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Parteivorstand will alte Strecken rund um Berlin untersuchen lassen / CDU fordert Mobilitätskonzept

SPD stellt Weichen im Speckgürtel

© Foto: Sergej Scheibe
Ulrich Thiessen / 11.05.2015, 20:18 Uhr
Potsdam (MOZ) Jahrelang wurde vom SPD-geführten Verkehrsministerium jede Diskussion um einen Ausbau der S-Bahnen im Speckgürtel mit dem Hinweis auf fehlendes Geld abgewürgt. Nun hat der Parteivorstand beschlossen, alle denkbaren Varianten neu zu diskutieren.

Der Arbeitskreis Verkehr der SPD ist mit seinen Forderungen, den öffentlichen Nahverkehr im Berliner Umland auszubauen jahrelang immer wieder abgeblitzt. Das Augenmerk der Regierungspartei lag stets auf den Strecken, die die entfernteren Regionen mit Berlin verbinden. Schon im Koalitionsvertrag von Rot-Rot im vergangenen Herbst hatte sich ein Umdenken angedeutet.

Der Vorstandsbeschluss stellt nun konkrete Forderungen auf. Ältere Nutzen-Kosten-Untersuchungen des Verkehrsministeriums, die meist zu dem Schluss kamen, dass der Ausbau der S-Bahnen unrentabel sei, sollen neu angestellt und dabei auch das aktuelle Bevölkerungswachstum in der Hauptstadtregion mit berücksichtigt werden.

Entscheidungen werden eingefordert für die Verbindung Spandau-Falkensee-Nauen. Berlin wünscht sich eine S-Bahn-Verlängerung bis nach Falkensee, in Potsdam setzte man bislang auf Regionalverkehr. Auch für den Prignitzexpress soll eine Grundsatzentscheidung getroffen werden. Der fährt zur Zeit nach Hennigsdorf, wo Fahrgäste aus Neuruppin in die S-Bahn umsteigen müssen, wenn sie nicht den Umweg über Berlin-Spandau in Kauf nehmen wollen. Der Nordwesten Brandenburgs plädiert für eine direkte Durchbindung des Zuges von Hennigsdorf nach Berlin-Gesundbrunnen. In Velten dagegen wird die Verlängerung der Hennigsdorfer S-Bahn verlangt. Beide Vorhaben ließen sich nicht auf der derzeitigen Trasse realisieren.

Gemeinsam mit Berlin soll außerdem entschieden werden, ob die sogenannte Heidekrautbahn aus Basdorf auf der alten, stillgelegten Strecke über Wilhelmsruh wieder ins Berliner Zentrum geleitet werden kann. Auch die Reaktivierung der Nordbahn soll auf den Prüfstand. Diese ebenfalls zur Zeit nicht genutzte Trasse stellt die schnellste Bahnverbindung zwischen Gesundbrunnen und Birkenwerder dar.

Richtung Süden wünscht Rangsdorf, dass sein früherer S-Bahnanschluss reaktiviert wird. Im Südwesten soll die stillgelegte sogenannte Stammbahn vom Potsdamer Platz über Zehlendorf, Kleinmachnow nach Potsdam neu untersucht werden. In der Region selbst wird jedoch die Verlängerung der S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf und eine Weiterführung über Dreilinden nach Berlin-Wannsee favorisiert. Auch wenn nicht alles gleichzeitig zu erreichen sei, soll auf jeden Fall die Entwidmung noch bestehender Trassen verhindert werden.

Nur durch eine attraktive Bahnanbindung auch in die Städte außerhalb des Berliner Umlandes gelinge es, den Einwohnerzuwachs nach Brandenburg zu lenken, heißt es in der Begründung des Vorstandsbeschlusses.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Genilke, betonte am Montag, dass seine Partei seit einem Jahr ein schlüssiges Mobilitätskonzept von der Landesregierung einfordert. Es müsse möglich sein, dass man von jedem Mittelzentrum in Brandenburg aus in 90 Minuten mit der Bahn ins Berliner Zentrum kommt, aus den Oberzentren in 60 Minuten.

