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Der Verein My Life lässt in der Bibliothek zum 50. Mal Zeitgeschichte erzählen.

Puzzle zur Völkerverständigung

Zum Jubiliäum gedruckt: Die Festbroschüre des Vereins My Life - Erzählte Zeitgeschichte wird hier von Krzysztof Wojciechowski an die interessierten Zuhörer verteilt.
Zum Jubiliäum gedruckt: Die Festbroschüre des Vereins My Life - Erzählte Zeitgeschichte wird hier von Krzysztof Wojciechowski an die interessierten Zuhörer verteilt. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 21.05.2015, 06:32 Uhr - Aktualisiert 21.05.2015, 08:41
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte, die da vor sechs Jahren ins Leben gerufen wurde. Bereits zum 50. Mal haben Menschen in dieser Woche in der Stadt- und Regionalbibliothek ihre Lebensgeschichte erzählt. Darunter der langjährige Viadrina-Präsident Gunter Pleuger, Oderhähne-Chef Wolfgang Flieder und Wolfgang de Bruyn, Direktor des Kleist-Museums, aber auch viele nicht ganz so bekannte Persönlichkeiten der Stadt und der Region.

"Was von uns bleibt, sind Daten bei der Krankenversicherung oder der Bank. Der wahre Schatz, das gelebte Leben aber, wird spätestens in der übernächsten Generation vergessen sein", sagt der Gründer und Vorsitzende des Vereins My Life - Erzählte Zeitgeschichte, Krzysztof Wojciechowski, der die Reihe in der Bibliothek initiiert hat. Die in der Bibliothek erzählten Geschichten sind sicher die öffentlichkeitswirksamsten. In den Archiven von My Life allerdings schlummern inzwischen mehr als 1000 Lebensgeschichten. Sie seien auch Puzzleteile für die Völkerverständigung, so Wojciechowski. Polen könnten so besser verstehen, wie es für die Deutschen war, die aus ihren ehemaligen Wohngebieten vertrieben wurde, ebenso wie Deutsche auf diese Weise erfahren könnten, wie Polen den Krieg erlebt haben, nennt er ein Beispiel.

Die Idee, diesen Verein zu gründen, kam ihm, weil Menschen ihm schon immer gerne ihre Lebensgeschichten erzählt haben und weil er wissen wollte, was für Geschichten hinter den Namen auf Grabsteinen stecken. Dass es allerdings so ein Erfolg werden würde, damit hatte er nicht gerechnet. Schon träumt der Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum von einer My-Life-Universität. "Natürlich ist das nicht ernst gemeint", sagt er mit einem Lachen. Für Wojciechowski allerdings ist der Verein zu einer wahren Passion geworden. Auch Frankfurts OB Martin Wilke würdigte den Verein und die vielen Geschichten dahinter als wichtige Lebenserfahrung, die erhalten bleibt. Außerdem betonte er die Einmaligkeit dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen.

Bibliothekschef Dirk Wissen freute sich über die Ehrenmitgliedschaft im Verein, die ihm auf der Jubiläumsveranstaltung verliehen wurde. Spannend fand er an den letzten 50 Veranstaltungen, dass es durchaus auch kontrovers zugegangen sei bei den Erzählungen. Trotz Kürzungen im gesamten Veranstaltungsbereich der Bibliothek soll diese Reihe auch zukünftig erhalten bleiben. Aber nicht mit acht, sondern nur noch mit sechs Ausgaben im Jahr.

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