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Eberswaldes einziger Tausch-, Leih- und Schenkladen an der Eisenbahnstraße erweitert sein Angebot

Wo niemand Geld gebrauchen kann

Ladendienst im Doppelpack: Glenn Rossow und Claudia Gerecke gehören zu den Ehrenämtlern, die die Öffnungszeiten im e69 absichern. Auch den Kuschel-Teddy würden die Helfer gern abgeben, auch wenn er ihnen ans Herz gewachsen ist.
Ladendienst im Doppelpack: Glenn Rossow und Claudia Gerecke gehören zu den Ehrenämtlern, die die Öffnungszeiten im e69 absichern. Auch den Kuschel-Teddy würden die Helfer gern abgeben, auch wenn er ihnen ans Herz gewachsen ist. © Foto: Sören Tetzlaff
Sven Klamann / 11.06.2015, 05:45 Uhr - Aktualisiert 11.06.2015, 21:38
Eberswalde (MOZ) In diesem Geschäft zückt niemand seine EC-Karte. Und auch mit Euro und Cent ist hier absolut nichts zu holen. Vielleicht gerade deshalb floriert der Tausch-, Leih- und Schenkladen an der Eisenbahnstraße 69, der ab heute sein Angebot erweitert.

"Und das Knobelspiel kostet wirklich nichts?", fragt die alte Dame lieber noch einmal nach, die der schlichte Zettel im Schaufenster dazu ermuntert hat, einfach hereinzukommen. Erfreut vergräbt sie den als Mitbringsel für ihren Enkel gedachten Zufallsfund in der Handtasche und verabschiedet sich freundlich, aber so schnell, als ob sie dem Frieden nicht trauen würde.

Seit Anfang Mai ist der Tauschring Eberswalde Hauptnutzer in dem 77 Quadratmeter großen Kellergeschoss, das ehemals von SPI-Streetworkern in Beschlag genommen war. Das Ladengeschäft an der Eisenbahnstraße ist neben den 400 Quadratmetern im Vereinshaus an der Havellandstraße 15 im Brandenburgischen Viertel der zweite Ableger des Gemeinschaftshaus-Projektes, hinter dem noch die Initiativen Alnus, Hebewerk, wandelBar und Tauschring stehen. Miete und Nebenkosten werden von dem Zuschuss getragen, den die Stadt den Gemeinschaftshaus-Verfechtern gewährt. Die Betreiber reden von den Standorten e69 und h15.

Die vorderen beiden Räume im e69 sind für die Schenkabteilung reserviert. Was in den Regalen liegt, ist zur Gratis-Entnahme bestimmt. Wer selbst Bücher, Spielzeug, Mäntel, Schmuck, Keramik oder andere nicht mehr benötigte Kleinigkeiten für andere abgeben will, wird von den bisher sechs, sieben ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich den Ladendienst teilen, freudig begrüßt. "Wir nehmen alles an, was fehlerfrei funktioniert und auch optisch keine Macken hat", sagt Glenn Rossow vom Tauschring. Vorsorglich weist er daraufhin, dass es im Laden kein Lager gibt und ein Annahme-Stopp verfügt werden müsste, sobald nichts mehr in die Regale passt. Doch so weit ist es noch lange nicht - auch weil sich die Zahl der Geber und Nehmer so ziemlich die Waage hält. Von dem sich an jedem Öffnungstag wandelnden Sortiment haben zum Beispiel schon Studierende profitiert, die für ihre neue Wohngemeinschaft dringend Geschirr benötigten. Eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien hat sich mit Bekleidung für ihre Kinder eingedeckt. Und ein rüstiger Rentner kommt häufig, um sich mit weiterem Lesestoff zu versorgen.

"So werden wertvolle Ressourcen gespart. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel", betont Glenn Rossow, der gespannt ist, ob sich auch für gewiss 30 Jahre alte elektrische Schreibmaschine der Marke Brother, der nur ein frisches Farbband fehlt, noch ein Interessent findet. Um den flauschigen Teddy mit den großen Knopfaugen, den heimlichen Star im Angebot des Schenkladens, sorgt er sich weniger.

Wer Sperriges abzugeben hat, kann dies auf einem Zettel verkünden, der seinen Platz an den Wänden des etwas anderen Geschäftes findet. Auf den Aushängen werden Schrankwände, Sofas oder Kinderwagen offeriert.

Im hinteren Bereich soll eine Ausleihstation entstehen. "Wer einmal im Jahr seine Terrasse säubern möchte, muss sich dafür ja nicht selbst einen Hochdruckreiniger anschaffen, der dann die restlichen 364 Tage vor sich hin rostet", findet der Gründer des Tauschrings Eberswalde mit bereits 56 registrierten Nutzern.

Für das zusätzliche Angebot sind Regalspenden willkommen.

Der neue Treff e69 ist überdies die Heimstatt der Tauschwilligen, die sich einmal im Monat zum Tauschdinner treffen - das nächste Mal übrigens am 25. Juni. Um 18 Uhr besprechen sich zunächst die Mitglieder intern, ab 19 Uhr können sich auch Neueinsteiger vorstellen. Auch bei diesem Geschäftszweig spielt Geld keine Rolle. Die Währung heißt Talente. Da gibt es Männer, die ihre Dienste beim Rasenmähen und Umgraben anbieten. Für ihren Einsatz werden ihnen imaginäre Talente gutgeschrieben, für die sie sich bei Bedarf später ein Abendessen kochen lassen oder ihren Kindern Mathe-Nachhilfe gönnen können ...

Öffnungszeiten: dienstags und freitags jeweils von 15 bis 19 Uhr, neu ab heute: TauschCafé jeden Donnerstag von 16 bis 20 Uhr

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