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Tierischer Wasserspender

Jörg Engelhardt bei der Arbeit am zentralen Hauptblock des Brunnens mit zwei Bären, einem Huhn und dem Wasserauslauf.
Jörg Engelhardt bei der Arbeit am zentralen Hauptblock des Brunnens mit zwei Bären, einem Huhn und dem Wasserauslauf. © Foto: Andreas Karpe-Gora
Stephanie Lubasch / 08.05.2015, 20:05 Uhr
Eichwerder/Bernau (MOZ) Pfau, Hase, Bär, Vogel, Stier und Schafe - ein Tier jeweils als Symbol für Bernau und seine Ortsteile, dazu eine Katze als Wanderer zwischen den Orten sowie ein Clown, der für das in der Stadt traditionsreiche Hussitenfest steht. Dazu acht unterschiedlich große Sandsteinblöcke, die den Figuren zum Teil als Sockel dienen. So wird er aussehen, der Brunnen, der demnächst den Bernauer Marktplatz schmücken soll. Bis dahin drängen sich die Bronze-Tiere noch im Atelier des Bildhauers Jörg Engelhardt in Jäckelsbruch bei Wriezen (Märkisch-Oderland).

Lediglich "Kleinkram" sei noch zu tun, sagt der 37-Jährige. Ein paar Sachen zum Beispiel müsse er noch patinieren. Anderes kann später erst vor Ort zu Ende gebracht werden, wenn die Bronzen an die Steine angepasst werden. Wie das aussehen wird, demonstriert Engelhardt auf dem Platz neben dem Atelier schon mal am Beispiel des Wasserlaufes: ein schmaler Spalt im Stein, aus dem später über ein klassisches Brunnenrohr das Wasser austreten soll. Gleich darüber hat der Künstler das Huhn platziert.

Gegen sechs Mitbewerber konnte sich Engelhardt mit seinem Brunnenentwurf durchsetzen. Was ihn um so mehr freut, da sein Vater, der im vergangenen Jahr gestorbene Bildhauer Horst Engelhardt, die ebenfalls auf dem Bernauer Marktplatz stehende Stadtsäule gestaltet hat. "Er war damals 36Jahre alt, fast genauso alt wie ich jetzt, und es war seine erste Arbeit im öffentlichen Raum." Für seinen Sohn wird es nun der erste Brunnen sein.

Am längsten gebraucht hat er, wie er sagt, für den großen Bären, der mit anderen Artgenossen ebenfalls auf dem Wasserlauf Platz finden soll. "Ich habe ihn entworfen, dann wieder zersägt, dann wieder neu angefangen ..." Am schnellsten dagegen sei ihm der Hase geglückt. Anders als sonst hat Engelhardt die Bronzen dieses Mal allerdings nicht selbst gegossen, sondern ist in die Kunstgießerei von Wilfried Hann in Wegendorf bei Strausberg ausgewichen. "Sonst hätte meine Familie gar nichts mehr von mir gehabt."

Vor zwei Jahren ist er mit seiner Freundin und den beiden Kindern von Eberswalde nach Bernau gezogen. Das Atelier in Jäckelsbruch aufzugeben, stand dabei nie zur Debatte. Fast jeden Tag pendelt er nun, versucht, die Zeit, die ihm zum Arbeiten bleibt, optimal auszunutzen. Ein Grund vielleicht, warum er derzeit auch nicht so sehr an Ausstellungen interessiert ist. Lieber steckt Engelhardt seine Kraft direkt in die Kunst. Sein Thema Nummer eins ist dabei nach wie vor der Affe.

Zuletzt vor allem aus Holz geschlagen oder gesägt, bannt er ihn neuerdings auch gern auf die Leinwand. Vor knallig gelbem Hintergrund reißt da ein Exemplar ungeniert das Maul auf; andere Tiere hat er mit Farbe auf Restholz vom Bau gesprüht. Draußen vor dem Atelier wiederum wartet ein weiteres neues Betätigungsfeld: der Stein. Auch wenn die meisten dieser Skulpturen noch nicht fertig sind - "das ist eine knallharte Arbeit": Engelhardt will auf jeden Fall an diesem Material "dranbleiben".

Der Bildhauer, der sein Diplom in Bremen gemacht hat und dort Meisterschüler war, bevor er nach Brandenburg zurückgekehrt ist, ist zufrieden mit seinem Start in der Heimat. "In Bremen hätte das nicht so gut funktioniert", glaubt er. Da gebe es zu viel Konkurrenz.

Im Herbst will Engelhardt an einem Symposium in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) teilnehmen; sein Kollege Rainer Ehrt hat ihn eingeladen. Und auch um den Brandenburgischen Kunstpreis hat sich Engelhardt in diesem Jahr wieder beworben. Der Bernauer Brunnen wiederum soll, wie es unlängst von der Stadt hieß, auf alle Fälle noch vor dem Hussitenfest im Juni seinen Platz auf dem Marktplatz finden.

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