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Seit 1999 ist sie dem Verfall preisgegeben. Im Herbst sollen die Arbeiten beginnen.

Aus alter Bürgerschule wird Stadtarchiv

Treppe am Schuleingang: Viele Interessierte schauten sich am Sonnabend das Innere der alten Bürgerschule an.
Treppe am Schuleingang: Viele Interessierte schauten sich am Sonnabend das Innere der alten Bürgerschule an. © Foto: MOZ
Thomas Gutke / 11.05.2015, 06:50 Uhr - Aktualisiert 11.05.2015, 17:24
Frankfurt (MOZ) Seit 1999 ist sie dem Verfall preisgegeben, bald zieht wieder Leben ein. Die alte Bürgerschule am Lennépark wird saniert und künftig als Stadtarchiv genutzt. Im Herbst sollen die Arbeiten beginnen. Einblicke in das Haus gab es am Sonnabend beim Tag der Städtebauförderung.

Generationen von Frankfurtern gingen hier ein und aus. Das 1861 errichtete Gebäude am Rand des Lennéparks war zunächst Bürger- und Gewerbeschule, diente dann als Knaben- und später Mädchen-Mittelschule. Mit Kriegsende befand sich dort ein Heimkehrerlazarett, ehe das Haus ab 1951 wieder als Schule genutzt wurde - zuletzt durch das städtische Gymnasium.

Seit Ende der 1990er stand die alte Bürgerschule leer. Und nur selten verirrten sich Besucher hinein - bis zum Sonnabend. Zum Tag der Städtebauförderung öffnete die Verwaltung die Türen des Baudenkmals. Denn die frühere Bürgerschule soll in den nächsten Jahren saniert werden. Einziehen wird dann das Stadtarchiv. Möglich machen das: Finanzhilfen in Höhe von mehr als 4 Millionen Euro aus der Städtebauförderung.

Viele nutzten die Gelegenheit, um vor dem Umbau noch einmal einen Blick in das morbide Innere des Gebäude zu werfen. Einige hatten sogar alte Klassenfotos mit dabei. Zugänglich war lediglich die erste Etage, die Treppe hinauf blieb aus Sicherheitsgründen gesperrt.

"An dem Gebäude sieht man: Leerstand ist der Beginn des Verfalls", erklärte Sabine Thierbach von der Abteilung Stadtplanung. Tatsächlich blättert in den Fluren und Räumen viel Farbe und Putz von Wänden und Decken, überall liegen Staub und Dreck. Durch mit Spanplatten abgesicherte Fenster haben sich Äste und Blätter ihren Weg gebahnt. Bemerkenswert: in einem Klassenzimmer hängen noch Plakate aus dem Deutschunterricht von einst, darunter eines von den Kleist-Festtagen 1995.

Die alten Plakate wirken fast wie ein kleiner Willkommensgruß für das Stadtarchiv, das dort bald einziehen soll. Die Idee dazu gab es schon lange. Daran erinnerte der Baubeigeordnete Markus Derling (CDU). "Und es ist eine gute und richtige Idee. Das Gebäude hat schon einiges erlebt und es wird mit dem Stadtarchiv eine Zukunft haben." Die Gesamtinvestitionssumme betrage 5,5 Millionen Euro. Die ersten Ausschreibungen laufen. Im Herbst könnten die Arbeiten beginnen - wenn denn der Haushalt bis dahin beschlossen ist.

Die Pläne jedenfalls sind vielversprechend. Sabine Thierbach: "Die untere Etage soll öffentlich genutzt werden. Mit Lesesälen, Verwaltungs- und Vortragsräumen. Im oberen Bereich wird es Büroräume und vor allem die Magazine geben, in denen die Materialien lagern." Auch der Außenbereich werde umgestaltet, "so dass man sich hinsetzen, erholen oder etwas lesen kann".

Das Projekt ist eingebettet in die umfangreiche Umgestaltung des Quartiers Wollenweberstraße - gegenwärtig eines der wichtigsten städtebaulichen Vorhaben in der Innenstadt. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Stadt, Wohnungswirtschaft und Land fließen 23 Millionen Euro in das gesamte Sanierungsgebiet. Mit dem Geld werden die Wohnquartiere erheblich aufgewertet und auch die Wege zwischen Magistrale und Lennépark für die Öffentlichkeit besser erschlossen. Zusätzlich erfolgen die Sanierung der Bürgerschule und von Teilen der Kita Hilde Coppi. Über den Stand der Arbeiten und Planungen informierte die Bauverwaltung bei einem Rundgang, der an der Bürgerschule startete.

