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Freude über ein doppeltes Ende

Jonas (l.) & Rapha, wie sich dieses Duo nennt, eröffnen das LiLy-Fest am Freitagabend im Bürgerbildungszentrum.
Jonas (l.) & Rapha, wie sich dieses Duo nennt, eröffnen das LiLy-Fest am Freitagabend im Bürgerbildungszentrum. © Foto: Sören Tetzlaff
Simon Rayß / 01.06.2015, 07:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Von Freitag bis Sonntag hat die Initiative Freiraum ihre eigene Auflösung gefeiert. Die ist deswegen ein Grund zur Freude, weil die Gruppe ihr zentrales Ziel erreicht hat: Räume in Eberswalde zu bilden, in denen die Bewohner ihre Ideen verwirklichen können - die sogenannten Zwischenräume.

Auch wenn das LiLy-Fest "Lieder und Lyrik" verspricht, bietet es doch viel mehr: ein Konzertabend im Bürgerbildungszentrum, eine Lesung für Kinder, internationaler Rap beim Kulturverein Palanca, ein musikalischer Spaziergang im Forstbotanischen Garten, Verpflegung von der Radküche - und all das umsonst, organisiert komplett auf Spendenbasis.

"Die Leute sollen sehen, wie leicht es mit Hilfe des Netzwerkes ist, ein Fest auf die Beine zu stellen", sagt einer der Organisatoren, der sich einfach nur Dowan nennt. Es sei sehr angenehm, darin zu arbeiten. "Mit ein paar Anrufen ist viel zu erreichen", erklärt der junge, wortgewandte Mann mit dem raspelkurzen Haar.

Das Netzwerk, von dem Dowan spricht, hat eine Initiative mitorganisiert, die bis zum Sonntagabend Freiraum hieß. Mit dem Ende des Lily-Festes ist auch das Ende der Gruppe gekommen. Sie hat sich zusammen mit vier weiteren Organisationen - Hebewerk, wandelBar, Tauschring und Alnus - seit vier Jahren darum bemüht, in der Stadt Räume entstehen zu lassen, in denen sich die Kreativität der Eberswalder entfalten kann.

Ergebnis des Strebens: Anfang des Jahres werden dem Projekt von den Stadtverordneten 10000 Euro Zuschuss bewilligt. Kurz darauf entstehen zwei Standorte: einer in der Eisenbahnstraße 69, einer in der Havellandstraße 15. Die heißen dann nicht mehr Freiraum, sondern Zwischenraum, und sollen der gesamten Bewegung vorübergehend eine Heimat geben.

Die beiden "Zwischenräume" sind offen für jedermann: freie Kulturzentren mit angeschlossenen Werkstatt-Räumen. Die Idee hat verschiedene Vorbilder, unter anderem die Offenen Technologielabore österreichischer Prägung. Doch das Eberswalder Projekt sei die ganze Zeit über schon etwas Eigenes gewesen, erklärt Dowan. Ein Netzwerk, das aus der Partnerschaft der fünf Gruppierungen hervorgegangen ist, und nun mit jeder Veranstaltung mehr Mitglieder anlockt.

"Wir sind sehr breit aufgestellt", sagt Dowan, der auch Sprecher der Freiraum-Initiative gewesen ist. Sicher, ein harter Kern sei schon immer dabei. "Doch wenn ich jetzt einmal kurz in den Raum blicke, sehe ich sofort einige neue Gesichter", konstatiert er.

Dieser Raum, den der Mitorganisator des LiLy-Festes am Freitagabend erwähnt, ist das Café im Bürgerbildungszentrum. Vier Konzerte stehen auf dem Programm, es verspricht also ein langer Abend zu werden. Dennoch haben sich schon kurz nach Beginn gut 50 Besucher eingefunden. Sie hören zu, wie Jonas & Rapha Folk- und Pop-Lieder singen, nur begleitet von ihren Gitarren. Sie kaufen Getränke an der Bar und füllen die Spendenbox, die Dowan vor den Tresen gestellt hat.

Das Geld können die Zwischenraum-Betreiber gut gebrauchen, nicht nur um die Ausgaben fürs LiLy-Fest wieder hereinzubekommen. Denn selbst, wenn die Räume und die Vernetzung nun gegeben sind, gilt es für die Mitglieder, für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Einrichtungen zu kämpfen.

Der Name Zwischenraum deutet es bereits an: Trotz der Auflösung des Freiraums ist das Projekt nicht am Ende angekommen. "Das Ziel ist nach wie vor, ein gemeinsames Haus im Zentrum zu finden", sagt Dowan. "Da sind wir weiter dran." Aber wird es nicht schwerer, nun, da eine erste Lösung gefunden worden ist? Nein, meint der ehemalige Freiraum-Sprecher. "Der Platz zur Verwirklichung der Ideen ist jetzt da. Die Sache wird wachsen."

Und das LiLy-Fest? Wird es das im nächsten Jahr wieder geben? Dowan zuckt mit den Schultern und lächelt verhalten. "Mal sehen", sagt er. Das Ganze geschehe genauso, wie die gesamte Organisation des Netzwerks: vollkommen ungeplant.

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