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Hommage an einen Garten-Pionier

Stadtgeschichte: Vereinsvorsitzender Manfred Hunger, Dieter und Ingo Jungclaussen sowie Bürgermeister Herbert Radtke (v.l.) enthüllen den Stein "Alter Jungclaussenweg".
Stadtgeschichte: Vereinsvorsitzender Manfred Hunger, Dieter und Ingo Jungclaussen sowie Bürgermeister Herbert Radtke (v.l.) enthüllen den Stein "Alter Jungclaussenweg". © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 17.05.2015, 18:47 Uhr
Lebus (MOZ) Heinrich Jungclaussen praktizierte Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Lebus das, was man heute Öko-Anbau nennen würde. 1947 musste er die Stadt verlassen. Jetzt setzte ihm sein Neffe Dieter im Zusammenwirken mit Akteuren der Stadt ein kleines Denkmal.

Zwischen zwei Grundstücken am Ende der Bahnhofstraße gibt es eine kleine grüne Gasse. Sie führt direkt zum Sportplatz, dorthin, wo einst Gemüse und Feldfrüchte wuchsen. Seit Sonnabend hat die Gasse einen Namen, eingraviert auf einer Tafel - Alter Jungclaussenweg. "In meinem Garten erinnert nur noch ein Fliederbusch an die Ära der Gärtnerei", gesteht Bürgermeister Herbert Radtke. Als Nachkriegsgeborener war ihm der Name lange kein Begriff. Denn das Wirken des einstigen Begründers der Baumschule und Großgärtnerei Frankfurt fand sich in keiner Chronik. Um so mehr sei er dem Heimatverein, der Familie und den Anwohnern dankbar, dass sie dieses Kapitel Stadtgeschichte aufgearbeitet und damit wichtige Erinnerungen bewahrt haben.

In einer Ausstellung über die Gärtnereien - es gab einst 24 in Lebus - hatte der Heimatverein bereits 2008 die Geschichte recherchiert und in vielen Dokumenten und Bildern dargestellt. Vereinsvorsitzender Manfred Hunger lässt zur Einweihung des Erinnerungssteines noch einmal wichtige Daten des Unternehmens Revue passieren. Er erinnert an die innovativen Methoden der Jungclaussens. Zwischen Feldfrüchten pflanzte er Hecken und Bäume, verringerte die Korression, sicherte Lebensräume für Vögel und Insekten. Die Natur dankte es ihm. Auch in Trockenzeiten fuhr er durch nachhaltigen Anbau und ökologische Landschaftsgestaltung gute Ernten ein.

"Menschen wie ihn hätte die Stadt beim Aufbau nach 1945 gut gebrauchen können", resümiert Hunger. Die Familie musste nach Kriegsende sofort ihren Sitz in Frankfurt verlassen, zog ins Kutscherhaus und in die Futterkammer des Elisenhofes in Lebus, wollte neu beginnen. Mit der Ausweisung wurde dem ein Ende gesetzt. Die Wirtschaft selbst war durch den Krieg zerstört worden. Nur die bei Alteingessenen noch übliche Bezeichnung Elisenhof erinnerte an den Gärtner-Pionier.

Einer, der für sein soziales Wirken geachtet war, erzählt Anwohner Bernhard Klupsch. Er war es, der vor Jahren den Kontakt mit der Familie vermittelte. Edelgard Sachsenheimer, geb. Jungclaussen, weilte immer wieder in Frankfurt und Lebus, stellte Material aus dem Familienarchiv zur Verfügung. 2011 sollte in Erinnerung an das Wirken der Gärtner im Amtsgarten eine Esche gepflanzt werden. Der Termin stand schon fest. Wenige Tage zuvor verstarb die Enkelin des Firmengründers. Die Pflanzung fand nie statt.

Nun gibt es jedoch einen witterungsbeständigen Hinweis und zwar genau dort, wo Jungclaussen einst einen kurzen Verbindungsweg vom Gut zu den Anlagen anlegen ließ. Gesponsert hat ihn Neffe Dieter. Der 77-Jährige verwaltet heute das Familienarchiv. Er ist mit Sohn Ingo sowie Edelgard Sachsenheimers Enkel Dr. Georg Girke zur Einweihung gekommen. Sie danken dem Heimatverein und den Anwohnern für die Unterstützung und die Möglichkeit, die Erinnerung wach zu halten, bedauern, dass Edelgard Sachsenheimer diesen Tag nicht mehr miterleben kann. Gegärtnert wird heute noch in der Familie. Dieter Jungclaussen war zwar Betriebswirt, Sohn Ingo ist Psychologe und Georg Girke Arzt an der Berliner Charite. "Mit Eckhard Jungclaussen setzt aber ein Urenkel auf dem Birkenhof in Siegerland die Tradition fort", erzählt Dieter Jungclaussen. Natürlich mit ökologischem Anbau, so wie Gründer Heinrich ihn praktizierte.

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