Der Tag der Städtebauförderung ist eine Initiative von Bund, Ländern, deutschem Städtetag sowie deutschem Städte- und Gemeindebund. Er soll die aus vielfältigen Programmen finanzierten Projekte zur Stadtentwicklung in der Öffentlichkeit bekannter machen.

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Marco Habeck 12.05.2015 - 20:04:48

Naja auch Frankfurt hat solche Künstler in der Verwaltung

http://www1.wdr.de/themen/archiv/sp_blbaffaere/blbaffaere130.html so unbegründet ist der Hinweis nicht.

PIKO 12.05.2015 - 18:55:17

Noch so ein wichtiger Kommentar

Mensch Frau Neumann, gut daß Sie darauf hingewiesen haben aber vielleicht bieten Sie Ihr Fachwissen dazu an denn Sie glauben wohl nicht an Kompetenz in der Stadtverwaltung....

Bärbel Neumann 12.05.2015 - 18:46:45

Hoffnung auf feste Decken und Fußböden

Bei aller Euphorie hier meine kritische Bemerkung: Ich hoffe doch, dass die verantwortlichen Umbau- und Sanierungs-Architekten daran gedacht haben, die Fußböden mit neuen Trägern zu stabilisieren. Immerhin lagert das Stadtarchiv nach der Gebäude-Sanierung mehrere Tonnen Archivgut ins neue Domizil ein. Die alten Deckenbalken sind diesen neuen Anforderungen garantiert nicht gewachsen ...

Ruth-Helene Kelberstein 11.05.2015 - 16:24:22

Feine Sache

Es kann nur begrüßt werden, dass dieses alte Schulgebäude vor dem Verfall gerettet wird. Egal mit welchen Abschlüssen und Bildungsergebnissen, dieses Haus war ein Haus der Lehrer und Schüler. Nun wird durch die Sanierung auch der Lennepark aufgewertet und die Rosa-Luxemburg-Straße erhält hin zur Karl-Marx-Straße einen würdigen Abschluss. Man kann nur hoffen, dass die angesetzten DDR-Neubauten sehr schnell entsorgt werden und die Wollenweberstraße hier einen schönen Eingang erhält. So langsam scheint der Stadtumbau in Frankfurt (Oder) in Fahrt zu kommen. Mit der Wohnanlage Wollenweberstraße und der sanierten Bürgerschule wird die Innenstadt von Frankfurt (Oder) aufgewertet. Eine gute Tat von der WoWi GmbH und der Stadtverwaltung. Doch leider singt in diesem Chor die Wohnbau Genossenschaft in der Innenstadt nicht mit. Die Kleine Oderstraße zur Slubicer Straße hin und die Große Scharrnstraße entwickeln sich immer mehr zum verkommenen Teil von Frankfurt (Oder). Je mehr die WoWi GmbH hier Aktivitäten entwickelt, desto größer wird der Kontrast zur Wohnbau Genossenschaft im Frankfurter Zentrum. Da helfen auch keine bepflanzten Blumenkübel durch die Wohnbau Genossenschaft in der Großen Scharrnstrasse.

Ursula 11.05.2015 - 13:26:05

Gute Perspektive für das Gebäude

Zu DDR-Zeiten hatte diese Schule nicht den besten Ruf, denn es war ja die sogenannte "Hippi-Schule" Heute würde sich wohl niemand mehr über einen Hilfs- und Förderschule lustig machen. Nachdem die Musikschule vom Gebäude der EOS "Karl-Liebknecht"Anfang der 60er Jahre in die Lessingschule umzog, war ich baff: Eine Schule mit Holztreppen und in jedem Klassenzimmer und auch in der Aula ein Kachelofen - so etwas hatte ich noch nie gesehen. Das war aber das geringste Übel - viel schlimmer war, ging ich nur zur Notenlehre ohne Instrument dorthin, dass ich immer das beklemmende Gefühl hatte, dass mich jemand für einen Hilfsschüler halten könnte. Das hatte sich dann aber gelegt. Spannend waren die Jahre trotzdem, denn dadurch konnte ich das Entstehen der Magistrale mitverfolgen. Eigentlich schade, als dann die Musikschule 1965 ein eigenes Gebäude in der Rudolf-Breitscheid-Straße bezog. Ich hatte mich so an das Schulgebäude gewöhnt. Schön, dass nun der Verfall gestoppt und alles wieder saniert wird.

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