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Zu viele Flüchtlinge an einem Standort

Landrat Schröder
Landrat Schröder © Foto: MZV/Rachner
Patrik Rachner / 01.06.2015, 21:30 Uhr - Aktualisiert 01.06.2015, 21:41
Dallgow-Döberitz (MZV) Keine Lösung: Mit einer gemeinsamen Erklärung haben sich Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler), Ralf Böttcher (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung, und alle Fraktionsvorsitzenden in der Dallgower Gemeindevertretung an Havellands Landrat Dr. Burkhard Schröder (SPD) gewandt und sich gegen die "geballte Unterbringung von 400 Flüchtlingen in Containern" am Standort Kleiststraße ausgesprochen.

In dem Schreiben, in dem die Hoffnung auf eine sozialverträglichere Lösung zum Ausdruck gebracht wird, heißt es: "Die Konzentration von zahlreichen Ethnien und unterschiedlichen religiösen Glaubensrichtungen ist mit erheblichen Konflikten verbunden. Außerdem ist die Unterbringung von Flüchtlingen in dieser Größenordnung an einem Standort für die Umsetzung sinnvoller Integrationskonzepte nicht geeignet." Die Antwort vom Landrat folgte indes prompt.

Die Unterzeichner des Schriftstück, darunter auch Jörg Vahl (CDU-Fraktion), Harald Wunderlich (FWG/BBD), Theodor Hölscher (SPD) und Peter-Paul Weiler (Bündnis 90/Die Grünen), sind sich davon unabhängig ihrer Verantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen bewusst. Sie wollen ihren Beitrag zur Lösung der Flüchtlingsfrage auch leisten, aber eine sozialverträgliche Nutzung des Grundstücks an der Kleiststraße sei für sie lediglich für eine Belegung mit maximal 200 Flüchtlingen denkbar. "Allein damit liegen wir als Gemeinde im Verhältnis der Einwohnerzahl zu den aufgenommenen Flüchtlingen deutlich über dem Durchschnitt des Landkreises", hieß es in der am Wochenende ausgearbeiteten Erklärung.

Zudem werden darin weitere Grundstücke für Flüchtlingsunterkünfte ins Gespräch gebracht, die perspektivisch eine Rolle spielen könnten. Nachgedacht worden ist etwa über Standorte in der Trift-, Bahnhof- oder Wilhelmstraße. Außerdem gebe es im Gemeindegebiet dem Land gehörende Grundstücke. Zudem seien in privater Hand geeignete Flächen vorhanden.

Der Tenor: "Durch eine Verteilung auf mehrere Standorte sinkt die Konfliktträchtigkeit der Unterbringung für die Flüchtlinge und die Nachbarschaft. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich die Kreisverwaltung mit uns und den Kommunen des Landkreises umgehend über ein gemeinsames Verteilungs- und Unterbringungskonzept verständigt. Wir fordern, dass für den gesamten Landkreis eine allgemeingültige, ausgewogene und für Flüchtlinge und Einwohner sozialverträgliche Verteil- und Unterbringungssystematik entwickelt wird."

Angesichts der außerordentlichen gesellschaftspolitischen Problematik halten es die Unterzeichner für "zwingend erforderlich", dass der Landkreis in "eine frühzeitige und umfassende Kommunikation und einen zielführenden Dialog mit allen Beteiligten eintritt". Die Bürger müssten sich einbringen können. "Wir befürchten, dass sonst zusätzliche und weitreichende Konflikte entstehen."

Landrat Dr. Burkhard Schröder zeigte in Teilen Verständnis für die Reaktion, nachdem die Pläne der Kreisverwaltung kurzfristig in der vergangenen Woche bekanntgegeben worden waren. Er merkte gegenüber dieser Zeitung allerdings auch an: „Das ist eine grundsätzlich konstruktive Stellungnahme. Allerdings hat sie auch einen idealistischen Ansatz, zum Beispiel was ein kreisliches Konzept für Unterbringung und Integration betrifft. In einer sich drastisch zugespitzten Situation der Unterbringungssicherung kann man ähnlich wie im Hochwasserfall nicht erst breit die Unterbringung und Verteilung im Konsens mit allen Gemeinden diskutieren, sondern muss zuerst das Wichtigste und Profane sichern, wie derzeit. Der Ansatz ist verständlich, zu erwarten, dass die Verteilung möglichst angemessen alle Gemeinden trifft. Allerdings ist dies eine Reinheitslehre, die in der Praxis nie genau umsetzbar ist. Die Einbeziehung von Bürgermeister und Gemeindevertretern in die aktuelle Entscheidungsfindung in Dallgow-Döberitz erfolgte aus meiner Sicht rechtzeitig und untadelig.“

 

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Werner Bleichert 03.06.2015 - 16:32:06

Ohne Sinn und Verstand !!!

Wie können Sie nur solch einen Vergleich zwischen Hochwasserkatastrophe und Flüchtlicngskatastrophe wagen. Der Landkreis hat es einfach geräumt sich der Sache rechtzeitig anzunehmen. Jetzt wird das ganze Problem auf dem Rücker der Bürger ausgetragen. Die geplante Unterkunft in einer Einfamilienhaussiedlung kann nicht gut gehen. Wie fühlen sich wohl die Anwohner vor Ort? Sicher haben Sie mit den Bürgern auch noch nicht gesprochen. Wir leben in Zeiten von Mitbestimmung und Transparenz. Eine plausible Darstellung von Zahlen auf die jeweiligen Orte bezogen würde erheblich mehr Sinn machen und die Stimmung nicht unnötig aufheizen. Das was dort zu erwarten ist kann nicht gut gehen. Wie wollen Sie ohne Polizei in Dallgow / Falkensee ein Sicherheitskonzept plausibel darstellen. Was bereits in Friesack los ist wird hier nur noch schlimmer. Ich möchte denjenigen sehen der nachher die Verantwortung übernimmt wenn es zum großen Knall kommen sollte. Herr Landrat überdenken Sie schnellstmöglich Ihre Entscheidung und beziehen Sie endlich die Bürger mit ein. Was ist mit den ganzen, seit Jahren leerstehenden, Gebäuden an der B5? Hier ist eine viel sinnvollere Nutzung möglich als bestehendes Biotop in Dallgow zu vernichten. Und eine Nutzung von nur 3 Jahren brauchen Sie den Bürgern auch nicht weiss zu machen. Wir lassen uns nicht mehr an der Nase rumführen.

Helga Fiedler 03.06.2015 - 12:09:59

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Ein überdimensioniertes Asylbewerberheim in Dallgow als Gelegenheit, den eigensinnigen Genossen vor Ort mal ordentlich den Marsch zu blasen? Das Thema Asyl ist zu sensibel, um es für solche Ränkespiele und innerparteilichen Machtdemonstrationen zu missbrauchen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Asylsuchenden sieht anders aus, Herr Landrat!

Armin 2 03.06.2015 - 11:31:40

Ohne Konzept.....

wird die sogenannte Flüchtlingsunterbringung schief gehen. Es fehlt an Politikern , die mit Vernunft u. Sachverstand unter Einbindung der angestammten Bürger vor Ort diese Aufgabe angehen. Stattdessen versucht man auf ideologischer Ebene "Willkommenskultur" der Sache Herr zu werden. Dieser Schnellschuss wird verpuffen. Weil es an sämtlichen Voraussetzungen fehlt.(Infrastruktur, Betreuer e.t.c.) Zuwanderung kann immer nur in angemessener Form erfolgen. Das ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration in unser Land. Alles über das Maß hinausgehende schädigt unsere Gesellschaft..

Lohn 02.06.2015 - 11:05:12

Zuzug

Freuen darf man sich also auf verstärkten Zulauf, eine ganze Armee von Rechtsberatern deren Ziel es letztendlich ist, die Abschiebungen möglichst weit nach Hinten zu schieben. Freuen darf man sich auch auf Wiedergänger, die das erfolgreiche Sozialhilfe-Geschäftsmodell gleich mehrfach verwenden. Und freuen darf man sich, dass die Kommunen, die schon jetzt, trotz leerer Kassen erheblich unter dem Migrationsdruck leiden, noch einen ordentlichen Bündel Euronoten für die Wirtschaftflüchtlinge drauf legen dürfen. Es bleibt spannend!

XXL 02.06.2015 - 08:39:17

Wo bleiben die bunten Willkommens- Demos ?

Scheint ja irgendwie ruhiger zu werden wenn nun ernsthaft Massen von Schwarzafrikanern zu erwrten sind. Die Jubelrufe sind verstummt, man hört auch nichts mehr von " kultureller Bereicherung ", Unsicherheit geht um. Die Einzigen die sich die Hände reiben sind die Nutznießer in der Asylindustrie und die öffentliche Verwaltung hat sich deren Interessen unterzuordnen, Basta.

Rosa Linde I. 02.06.2015 - 08:00:04

@hannah holtloh

Richtig- das Problem könnte doch ganz fix gelöst werden, wenn alle Unterstützer und Befürworter zwei Asylbewerber oder Flüchtlinge in ihrer perönlichen Unterkunft und Obhut aufnehmen (müsste machbar sein). Sie wären wirklich willkommen, würden erfolgreich integriert werden und niemand könnte sich mehr aufregen, da es dann ja quasi als Besuch zu werten ist und wer regt sich schon über den Besuch beim Nachbar auf.

hannah holtloh 01.06.2015 - 23:39:18

Konzeptionslos und Wassermetaphern ...

Das Verhälsnis von Einwohnern und Einwanderern sollte schon einigermaßen gereht verteilt sien. Aber auf die verkehrstechnisch günstigen Orte kommt es an. Warum vergisst Landrat Dr. Schröder, wie sehr mit Wasserbildern von Nazis und anderen Frot gegen Schutzbedürftige gemacht wurde. Warum spricht er unnötig vom "Hochwasserfall"? Das "Boot" unseres Landkreises ist noch lange nocht voll, wenn geflüchtete Menschen im Promillebereich hier ankommen. Wir sollten nicht nur überlegen, wie viele von ihnen für uns Eingeborene "verträglich" sind, sondern vor allem; wie viele können mit möglichst wenig Konflikten und mit möglichst vielen Chancen auf "Ankommen" wo aufgenommen werden. Alle Wohlfahrtsverbände sprechen von dezentraler Unterbringung und von zentralen Unterkünften möglichst nicht über 50 Menschen! DAS ist die konzeptionelle Herausforderung, Herr Landrat!

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