Auch Genilke hält die Verlängerung von S-Bahnstrecken für sinnvoll. Allerdings sollten die Regionalexpressverbindungen dann nicht mehr an Bahnhöfen mit S-Bahnhof halten. So würden die Fahrgäste aus den Randregionen schnell ins Berliner Zentrum pendeln können. Der Regionalexpress 1 würde dieser Idee zufolge von Frankfurt (Oder) kommend nicht mehr in Erkner halten.

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beko 17.05.2015 - 17:37:21

Schnellen Regionalverkehr für das Osthavelland sichern - keine S-Bahn

Wir Pendler im Osthavelland setzen weiter auf den schnellen Regionalverkehr nach Berlin. Eine S-Bahn mit viel längeren Fahrzeiten wollen wir nicht - jedenfalls nicht, wenn dafür RB/RE-Halte oder Verbindungen gestrichen oder ausgedünnt werden. Sinnvoller wäre es, die Hamburger Bahn von Spandau nach Nauen möglichst viergleisig auszubauen, um Nah- und Fernverkehr besser entzerren zu können. Das wäre eine Investition in die Zukunft, die sich lohnt!

Auch Pendler 12.05.2015 - 15:07:24

Irre ist sehr mild

Allein die Fahrstrecke Tiefensee Richtung Ahrensfelde. Die Bahntrasse Tiefensee bis Werneuchen wurde noch ausgebaut bzw. erneuert, dann stillgelegt. Bis nach Werneuchen kommt der Pendler aus Bad Freienwalde mit dem Bus, der nicht nur alle 2 Stunden fährt, sondern auch noch alle kleinen Orte anfährt. Somit kommt Pendler nicht schnell nach Werneuchen. Also gleich mal selbst das Auto nehmen - aber Achtung - Stau in Ahrensfelde. Hier denkt niemand mit, der täglich pedeln muss. Was bleibt ist der Frust der Pendler, für unnötige Fahr- und Stauzeiten und natürlich die Anwohner, die dem täglichen Verkehrschaos vor der Haustür ausgeliefert sind. Wenn man allein das Wort Speckgürtel hört, fragt man sich ob wir auf dem platten Land Bürger einer minderen Klasse sind. ...

östlicher Brandenburger 12.05.2015 - 14:33:01

Bürgernah?

Herr Genilke von der CDU nimmt ja uch seit 1999 nicht mehr am Arbeitsleben teil, seit dem ist er Politiker und wir wissen ja wie Weltfremd Poltiker Denken und Reden. Also, wo eine S-Bahn fährt hält kein Regionalzug mehr - Dummheit und Arroganz lassen grüßen. Herr Genilke versuchen Sie es mal mit Arbeit und versuchen Sie zu Pendeln von Brandenburg nach Berlin, aber bitte keine Knotenpunkte benutzen. Manchmal frage ich mich, wofür bekommen diese Leute ihr Geld.

Pendler 12.05.2015 - 12:02:04

ja die Infrastruktur......

muss dem Märker126 zustimmen....es hakt überall...jeden Tag nur noch Stau auf allen Zufahrten nach Berlin...die Anwohner sind belastet ohne Ende,die Pendler genervt...,Ortsumgehungen können ja nicht überall die Lösung sein....auch darum müsste grad die Bahn für die pendler viel mehr und bessere Anbindungen bieten und das nicht nur im Speckgürtel!!!

märker126 12.05.2015 - 11:06:55

Der Osten...

...wird nun vollkommen abgehängt. Was ist mit der Fertigstellung der Lausitztrasse? Die Ortsumgehung Seelow gibt es ja schon seit Jahren, nur die Trasse fehlt. Ausbau der Oderlandbahn?...Fehlanzeige. Bis ins Zentrum Berlins braucht man von Seelow aus immer noch knapp zwei Stunden (für 80 Kilometer!). Wie geht es mit der B 1 weiter? Erfolgt dort ein Ausbau? Wie lange wird eigentlich schon an der Ortsumgehung Herzfelde gearbeitet?...zehn Jahre? Übrigens wird an der Autobahn Frankfurt Oder bis zum Berliner Ring seit 25 Jahren gearbeitet. Welche Infrastrukturprojekte im Osten Brandenburgs sind seit der Wende und damit zu Regierungszeiten der SPD wirklich umgesetzt worden? Der Wegzug ostbrandenburgische Bevölkerung wird sich so nicht stoppen lassen.

Sven Krein 12.05.2015 - 10:44:18

S Bahn endlich nach Velten verlängern

Der Richtfest am Bahnhof Velten am vergangenen Samstag, die hoffnungsvolle Rede der Staatsekretärin Lange und nun der Sinneswandel in der SPD Brandenburgs lassen hoffen, dass Velten nun endlich den längst überfälligen und versprochenen S- Bahnanschluss wieder zurückerhält. Es kann nicht sein, dass von Berlin kommend die Welt in Hennigsdorf zu Ende ist und die Veltener gezwungen sind, das Auto zu benutzen, um sinnvoll am ÖPNV teilzunehmen. Velten, als Bestandteil des regionalen Wachstumskern mit Hennigsdorf und Oranienburg, braucht diese Lebensader dringend zurück, um als Wohn- und Wirtschaftsstandort bestehen zu können. Hierbei ist ein verlässlicher und durchgehender 20 Minuten Takt nach Berlin unerlässlich.

Pendler 12.05.2015 - 10:37:44

irrsinn

grade der Bahnhof Erkner ist der Umstiegsbahnhof zur S bahn,dann sollen also alle erstmal bis Berlin reinfahren und dann mit der S bahn wieder raus wnen sie zwischen Erkner und Ostbahnhof irgentwo arbeiten?oh mann,wer sagt denen da oben mal wie Alltag funktioniert.....

Lars 12.05.2015 - 08:37:15

Unsinn

Den Vorstoß der CDU, dass die RE's nicht mehr an brandenburgischen S-Bahnhöfen halten soll, ist für mich nicht nachvollziehbar. Genau hier verzahnen sich doch die beiden Streckennetze. Außerdem möchte doch nicht jedermann von den brandenburgischen S-Bahnhöfen gen Berlin, sondern vielleicht auch nach Brandenburg. Ansonsten ist es positiv, dass erkannt wurde, dass im Bereich des ÖPNV noch Potential besteht. Wenn das Land nun auch die Zuschüsse an die Kreise für den Busverkehr dauerhaft erhöhen würde, wäre ich sogar noch ein wenig glücklicher

Egal 12.05.2015 - 07:51:32

Irre

Also manche Leute sollten sich mal auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen. Da wird erst der Bahnhof Erkner ausgebaut für Millionen Euro und dann soll in den Überlegungen der RE1 dort nicht mehr halten? Ja gehts noch?

querkopf 12.05.2015 - 07:45:26

Und was ist mit Richtung Osten?

Sind ja fasst alle Richtungen vertreten, nur eine fehlt. Da fehlt sicher die Lobby. Geht der Plan denn noch weiter, oder setzen wir nur auf de Eisenbahn? Wenn ich mir den Zustand der Landesstrassen in Speckguertel MOL anschaue, weiss ich wo die SPD nachsteuern muesste. Auch unsere Kreisstadt verfügt über ein sehr gutes Strassennetz, die Mautumfahrenden LKW freut es. Auch ist jeder Ort über eine glatte Asphaltstrasse erreichbar, obwohl nur drei Fahrzeuge am Tag drüberrollen. Alles noch von zentraler Dezentralisierung von Stolpe ausgedacht und immer noch im Gebrauch durch unsere Regierung. Wahlvolk werde wach.

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