Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bei der Klopfprobe muss es klingen

 In den Backöfen von drei Danewitzer Familien sowie im Gemeindebackofen wurde fleißig gebacken.
In den Backöfen von drei Danewitzer Familien sowie im Gemeindebackofen wurde fleißig gebacken. © Foto: Renate Meliß
Renate Meliß / 01.06.2015, 07:50 Uhr
Danewitz (mes) Der kleine Ort hatte am Sonnabend zu seinem 21. Backofenfest eingeladen. Die knusprigen Laibe fanden reißenden Absatz, auch die kleinen Gäste waren beim Backen ganz bei der Sache.

"Nein, erst umdrehen und die Klopfprobe machen. Es muss hohl klingen." Bernd Klockow steht mit dem langen Schieber vor dem Backofen. Gerade werden die noch heißen Brote herausgezogen. Wenn die Klopfprobe nicht entsprechend "klingt" sind die Laibe noch nicht ausgebacken, weiß er. Bei der Arbeit ist viel Fingerspitzengefühl nötig, denn es wird gebacken wie vor hundert Jahren.

Draußen bei Sonne und Wind werden duftende Kuchen mit Aprikosen, Äpfeln, Pflaumen und Kirschen - und Streuseln - verkauft. Schnell hat sich eine Schlange gebildet. Wie immer hatten sich die Danewitzer gründlich auf ihr Backofenfest vorbereitet, das um 11 Uhr auf dem Festplatz eröffnet wurde. Gebacken wurde bei den Familien Gesche, Cezarek, Klockow und natürlich am Gemeindebackofen. "Wir würden gern auch einen Kaffee zum Kuchen trinken und jetzt ist das nicht möglich?", fragt verwundert ein Ehepaar und auch zwei ältere Damen, die aus Berlin gekommen waren, hatten diesen Wunsch. Gerade sind sie am Backofen von Familie Klockow angekommen. Hier gibt es zwar Kuchen und Brote, doch leider keinen "Frischgebrühten". "Den müssen sie sich vom Festplatz holen, wir dürfen hier keinen verkaufen", so die Antwort. Schade, denn was ist ein noch ofenwarmer Kuchen ohne eine Tasse Kaffee? "Auf dem Festplatz waren wir schon. Wir wollen aber lieber hier in aller Ruhe mitten in der Natur sitzen", so etliche Besucher, die die ländliche Stille auf den einzelnen Höfen genießen wollen. Denn nicht jeder liebt die Geselligkeit in großer Runde. Und damit stehen sie nicht allein. "Im letzten Jahr haben wir auch hier gesessen und dann noch Verwandtschaft getroffen, die wir seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Das war wunderschön", erinnert sich ein Ehepaar aus Wandlitz.

Am Backofen von Familie Cezarek wischt René Voigt gerade den Backofen mit einem feuchten Lappen aus. Schon tragen die Männer weitere Stangen mit Brotlaiben heran, die gleich in den Ofen sollen. Am Tisch nimmt Dagmar Cezarek, seit März Vorsitzende des Backofenvereins, Platz. "Wir haben das so beschlossen auf der Versammlung, dass an den Öfen der Vereinsmitglieder nur Brot und Kuchen verkauft werden. Kaffee nicht", erklärt sie. Auf dem Festplatz finde auch die weitere Bewirtung statt. Für Deftiges aus der Gulaschkanone sorgen die Männer und Frauen der Feuerwehr. Es gibt Pellkartoffeln mit Quark, Schmalzstullen und all die Kuchen und Brote, die von den anderen Backöfen gebracht werden.

Auch am Backofen von Brigitte und Friedhelm Gesche sind rund 100 Brote und viele Bleche mit Kuchen gebacken worden. "Ein Bäcker muss halt früh aufstehen", so Gesche. "Wir sind jetzt beide über 76 Jahre, zwar nicht mehr im Verein, aber der Ofen muss schließlich bedient werden", erklärt er. Lebhaftes Treiben herrscht derweil auf dem Festplatz, wo die Besucher in langer Schlange vor dem Verkaufstand stehen, umrahmt von Hüpfburg, Eisstand sowie einem kleinen Markt mit Eiern, Bowle, Gemüse und Kunstgewerbe.

Am Nachmittag wartet dort auch ein buntes Programm auf die Gäste mit Clown Herzchen, Ponyreiten, einer zünftigen Blaskapelle aus Hennigsdorf und einem Quiz.

Ab 14 Uhr tauchen dann viele kleine Besucher ihre Hände eifrig in Mehl und formen bald darauf Schnecken, Zöpfe und Kringel, die mit bunten Streuseln versehen werden und dann ab in den Gemeindebackofen wandern.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG